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Videos / Sophie / 28. Januar 2025

Das Nice-Guy-Syndrom: Über Begegnungen mit Männern, die nicht so feministisch sind, wie erhofft

Sophie

Sophie 3 Min. Lesezeit

#Aktivistisch ins neue Jahr #Featured #Feminismus #Männer

Männer müssen teilweise nur das sogenannte bare-minimum erfüllen, um als feministische Helden abgefeiert zu werden. Frauen und FLINTAS sehnen sich nach männlichen Allys, doch stehen die selbst ernannten Feministen wirklich auf unserer Seite? Hat man schon Applaus verdient, bloß weil man kein Arschloch ist? Ein Abriss von Caro.

Neulich habe ich den Satz „Lieber einen ehrlich konservativen als einen falschen feministischen Mann“ gehört. Das fand ich sehr spannend, denn die Darstellungen der Frau als Schlange, Femme Fatale oder Medusa schleichen sich auf kultureller, religiöser und historischer Ebene in unser Bewusstsein.

Im Alltag passiert es mir und befreundeten Personen häufiger, dass wir Männern begegnen, die sich mit einem gerne über Feminismus unterhalten, die zustimmend nicken und ihre Haltung gerne zum Ausdruck bringen. Und dann donnert es meistens Applaus.

Über Feminismus zu sprechen ist gut, über Feminismus zu sprechen ist schön und aus irgendeinem Grund finden wir es als Gesellschaft besonders super, wenn das Gesagte von einem Mann kommt. Dabei ist es im ersten Moment fast schon egal, ob hier eine wirkliche Einstellung wiedergegeben wird und die Person dann wirklich nach ihren angeblichen Maximen handelt, aber „Ohh, er hat gesagt, dass er dich niemals so behandeln würde und es ihm nichts ausmacht, wenn du im Job erfolgreicher bist, als er – das ist ja großartig“ und „Wow was ein aufgeklärter Mann, da kann man sich ja wirklich glücklich schätzen“, egal ob im Freundeskreis oder in der Beziehung. Wie nett, wie toll, wie aktivistisch.

Spannend wird es meist dann, wenn dann doch Kritik an einem Verhalten geäußert wird (was okay ist, denn wir sind ja alle nur Menschen und machen Fehler und auch er kann nichts für seine Sozialisierung) und sich zeigt, dass der Gegenüber vielleicht doch nicht ganz so eingestellt war, wie man es sich erhofft hatte, ist die Enttäuschung groß. Das kann von „Er hat das sicher nicht so gemeint“, wenn man vom übergriffigen Verhalten eines gemeinsamen Bekannten spricht“ oder „War ja nicht so schlimm, das passiert doch häufiger“, wenn man sich erschreckt, weil jemand einem vom Auto aus hinterherhupt.

Das soll nicht falsch verstanden werden, es gibt feministische Männer und das ist wunderbar, das ist wichtig. Aber es gibt leider auch solche, die sich bewusst entscheiden für ein gewisse Außenwahrnehmung Einstellungen anzunehmen, die sie nur so lange vertreten, wie sie ihnen einen Vorteil bringen, solange sie dafür bewundert werden. Sie tragen den Feminismus wie einen falschen Pass, der ihnen Zugang zu geschützten Räumen bietet. Der Mund war schon immer größer als der Tatendrang. Die angeblichen Einstellungen und Überzeugungen wieder abzulegen ist nicht so schwer. Man ist ja keine Frau und muss sich nicht jeden Tag aufs Neue damit auseinandersetzen, was es bedeutet, eine zu sein. Man muss sich nicht damit auseinandersetzen, wenn nur die Einstellung „Hey ich finde es cool, wenn allen die gleichen Rechte und die gleichen Privilegien zukommen können“ als konfrontativ gewertet wird.

Feminismus bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Feminismus bedeutet auch nicht, immer die richtigen Worte für alles zu finden. Feminismus bedeutet bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen und sich zu reflektieren. Feminismus bedeutet, offen für andere Perspektiven zu sein, auch wenn sie bei der eigenen Komfortzone anecken. Und Feminismus bedeutet, sich seiner eigenen Privilegien bewusst zu werden und sich zu überlegen, wie man sie so einsetzen kann, dass sie zum gesellschaftlichen Wohl aller beitragen.

Feminismus ist intersektional und dass wir immernoch cis-Männer lobpreisen, die Erkenntnisse haben, die ich mit Freundinnen auf Pyjama-Partys mit neun hatte, ist peinlich.

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