Alleine unterwegs, mitten im Chaos der Deutschen Bahn: Lino erzählt von seiner Reise voller Verspätungen, Unsicherheit und Durchhalten. Zwischen Zugausfällen und endlosem Warten greift er zum Handy, ruft seine Mutter an und stellt damit leise die Frage, was „alleine klarkommen“ eigentlich bedeutet.
Wie ist es, alleine mit der Deutschen Bahn zu fahren? Und welche Hindernisse können einem einen Strich durch die Rechnung ziehen? Diese und noch mehr Fragen will ich heute beantworten.
Ich erzähle wieder aus meiner eigenen Erfahrung, die in den Hamburger Herbstferien passiert ist.
Eigentlich wollte ich nur zu meinem Freund nach Rheinland-Pfalz fahren, um entspannte Ferien zu haben. Doch dann passierte Folgendes …
Ich bin am Hamburger Hbf in einen ICE gestiegen.
Eigentlich sollte dieser nach Mainz fahren, was auch meine Station sein sollte …
Doch nach vier Stunden Zugfahrt ist dieser im Koblenzer Hbf stehen geblieben.
Die erste Durchsage lautete:
„Also, liebe Passagiere, ich weiß nicht, wie lange wir hier noch stehen bleiben, da ein Steuerelement unsere Strecke blockiert, aber ich werde alles dafür tun, Sie rechtzeitig informieren zu können.“
Mir war übrigens klar, dass irgendwas passiert – ist halt die DB …
Ich hatte auf Informationen vom Zugfahrer gewartet.
Doch es kamen keine.
Ich habe mich letztendlich dazu entschlossen auszusteigen und in eine RB umzusteigen.
Dieser Zug war aber auch gut gefüllt, mit Leuten, die mit mir zusammen nach Mainz mussten.
Egal wie – Hauptsache nach Mainz.
Ich saß neben einer Tür auf meinem Koffer und habe hin und her mit meiner Mutter und meinem Freund telefoniert und gewartet, dass der Zug losfahren würde.
Und gewartet …
10 Minuten,
30 Minuten,
1 Stunde …
Irgendwann gab es dann endlich eine Durchsage.
Sie vermittelte uns, dass der Zug nicht wie geplant nach Mainz fährt, sondern zurück nach Köln.
Oh nein …
Ich habe mich aufgeregt, meine Mutter am Telefon verzweifelt angebettelt, mir zu helfen, und innerlich wäre ich ohne Beruhigung komplett ausgeflippt.
Jetzt hieß es also: durchatmen.
Ich habe nach allen möglichen Verbindungen geschaut – alles, egal was. Ich wollte nur nach Mainz und dann mit einem RE in ein kleines Dörfchen kommen.
Schließlich hatte ich wieder eine RB gefunden.
Genau dieselbe Bahn, nur auf einem anderen Gleis.
Ich konnte nichts anderes machen, außer dorthin umzusteigen.
Dieser Zug war extrem voll, so voll, wie ich einen Zug noch nie erlebt habe.
Und dann kam auch schon die nächste Durchsage:
„Guten Abend, liebe Passagiere. Heute haben wir es mit einem Spezialfall zu tun. Ich bin diese Strecke hier noch nie gefahren, aber ich werde mein Bestes geben. Wir befinden uns in folgender Situation: Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder fahren wir gar nicht los und dieser Zug fährt wieder in die andere Richtung zurück, oder wir fahren durch nach Mainz, aber dafür ohne Zwischenstopps. Ich werde Sie informieren, sobald ich es weiß.“
Dann vergingen etwa 20 Minuten, bis wir erfahren durften, dass der Zug zum Glück durchfährt.
Endlich! Nach Mainz …
Wir fuhren zwar endlich nach langem Hin und Her nach Mainz, aber trotzdem hat die Fahrt circa zwei Stunden gedauert.
In Mainz habe ich dann noch einmal auf die RB gewartet, die aber zum Glück „nur“ mit 15 Minuten Verspätung eintraf.
Ich durfte noch ein gefühltes 3000. Mal in ein Dorf fahren, das an der saarländischen Grenze lag.
Mit fünf Stunden Verspätung traf ich dann anstatt um 19:30 Uhr erst um 00:30 Uhr in dem Dorf ein.
Das war meine stressige Reise.
Ich hoffe, dass es einigermaßen angenehmer war, die Story zu lesen, als selbst dabei zu sein.
Bis ganz bald 🙂