Meine Stimme / Sara / 16. Dezember 2025
Abtreibung als Menschenrecht – Her body her choice!
Sara — 3 Min. Lesezeit
Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist unverhandelbar. Und zwar unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensentwurf. In ihrem neuen Text macht Sara deutlich, wie eng reproduktive Rechte mit ökonomischer Sicherheit, Care-Arbeit und patriarchalen Machtverhältnissen verknüpft sind.
„Es gibt ein Frauenrecht und das ist kein Männerrecht. Das ist das Recht auf Abtreibung. Und es ist eine Unverschämtheit, dass bei allen Kundgebungen dagegen so viele Männer rumturnen. Die können sich die Situation einer ungewollten Schwangerschaft gar nicht vorstellen, deshalb müssen sie ausnahmsweise mal die Klappe halten.“
Diese Worte habe ich letztens in einem Video von Gregor Gysi zum Wahlkampf der Linken in diesem Jahr gesehen – und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Ergänzend lässt sich hinzufügen, dass natürlich auch alle anderen Geschlechter, die gebären können, dieses Recht auf Abtreibung haben sollten.
Ich würde sagen, dass ich mich überwiegend in privilegierten Umfeldern aufhalte – meist studierte, weiße Menschen, die Zugang zu Bildung, sexueller Aufklärung, finanziellen Mitteln haben und damit als Cis-Frauen so frei in ihrem Denken und Handeln sind, wie man es als (überwiegend weiße) Cis-Frau in dieser Gesellschaft sein kann. Ihre Beziehungen sind überwiegend gleichberechtigt, und auch deren Partner übernehmen Aufgaben im Haushalt und schaffen zumindest das bare Minimum als Mann.
Auch mit diesen Frauen spreche ich über Themen wie Kinderkriegen, Abtreibung etc. Und es ist ziemlich eindeutig: Selbst in der Mittelschicht, die gesellschaftlich einigermaßen gut aufgestellt ist, sind Kinder ein riesiger Kostenpunkt. Abgesehen von Krippen- und Kitaplätzen, die mittlerweile sündhaft teuer sind, Schulmaterialien, Kindergeburtstagen in der Trampolinhalle und Klassenfahrten, kommen natürlich auch Verdienstausfälle durch Teilzeitarbeit hinzu.
Als Frau gibt es zwangsläufig einen Zeitraum, in dem es enorme Verdienstausfälle gibt, während gleichzeitig die Care-Arbeit und die Kosten steigen. Es gibt immer noch viele Frauen, die trotz ihres Bildungsstands und all dem, was sie sich im Beruf erarbeitet haben, dennoch zu Hause bleiben – weil die gesellschaftlichen Verhältnisse auch im Jahr 2025 ein klares Frauen- und Männerbild vorgeben, sobald ein Baby da ist.
Welche prekäre Lage für Frauen entstehen kann, wenn sie in diesem Umfang vom Alleinverdiener abhängig werden, hat viele Facetten. Die hohe Belastung durch unbezahlte Care-Arbeit ist dabei nicht der einzige Punkt – auch Lücken im Lebenslauf, die einen späteren Wiedereinstieg erschweren, oder Lücken in der Altersvorsorge, die in Zeiten der Rentenunsicherheit fatal sein können, spielen eine große Rolle.
Parallel dazu ist es vor allem bei Frauen ohne höheren Bildungsabschluss oder abgeschlossene Ausbildung/Studium oft fast unmöglich, den Partner bei Gewalttätigkeit zu verlassen. Emotionale Abhängigkeit ist ein Faktor, der es Gewaltopfern sehr erschwert, Hilfe zu suchen und die Beziehung zu beenden – finanzielle Abhängigkeit ist ein weiterer. Wenn in dieser Ausgangslage noch ein Kind dazukommt, das man vielleicht nie bekommen wollte, wird es umso schwerer, sich ohne große finanzielle Mittel ein gutes Leben für sich und das Kind aufzubauen.
Dementsprechend ist Teilzeitarbeit oder gar nicht zu arbeiten ein enormes Risiko für Frauen. Gleichzeitig ist auf Social Media der Trad Wife-Trend groß, und das Alleinverdiener-/Hausfrauenmodell wird romantisiert – was an dieser Stelle völlig unangebracht ist.
Letzten Endes ist es völlig egal, in welcher Lebenssituation sich eine Frau befindet – egal, wie ihre finanziellen Mittel, ihre Herkunft, ihr Bildungsstand etc. sind: Es ist und bleibt unverhandelbar, dass jede Frau ein Recht auf ihren eigenen Körper hat und selbst entscheiden darf, was mit diesem Körper passiert – und was sie möchte und nicht möchte.
Geburten bergen Risiken – neben den oben genannten auch physischen Verletzungen oder sogar den Tod. Dass diese Entscheidung jede Frau selbst treffen darf und muss, sollte im Jahr 2025 selbstverständlich sein.
In diesem Sinne: My body, my choice!