Meine Liebe_n / Marie / 3. September 2024
Aus Freundschaft wurde Liebe(skummer)
Marie — 3 Min. Lesezeit
Wie Marie lernte keine Taube mehr zu sein.
Tja, was soll ich sagen, ich bin nicht stolz drauf, aber wie sagt man so schön?
Wo die Liebe hinfällt…
Vor vielen Jahren habe ich mich in den besten Freund meines damaligen festen Freundes verliebt.
Erst war er nur mein bester Freund und wir haben viel Zeit miteinander verbracht, während mein
fester Freund Vollzeit gearbeitet hat. Man muss dazu sagen, dass er mich oft nicht fair behandelt –
und ständig angelogen hat, weshalb ich viel mit meinem besten Freund reden musste.
Mit reingespielt hat – auch wenn es sich komisch anhört – unser Sternzeichen, wir haben beide
das gleiche, weshalb wir uns vom Charakter her unglaublich ähnlich waren, ich sage bis heute,
dass es eine Art Seelenverwandtschaft war.
Es war leider eine Liebe, wie ich sie noch nie gefühlt habe, weil eben dieses
Seelenverwandtschaftsding extrem viel dazu beigetragen hat.
Man hat sich ohne Worte verstanden, man hatte die selben Interessen, die selben Gedanken, den
selben Humor, es war alles so stimmig.
Ich habe mich so wohl gefühlt.
Andererseits aber auch so furchtbar, weil es eben der beste Freund meines Freundes war.
Vor allem in der ersten Zeit, nach der Trennung und dem übergehenden Beziehungsbeginn dem
Gewissen, dass die beiden sich oft sehen.
Ihr fragt euch, warum sich – trotz Trennung – die beiden oft sehen mussten?
Weil wir ein Kind haben. Inzwischen sogar drei und mit meinem damaligen besten Freund bin ich
natürlich schon lange nicht mehr zusammen, mit dem Papa meiner Kinder dafür inzwischen
verheiratet.
Nur als kleiner Spoiler, dass sich alles zum Guten gewendet hat!
Die Liebe zwischen meinem besten Freund und mir war etwas Besonderes, wie ich ja schon
gesagt habe, unser Sternzeichen Skorpion hat uns extrem zusammengeführt, aber – trotz all der
schönen, romantischen Seelenverwandtschaftsmomente, gab es auch eine dunkle Seite, die ab
einer bestimmten Beziehungslänge einen großen Kummer hervorgerufen hat.
Er war ein Narzisst. Er konnte mir Liebe zeigen oder Hass, ganz wie er gerade drauf war.
Er hat Tage gehabt, an denen der mir die Sterne vom Himmel holen konnte, gute Laune hatte,
auch meinem Sohn gegenüber und man einfach wusste, dass alles gut wird…und dann gab es
Tage, an denen er seine Sache gepackt hat und weg war. Mir nicht mehr geschrieben hat, eine
Auszeit brauchte (aber von was?) oder mich so sehr eingeengt hat, mir Dinge verboten hat, sogar
was ich für Kleidung an hatte, bis er mich auf der Straße, in der Öffentlichkeit, so gewaltvoll
behandelt hat, dass Passanten eingeschritten sind.
Diese schlimmen Phasen wurden irgendwann mehr und mehr und die Guten immer weniger. Aber
sie waren da! Sehr selten, aber auch die kamen immer mal wieder raus und darauf habe ich
gewartet.
Mein Psychologe nannte es „Intermittierende Verstärkung“ und verglich es mit einer Taube, die
gelernt hat, dass aus dem Futtertrog manchmal Futter kommt, allerdings nicht regelmäßig. Sie
wusste jedoch, es kommt welches, wenn sie warten würde.
Ich war also die Taube.
Diese emotionale Abhängigkeit von einem Narzissten, der einfach alles in der Hand hatte, hat
jegliches Leben aus mir gesaugt. Denn er war mein Leben. Meine Liebe, die auf Krampf da war,
denn viel mehr Anderes hatte ich nicht mehr.
Die Abhängigkeit war mein Leben.
Und am Ende hat sogar er sich getrennt, nicht ich.
Das war die schlimmste Liebe und gleichzeitig die Schönste, ich kann es wahrscheinlich niemals
so wiedergeben, wie es für mich war.