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Me Myself & I / Michelle / 17. März 2026

Ich bin so müde

Michelle

Michelle 1 Min. Lesezeit

#Cash & Care #Featured #Zeit

Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden.

Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da brauche ich mich auch nicht wundern, wenn ich am Ende des Monats kein Geld mehr habe. Ich leite einen ehrenamtlichen Verein, aber das ist ja nur Freizeit. Ich mache den Haushalt, aber das gehört sich ja auch so. Und wenn ich dann noch Zeit aufbringe, um Hobbys nachzugehen, die mir guttun, die ich brauche, um mal ein bisschen runterzukommen, heißt es: „Ich habe es ja gut, dass ich für sowas Zeit habe“.

Ich „habe“ nicht einfach Zeit. Ich nehme sie mir. Ich treffe immer wieder die Entscheidung, wofür ich meine Zeit nutze. Aber diese Entscheidungen scheinen immer falsch zu sein. Ich arbeite zu wenig, mache zu viel in meiner Freizeit, könnte den Abwasch und die Wäsche auch mal regelmäßiger machen und, wenn ich schon dabei bin, auch gleich noch das Bad putzen, die Böden wischen, meine Familie besuchen, mich um meine Freundschaften kümmern … das sind ja alles nur Kleinigkeiten.

Und wenn ich diese Kleinigkeiten nicht alle unter einen Hut bekomme, dann bin ich faul, bin egoistisch, dann bin ich keine gute Tochter, Schwester, Freundin, dann bin ich nicht gut genug … dann mache ich zu wenig.

Wenn ich so wenig mache, warum bin ich dann so müde?