Konsens beim Sex, eigentlich ein simpler Grundsatz aber leider nicht so selbstverständlich, wie er es sein sollte. Als unser Autor jemanden kennenlernt, der auf Konsens achtet, ist er komplett überrascht und stellt fest: Es handelt sich um den Schlüssel zu positiven, sexuellen Erlebnissen.
Ich habe schon früh Erfahrungen mit Sex gemacht. Viele dieser Erfahrungen wollte ich gar nicht machen. Sie waren oft von Unsicherheit und Unwohlsein geprägt. Heute bin ich Mitte zwanzig und erst vor zwei Jahren hatte ich ein Erlebnis, das mein Sexleben grundlegend verändert hat. Es war in Budapest, Ungarn, und ich hatte mich vor Ort mit einem Typen über die Dating-App Grindr getroffen.
Das Treffen begann ganz klassisch. Wir haben wenig geschrieben, ein paar Bilder ausgetauscht und uns dann schließlich getroffen. Wir haben uns in seinem Hotelzimmer verabredet. Als ich ankam, fragte er mich, wie es mir gehe und ob ich mich wohlfühle. Diese Frage war zwar nicht besonders selten, aber dennoch ein toller Einstieg in unser Treffen. Es gab mir das Gefühl, dass er sich um mein Wohlbefinden kümmerte.
Wir begannen, uns näherzukommen und schließlich Sex zu haben. Während des Aktes fing er an, mit mir zureden. Er stellte Fragen wie: „Ist diese Stellung in Ordnung für dich?“ oder „Möchtest du eine andere Stellung ausprobieren?“. Diese Fragen gaben mir ein so wertschätzendes Gefühl. Ich hatte das Gefühl, dass ich mitentscheiden konnte, was passieren soll und was für mich angenehm ist.
Gegen Ende des Sexes ist er gekommen, ich jedoch nicht. Selbst dieser Akt ist für mich mittlerweile so normalisiert, dass ich mir keine weiteren Gedanken darüber machte. Ich komme super selten beim Sex, und deshalb stellte ich mir keine weiteren Fragen. Doch dann stellte er mir eine weitere Frage. Ihm war aufgefallen, dass ich nicht gekommen bin und er fragte mich, ob ich denn überhaupt kommen möchte.
Dieser Moment war sehr emotional für mich. Ich war begeistert und fühlte mich außer mir. Die Erfahrungen, die ich bisher gemacht hatte, waren entweder so, dass er kam und der Sex dann beendet war, oder er versuchte krampfhaft, dass ich auch noch komme, was oft in einem vorgetäuschten Orgasmus endete. Aber die Frage, ob ich denn überhaupt kommen möchte, stellte mein ganzes Bild von Sex auf den Kopf.
Der Moment war so schön, dass ich nicht einmal kommen wollte. Ich erkannte, dass Sex so vielmehr ist als nur der Akt des Kommens. Sex kann alles das sein, was wir als sexuell empfinden. Es muss nicht immer Penetration oder Ejakulation sein. Sex bedeutet Konsens, Intimität, Wertschätzung und das, was für dich persönlich Sex ist.
Deshalb ist Konsens so wichtig. Sobald eine oder mehrere Personen in eine Handlung verwickelt sind, ist eine Übereinstimmung von größter Bedeutung. Zögerungen, ein „vielleicht“ oder nicht eindeutige verbale oder non-verbale Ausdrücke sind kein eindeutiges „Ja“. Nur ein klares und eindeutiges „Ja“ ist tatsächlich ein „Ja“. Und ebenso kann ein „Ja“ jederzeit zu einem „Nein“ werden. Konsens macht Handlungen fairer und respektvoller. Er schafft Raum für echte Verbindung und Verständnis zwischen den Beteiligten.
In einer Welt, in der oft Druck und Erwartungen sind, ist es entscheidend, dass wir die Bedeutung von Konsens erkennen und respektieren. Es ist nicht nur eine rechtliche oder moralische Notwendigkeit, sondern auch eine Grundlage für erfüllende und gesunde sexuelle Beziehungen. Jeder sollte die Freiheit haben, seine Wünsche und Grenzen klar zu kommunizieren, ohne Angst vor Ablehnung oder Missverständnissen.
Konsens ist der Schlüssel zu einem positiven Sexualerlebnis, das auf gegenseitigem Respekt und Verständnis basiert. Es ist eine Einladung, sich selbst und die andere Person(en) kennenzulernen.