Mäx mag Gaming – auch wenn er feststellen musste, dass man auch dort Sexismus ausgesetzt ist. Ein Text über selbstgebaute Welten in denen man ausprobieren kann, wer man sein möchte.
Ich hab lange League of Legends gespielt, und die Reaktionen auf diese beiläufige Erwähnung von mir sind immer noch die gleichen, von mir wie von anderen. Es folgt ein ironisch-gequältes „ouhhh“, ich versichere, dass ich das Programm schon länger deinstalliert habe, die betreffende Person erwidert „Ja, ich bin auch froh, dass ich aufgehört hab“, mit einem in der Länge variierenden, eigentlich angenehm gruselnd-freudigem Erinnern, an welchen Charakter man am liebsten gespielt hat, und was die schlimmste Beleidigung war, die man jemals gelesen hat, gefolgt von dem spielerischen abtun, dass das ja normal sei, was würde man bei LoL auch erwarten. Und das ist doch der springende Punkt. Eigentlich hat es doch Spaß gemacht, mit Freund*innen übers Summoners Rift zu laufen, Manöver abzusprechen und die gegnerische Basis zu belagern. Aber ab dem Punkt, ab dem ich erzähle, dass ich mit meinem damaligen Freund und meinem damaligen klar erkennbar weiblichen Vornamen Pärchen ingame-namen hatte, wie oft ich sexistische Beleidigungen oder Anmache abbekommen habe, gucken mich alle irritiert an, warum ich mich denn auch als weiblich zu erkennen gegeben hätte, das sei doch klar, dass ich dann „unangenehme Nachrichten“ abbekäme, und das habe ich lange auch gedacht.
Aber ich spiele seit einiger Zeit nicht mehr League. Ich habe auch andere Freunde, schon lange nicht mehr die, die denken, es sei witzig, zu sagen, ich solle doch in die Küche gehen, und auch nicht mehr die, die sowas zwar nie selbst gesagt haben, aber auch nichts dagegen. Das ist sehr viel angenehmer. Wahrscheinlich ist meine Zündschnur bei Sexismus deswegen auch so kurz geworden, weil sie lange nicht existent war, ich wäre schlicht zu einsam gewesen, hätte ich mich damals schon von diesen Freunden abgewendet. Ich bin auch (nicht mehr) weiblich, wenn ich jetzt zurückblicke, wundert es mich nicht, dass ich einen uneindeutigen Namen gewählt habe und mich lieber mit männlichen Pronomen anreden lasse, diese Erfahrungen sind da sicher nicht spurlos an mir vorbeigegangen.
Aber ich hab auch immer schon andere Videospiele gespielt. Mit 12 oder 13 hatte ich mit meinem immernoch besten Freund und unserer Schulclique einen Minecraft-Server, auf dem wir stundenlang zusammen verbracht haben. Klar, es gab Dramen und alles, wie es halt so ist, wenn man 13 ist und eine noch nicht erkannte psychische Erkrankung mit sich rumträgt, aber es waren nur wir, in unserem kleinen Dorf, das wir selbst gebaut hatten, und vor allem mein bester Freund und ich, in den ich hoffnungslos verknallt war. Da war das mit Beleidigungen und Sexismus alles kein Problem. Mein bester Freund hat uns allen comichafte alte deutsche Spitznamen in unserer imaginären Familie gegeben, die zufälligerweise alle die umgekehrte Geschlechtsidentität von unserem zugewiesenen Geschlecht hatten, niemand hat sich darüber beschwert, es war einfach ein alberner Scherz, und wir haben unser Dorf gebaut, die Gegend erkundet und gemined. Jahre später hat mein bester Freund sich bei mir als trans geoutet, gesagt, er möchte lieber mit männlichen Pronomen angesprochen werden, und noch ein paar Jahre später habe ich rausgefunden, dass ich nonbinär bin. Minecraft spiele ich immer noch, ich habe neulich wieder einen Realm mit Freund*innen erstellt, wenn man so darüber nachdenkt, ist es der perfekte queere found-family Baukasten. Man kann sogar Katzen haben.