Meine Liebe_n / Johanna-Maria / 12. November 2024
Liebe: Ein Gleichnis
Johanna-Maria — 3 Min. Lesezeit
Was ist Liebe? Ist sie einfach ein Gefühl oder auch eine Entscheidung? Ist Liebe ein Handwerk oder vielleicht Kunst? Erschaffen wir die Liebe oder ist sie immer da und wartet darauf, dass wir an ihr teilnehmen? Viele wichtige Fragen und ein paar Antworten von Johanna.
„Die erste Liebe hält sowieso nicht“ –
Im „Ich habe mich verknallt“ verlernt der Mensch, was es bedeutet zu lieben. Er empfängt, er wiegt sich, ruht sich aus auf dem Gefühl des Bauchkribbelns aus, das Aufregung, Umbruch & Neuanfang bedeuten kann.
Vielleicht besinnt er sich und gelangt zur Rationalität zurück. Tut er es nicht, beginnt er zu geben.
Im Verliebtsein wird die Verbindung tief, zwei Menschen einen sich, denn sie kennen sich?
Manche schlafen miteinander, anderen reicht ein Kuss, noch mehr Zeit und Gespräche. Sie sind an der Schwelle zum Zusammensein. Wer fragt zuerst? Wer wagt den Grenzübertritt? Und ab da soll die Liebe erreicht worden, gefunden worden sein. Im Innersten bleiben sie sich fremd.
Denn
wie zwei Künstler schauen sie nicht genau genug auf das zwischen ihnen, ein Holzbrett, viele von ihnen liegen verstreut im Ort. Sie könnten es pflegen und bearbeiten, sie könnten es beiseitelegen oder in lodernden Flammen verbrennen. Sie fragen sich nicht, was es ausmacht, sie stürzen sich hinein in ein Gefühl und bleiben doch bei sich. Und während sie das Holz zu pflegen gedenken, merken sie nicht, wie es von innen heraus morsch wird. Sie arbeiten es ein und errichten ein Haus. Dieses morsche Brett ist der Träger des Fundaments. Sie vertrauen darauf, aber haben nie gelernt, es zu verstehen. Seine Beschaffenheit, sein Anspruch an eine geeignete Umwelt werden nicht gesehen.
Wenn der Künstler sich seiner Rolle nicht gewahr wird, wird er nicht recht arbeiten können.
Wenn er sein Handwerk nicht versteht, wird seine Arbeit nicht von Dauer sein. Er verletzt sich an Schrauben, beweint verblassende Farben, provisorische Gebilde, die verfallen, denen er mit genug Vorbereitung und Übung seiner Fähigkeit einfach hätte begegnen können. Das Stück Holz ist die Liebe. Kommerzialisiert und vernachlässigt, genutzt von allen, doch von wenigen beherrscht und gerecht behandelt. Sie sehen nicht seinen Wert. Die Bücher und Geschichten, die auf ihm entstehen, das Gebäude zu dem es geschaffen wird, ein Zuhause, das es für viele kleine Wesen sein kann. Die Liebe. Sie wird genutzt, um gefühlt worden zu sein.
Ich denke Liebe ist, wo Bereitschaft zum Lieben und das Geliebtwerden, Gefühl und Anziehung aufeinandertreffen. Sie wird von der Entscheidung gehalten, einen Menschen weiter lieben zu wollen, ihn zu umsorgen. Doch zwei Menschen können noch so gut ausgebildet sein. Eine Liebe, in der die Liebe im Ich liebe dich zu sein aufgehört hat und ein tiefes Verstehen nicht mehr möglich war, kann nichts mehr wachsen. Sie braucht Wertschätzung. Und das meist der Liebe geschieht zwischen den Zeilen, zwischen dem ersten Blick, dem ausgesprochenen „Ich liebe dich“ bis zum Tode. Die Liebe überlebt uns.