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Meine Stimme / Celine / 17. Juli 2025

Zwischen Welten

Celine

Celine 2 Min. Lesezeit

#Featured

Ein leiser Text über das Dazwischen – über das Gefühl, anwesend, aber nicht gemeint zu sein. Über das Schweigen, das nicht leer ist. Und über die Sehnsucht, nicht nur zu existieren, sondern gemeint zu sein. Ein Gedicht von Celine für alle, die sich zwischen den Zeilen des Alltags bewegen.

ich steh oft am rand
von dingen,
die sich „wir“ nennen.
seh sie lachen,
reden,
sich anfassen,
als wär nähe
ein selbstverständliches ding.

und ich?
schau durch scheiben,
unsichtbar,
hör zu
und sag nix.
weil jedes wort,
das ich sagen könnte,
nach fremdsprache klingt
in ihren ohren.

ich gehör dazu
auf papier –
aber nicht im gefühl.
kenn die regeln,
aber nie das spiel.
lächel im takt,
aber fühl
nichts.

hab mich oft gefragt:
bin ich zu still
oder nur zu echt
für ne welt,
die sich in lautstärke
selbst übertönt?

man sagt:
„nimm’s nicht so schwer“
aber wie leicht soll man’s nehmen,
wenn man das gewicht
jeden tag mitträgt?
nicht sichtbar,
aber spürbar
bei jedem blick
der sagt:
„du bist da –
aber nicht ganz richtig.“

ich hab versucht,
mich kleiner zu machen,
leiser,
angepasst.
so sehr,
dass ich irgendwann
fast verschwunden wär.

dann wieder phasen,
wo ich laut wurde –
zu laut.
rebellisch aus notwehr.
damit wenigstens irgendwer merkt,
dass ich atme.
dass ich da bin.
dass ich mehr bin
als nur hintergrundrauschen.

es ist nicht dramatisch –
nur echt.
kein hollywood-trauma,
kein sturm –
nur dieser konstante nieselregen,
der nicht aufhört
und trotzdem durchnässt.

bin müde von fragen,
die wie tests klingen:
„warum bist du so?“
„warum sagst du nichts?“
„warum schaust du immer so ernst?“

bin müde von räumen,
in denen ich atme,
aber nie ganz einatmen kann.
von menschen,
die mich einladen,
aber nie wirklich meinen.

ich will nicht viel –
nur einen ort,
an dem mein schweigen
nicht als mangel zählt.
einen blick,
der bleibt,
auch wenn ich nichts leiste.

ich will sitzen dürfen,
einfach nur
so wie ich bin.
nicht als projekt,
nicht als fragezeichen,
sondern als punkt.
klar.
da.

und vielleicht,
irgendwann,
kommt jemand,
der nicht sagt
„du passt schon irgendwie“,
sondern:
„du fehlst,
wenn du nicht da bist.“

bis dahin
bin ich zwischen welten –
nicht verloren,
nur unterwegs.
und das reicht.
für jetzt.