Me Myself & I / Sophie / 28. Januar 2026

Tanzen

Sophie

Sophie 2 Min. Lesezeit

#Featured #Körper #tanzen

Laute Musik, Neonlicht, verschwitzte Körper und dabei tanzen, ohne perfekt zu sein. Sophie schreibt über die Unsicherheit im Club, Freundschaft im Gedränge und das gute Gefühl, sich einfach fallen lassen zu können.

Wenn ich im Club bin, fühle ich mich meist ein wenig ungestüm. Irgendwie bewegt sich mein Körper nicht so, wie ich will, und ich frage mich, wie sehr man mir das ansieht. Dann frage ich mich, warum mir das so wichtig ist. Vielleicht, weil man als weiblich sozialisierte Person so früh lernt, wie man angeblich sein sollte – charakterlich sowie körperlich. Wie soll mein Körper aussehen? Wie soll er sich bewegen, lächeln, auf andere wirken?

Man muss nicht alles können und über alles Kontrolle haben, man muss nur eine gute Zeit haben, sagst du. Ich denke nur, wie gut du mich kennen musst, um das Passende sagen zu können.

Wir kennen uns 

Wir kennen uns so lange und gut, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt, dich nicht in meinem Unterbewusstsein bei mir zu haben.

Du gehörst mit dazu. Mit zu meinen schönsten Momenten, mit zu meinen schlimmsten Momenten.

Du kommst mit mir mit, egal wohin ich gehe. So, als wäre mein Dasein immer mit einem Echo des deinigen verbunden.

Manche Menschen kommen und gehen, und das ist okay. Du bist trotzdem da.

Du hast mir eine meiner Lieblingsbands gezeigt, ich dir eine deiner Lieblingsserien. Ich habe dir gezeigt, wie man einen Eyeliner zieht, du mir, wie man seine eigenen Klamotten näht. Du hast mich zu meinen ersten Konzerten und zum CSD mitgenommen, ich dich mit in den Familienurlaub. Irgendwann bin ich in deine Stadt gezogen.

Du erzählst mir von deinen Lieblingsbüchern, ich dir von meinen Lieblingsliedern. Du versuchst mich zu überzeugen, dass Sommerrollen das beste Gericht sind, ich dich, dass Reispfannen definitiv besser sind.

Wir lachen über die alten Witze und über die neuen. Die Themen sind nicht mehr die von früher, aber das ist egal. Wir sind miteinander erwachsen geworden.

Ich weiß sicher nicht, was in der Zukunft passieren wird und wo wir einmal sein werden, aber ich weiß, dass du irgendwie dabei sein wirst. Das bringt mich dazu, dass ich guten Gewissens über meinen unrhythmischen Move zum aktuellen Song hinwegsehen kann.

Jetzt stehen wir hier. Ein Lied unserer ersten gemeinsamen Lieblingsband schallt übersteuert aus den Boxen. Und wir tanzen.

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