wie das patriarchat jungs schadet
Sara — 2 Min. Lesezeit
Unsere Autorin Sara arbeitet im Sozialen Bereich mit Kindern und Jugendlichen. Sie bemerkt: auch wenn schon vieles besser geworden ist, einige patriarchale Verhaltensweisen lassen sich schon im Grundschulalter beobachten. Das schadet nicht nur den Mädchen, sondern auch den Jungs.
Ich arbeite schon seit 6 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe und mache genauso lange dieselbe Erfahrung: auch hinter dem größten Macho und dem männlichsten kleinen Mann steckt immer ein verletzlicher Junge, dem mehr als ausführlich eingetrichtert wurde, keine Gefühle zu zeigen, anderen Jungs gegenüber dominant aufzutreten und natürlich Mädchen als etwas niederes zu sehen. Auch zwischen diesen kleinen Prinzen gibt es immer die bedürfnisorientiert erzogenen Jungs, die freundlich und sensibel sind (bitte mehr davon!!!).
Schon in der Grundschule wird den Kindern immer noch eingetrichtert, dass Jungs nicht weinen und nicht emotional sein dürfen, was dazu führt, dass 7-Jährige schon vor mir stehen und ihre Tränen unterdrücken und nicht in der Lage sind ihre Gefühle zu spüren und mit etwas anderem außer Wut zu reagieren.
Wozu diese Männlichkeit bei erwachsenen Männern führt, die nicht gelernt hat mit Gefühlen umzugehen, sich Hilfe zu suchen und ihre Ängste anderen anzuvertrauen, lässt sich gut in Kriminalstatistiken finden. Die Brutalität und Dominanz, die man schon in der Grundschule sieht, führt später zu Strafdelikten, die anderen auch Schaden zufügen. Femizide, Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Mord, Totschlag etc., alles Statistiken, die von Männern intensiv gefüllt werden. Eine männerdominierte Welt ist und bleibt immer gewalttätig, denn auch in der Grundschule ist schon sichtbar, dass Übergriffigkeiten stattfinden und die Grenzen anderer (vorrangig Mädchen) nicht respektiert werden. Mädchen wird immer noch erzählt, dass Jungs sie ärgern, weil sie sie mögen, anstatt zu lernen, dass Mögen daraus besteht, dass man sensibel und mit Wertschätzung behandelt werden soll.
Das Patriarchat tötet, nicht nur Frauen, sondern auch Männer, wenn man sich Selbstmordraten anschaut. Männer suchen sich seltener Hilfe für psychische Notlagen oder vertrauen sich seltener Freund*innen an, was dazu führt, dass der „starke Mann“ mit seinen Schwierigkeiten allein bleibt und nicht damit umgehen kann.
Und deshalb kann es nur einen Auftrag geben: Junge Männer im Erziehungssektor abzuholen und ihnen zu zeigen, dass es okay ist Gefühle zu haben. Es ist okay zu weinen, es ist okay sich Hilfe zu suchen und es ist auch okay, nicht dem Bild des maskulinen Manns zu entsprechen. Für ein wertschätzendes gesellschaftliches Miteinander und eine Welt, die sich dem Rechtsruck entgegensetzt, brauchen wir empathische Männer, die Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit erkennen und sich dieser in den Weg stellen.
Und wo könnte man damit besser anfangen, als bei unserer Jugend?