Meine Stimme / Romy / 31. Oktober 2024
Feministische Pornos – Gleichberechtigte Lust
Romy — 4 Min. Lesezeit
Keiner gibt es zu aber alle tun es: Pornos schauen.
Leider sind die Darstellungen von Sex in Pornographie häufig unrealistisch, sexistisch und durchzogen von männlichen Vorstellungen. Zur Aufklärung sind sie nicht geeignet und weibliche Lust kommt meistens zu kurz. Das ist schade, findet Romy, und hat ein paar Verbesserungsvorschläge.
Sei es aus Neugierde oder Lust, die meisten Menschen haben sich bestimmt schon einmal auf eine Pornoplattform begeben. Davon gibt es ja auch so einige, auf die man ganz einfach zugreifen kann – mit schier unendlich vielen Videos, die oftmals kostenlos zu sehen sind. Hunderte von Kategorien, zahlreiche DarstellerInnen – man hat fast den Eindruck, als seien die erotischen Websites ein nicht endendes Meer an Inhalt, in dem man vor lauter Auswahl zu ertrinken droht. Manche Pornos in diesem unendlichen Meer können auch durchaus lehrreich, inspirierend und schön sein – der Großteil sollte aber durchaus kritisch hinterfragt werden.
Ganz häufig machen erotische Plattformen den Eindruck, dass viele dieser Videos durch die sogenannte „Male Gaze“ entstehen – also sozusagen durch eine patriarchale, männlich geprägt Perspektive. Die Handlungen und DarstellerInnen wirken oft so, als sollten die Filme genau einer Gruppe gefallen: Und zwar den männlichen Nutzern. Das ist ziemlich schade, denn Pornos sollten nicht nur für Männeraugen da sein. Wo bleibt die gleichberechtigte Lust?
Natürlich gibt es auch Pornografie, bei denen der Fokus auf der Lust aller Beteiligten und jenseits von Geschlechterklischees liegt, in der Branche ist das trotzdem selten der Status Quo. Aber Ausnahmen sind zu finden: Für feministischere Pornografie gibt es ganz bestimmte Plattformen, die bspw. nach dem Motto „Von Frauen für Frauen“ geleitet werden. Die sind zwar rar, aber sie existieren. Die „Von Frauen für Frauen“ Filme kann natürlich auch jeder sehen, sie haben dann eben einen feministischen Touch mit weiblicher Perspektive: Zwei Dinge, die bei den meisten pornografischen Videos fehlen. Und dieses Defizit kann durchaus das Sexleben von KonsumentInnen beeinträchtigen.
Der Mittelpunkt vom Großteil der Pornofilme liegt nämlich weniger auf tatsächlichem, realistischem Sex. Vielmehr geht es darum: Der Mann soll leisten, die Frau soll mitziehen – die Darstellung entspricht häufig geschlechtsbinären, patriarchalen Rollenbildern. Wenn man sich also solche Pornos als beispielhaften, realen Sex zum Vorbild nimmt, ist das für keine Person zum Vorteil oder bringt mehr Genuss, im Gegenteil: Die Ideologisierung von erotischen Filmen kann unter anderem zur Entstehung eines Schamgefühls beitragen: Oft passieren im echten Leben Dinge während dem Sex, die komplett normal sind – sei es ein ungewohntes Geräusch, eine Stellung die nicht funktioniert, das Einlegen einer Pause, ein „Ich habe keine Lust mehr“ oder „Das gefällt mir nicht, probieren wir etwas anderes“… all das ist absolut normal und kann passieren. Gezeigt wird sowas in Pornofilmen aber nicht, wodurch diese normalen Vorkommnisse weniger normalisiert, sondern entfremdet werden.
Noch dazu kann für KonsumentInnen beim Sex eine Art Leistungsdruck entstehen: Gerade männliche Personen können das Gefühl bekommen, während dem Sex quasi wie Maschinen arbeiten zu müssen, und das gleichzeitig möglichst lange. Außerdem können besonders weiblich sozialisierte Personen den Eindruck bekommen, bei allem mitmachen zu müssen – weil nun einmal nicht gezeigt wird, dass die DarstellerInnen während des Filmes abbrechen, „Nein“ sagen oder doch etwas anderes machen wollen. Das passt nicht in stereotypische Rollenbilder und findet somit kaum Platz in der Art von Pornografie, die am verbreitesten ist. Würden auch solche realistischen Szenarien und Situationen gezeigt werden, könnte bei NutzerInnen der Plattformen ein Bewusstsein geschafft werden: Es ist okay, wenn der Sex unperfekt ist, es ist okay, „Nein“ zu sagen und man darf immer kommunizieren, was man nicht mag und worauf man keine Lust hat – selbst, wenn es der anderen Person gerade gefällt. Solche realistischen Szenarien passen aber nicht in die durchaus realitätsferne Welt der Pornografie.
Erotische Videos sind natürlich nicht durch und durch etwas Schlechtes. Wenn sie sich sowohl auf die weibliche, männliche als auch auf jede Lust abseits des binären Geschlechterkonstrukts konzentriert, können Pornos inspirierend sein, Ideen geben oder auch durchaus lehrreich sein. Es kann schön sein, sich zusammen mit einer Person, bspw. mit dem oder der PartnerIn solche Filme anzusehen. Es ist aber wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass realer Sex unperfekt sein darf. Es muss nicht zwingend laut sein, es muss keine zeitliche Bestleistung geben oder ein Rekord an möglichst vielen Stellungen gebrochen werden. Sex darf einfach Sex sein. Aber das Wichtigste dabei ist ausnahmslos: Es muss einen Konsens geben, und zwar immer.