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Me Myself & I / Romy / 22. Mai 2025

Zu laut, zu viel, zu emotional?

Romy

Romy 3 Min. Lesezeit

#Featured #Geschlechterrollen #Mental Health #Selbstliebe

Als “unkompliziert” wahrgenommen zu werden, erschien Romy für lange Zeit erstrebenswert. Insbesondere weil dies ein Bild von Frauen zeichnet, das gesellschaftlich anerkannt ist. In ihrem neuen Text zeigt Romy ihren eigenen Weg zur Selbstakzeptanz und ermutigt dazu, Raum einzunehmen, eigene Meinungen zu äußern und Emotionen zuzulassen.

„Lass dir nicht einreden, dass du lieb, soft schwach und links zu sein hast“ – das sagt AfD-Politiker Maximilian Krah in einem seiner TikTok Videos, dass er gezielt an junge Männer richtet. Und er ist nicht der Einzige, der mit seinen Videos toxische Männlichkeitsbilder vermittelt. Er ist nicht der Einzige, der „lieb sein“ bei Männern mit „Schwäche“ in Verbindung bringt. Auf den Sozialen Medien wimmelt es von Dating Coaches, die zur Übergriffigkeit aufrufen, die ein „Nein“ als „Herausforderung“ bezeichnen. Die sich wünschen, dass „Männer endlich wieder richtig männlich sind“ – was auch immer das genau heißen mag.  Auch andere Content CreatorInnen, die ZuschauerInnen erklären, warum wir wieder zur „wahren Weiblichkeit“ zurückkehren müssen, finden immer wieder ihren Weg auf die For-You-Page. Die „Wahre Weiblichkeit“ impliziert hier: Bereitwillig folgen und nicht zu viele Umstände machen. 

Aber nicht nur durch die sozialen Medien, auch durch unser gesellschaftliches und soziales Umfeld, wie beispielsweise der Schule, merken wir schon sehr früh, wie wir uns zu verhalten haben. Wir merken, was von uns erwartet wird. Wir merken, dass diese Erwartungen sich oft darin unterscheiden, ob wir als biologisch männlich oder weibliche Person geboren werden. Meistens beugen wir uns dem und versuchen, uns daran zu halten. So ging es auch mir – und ich arbeite schon lange daran, mich von diesen Eigenschaften zu lösen. 

„Unkompliziert“ sein: Das ist eine Eigenschaft, die ich früher als sehr erstrebenswert angesehen habe. Ich wollte es allen, gerade den männlich sozialisierten Personen in meinem Umfeld, immer recht machen. Ich wollte simpel sein, keine Umstände machen, immer zustimmen. Und wenn ich doch mal nicht die Meinung teilte, habe ich höchstens ganz leise widersprochen. Raum einnehmen, laut sein, diskutieren – das kam für mich nicht ansatzweise in Frage. Ich dachte mir: „Wenn ich unkompliziert bin, dann werde ich gemocht“. Und so habe ich angefangen, meine Bedürfnisse, meine Ansichten und Meinungen hintenanzustellen. Wenn Personen sich mir gegenüber respektlos verhalten haben, dann habe ich das akzeptiert. Still und leise. 

Und das ist nicht alles. Über eine sehr lange Zeit habe ich mich dafür geschämt, viel zu fühlen. Es war mir unangenehm, dass ich selten für mich selbst einstehen konnte, und mich gleichzeitig vieles sehr stark mitgenommen hat. Ich habe lange noch über Gespräche nachgedacht, warum ich mich nicht anders verhalten habe, warum ich nichts gesagt habe. Ein „Warum“ nach dem anderen. Ich habe eine ganze Palette an Emotionen ganz ausführlich durchlebt – und das tu ich auch heute noch. Ich habe nur meinen Umgang damit verändert. Und ganz signifikant dabei ist: Ich bin nicht mehr so streng zu mir selbst. 

Wir sind fast im Dauertakt dabei, uns selbst zu bewerten. Warum haben wir dies getan und nicht jenes, warum haben wir das gesagt und nichts anderes, weshalb haben wir so reagiert und nicht unterschiedlich. Und gerade als weibliche Personen machen wir uns dabei besonders Gedanken, ob wir es allen Recht machen konnten, ob wir keinem auf den Schlips getreten sind, ob wir nicht zu viel Raum eingenommen haben, zu laut waren, zu viel waren. Das alles sind Verhaltens- und Denkmuster, von denen wir nach und nach versuchen können, uns zu trennen. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe keinen „ultimativen Tipp“, wie man sich endgültig davon lösen kann – ich bin selbst noch mittendrinnen. Sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu überlegen, was man akzeptiert und woran man arbeiten möchte – das ist ein Prozess, der sich vermutlich durch unser gesamtes Leben zieht. Und das ist auch gut so. Also möchte ich alle LeserInnen dazu aufrufen: Es ist nicht falsch, Raum einzunehmen. Genauso wenig wie eine eigenständige Meinung zu haben oder zu widersprechen. Und genauso okay ist es, viele Emotionen zu spüren und die auch zuzulassen und zu zeigen. Das gehört zu uns.