Home / Meine Welten / Mein Kinderstaubsauger und ich – Über Care-Arbeit und hartnäckige Rollenverteilung

Meine Welten / Anjuli / 27. Februar 2026

Mein Kinderstaubsauger und ich – Über Care-Arbeit und hartnäckige Rollenverteilung

Anjuli

Anjuli 2 Min. Lesezeit

#Cash & Care #Featured #Feminismus

Anjuli hatte einen pinken Kinderstaubsauger, heute fragt sie sich, was daran wirklich Spiel war. Ein persönlicher Text über Care-Arbeit, Corona und die unbequeme Erkenntnis, dass selbst reflektierte Haushalte alte Rollenbilder weitertragen.

Für mein Studium habe ich vor kurzem einen Text über Care-Arbeit während der Corona-Krise gelesen und wie sich diese auf die Arbeitsteilung in Haushalten ausgewirkt hat. Inspiriert davon habe ich über mein Elternhaus nachgedacht – und darüber, ob sich damals bei uns etwas verändert hat.

Ich habe den Großteil meines Bachelors während Corona absolviert. In einem Online-Seminar mit dem Titel „Who cares“ begann ich intensiver über Arbeitsteilung zuhause nachzudenken. Seit ich mich erinnern kann, war meine Mutter diejenige, die den Haushalt geschmissen hat. Als Teenager hing ich eine Postkarte an die Tür des Wäschekellers: „Wäsche von Mutti machen lassen, 1€.“ Ich fand das lustig. Gleichzeitig war ich überzeugt, dass mein Vater vermutlich nicht einmal wusste, wie man eine Waschmaschine bedient.

Care-Arbeit im Ausnahmezustand

Während der Pandemie schien vieles im Ausnahmezustand zu verschwimmen. Meine Mutter war in den Wochen, in denen mein pendelnder Vater nicht zuhause war, faktisch alleinerziehend – und gleichzeitig berufstätig. Rückblickend wurde mir erst spät bewusst, wie viel Care-Arbeit sie tatsächlich getragen hat.

Auf meine Nachfrage sagte sie, während Corona habe sich nicht viel verändert. Sie habe vielleicht mehr renoviert, aber nicht mehr Hausarbeit übernommen – weil sie ohnehin schon immer den größeren Anteil getragen habe. Damit bestätigte sie ungewollt, was ich aus meinem Uni-Text kannte: Krisen verändern Rollenbilder nicht zwangsläufig, sie machen bestehende Ungleichheiten sichtbarer.

Latente Rollenbilder

Obwohl ich meine Eltern nie als konservativ wahrgenommen habe, leben sie klassische Rollenbilder: Meine Mutter kocht und trägt den Mental Load. Mein Vater kümmert sich um Finanzen und handwerkliche Aufgaben. Es ist kein offener Machtkampf – sondern ein eingespieltes Muster.

Und ich?

Am irritierendsten ist für mich, dass sich ähnliche Dynamiken in meinem eigenen Haushalt wiedergefunden haben. Trotz Bachelorabschluss in Gender Studies war ich plötzlich diejenige, die organisiert, plant, Verantwortung übernimmt. Keine Kinder, kein Zwang – und trotzdem reproduzierte ich Muster, die ich kritisiere.

Haushaltsaufgaben zu boykottieren funktioniert nur bedingt. Reflexion anzustoßen bleibt oft an mir hängen. Vielleicht, weil diese Muster so tief eingeschrieben sind, dass Wissen allein sie nicht auflöst.

Der Kinderstaubsauger

Ich hoffe, dass es irgendwann normal ist, allen Kindern Spielküchen und Puppen zu schenken – nicht nur Mädchen pinke Staubsauger. So dass Care von klein auf als gemeinschaftliche Aufgabe erlebt wird.

Denn gerade weil sich diese Muster trotz feministischer Diskurse so hartnäckig halten, zeigt sich, wie tief Re-Traditionalisierung in Alltagspraktiken verankert ist. Care-Arbeit muss immer wieder neu verhandelt werden.