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	<item>
		<title>Ist Leistung gleich Wert?</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/04/ist-leistung-gleich-wert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Luisa]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 09:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Wert]]></category>
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					<description><![CDATA[Leistung soll sich lohnen – aber für wen eigentlich?Zwischen Selbstständigkeit, Dauerstress und unsichtbarer Care-Arbeit stellt Kathy eine unbequeme Frage: Warum zählt nur, was Geld bringt? Und wer zahlt den Preis, wenn Fürsorge unsichtbar bleibt?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Leistung soll sich lohnen – aber für wen eigentlich?</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong>Zwischen Selbstständigkeit, Dauerstress und unsichtbarer Care-Arbeit stellt Kathy eine unbequeme Frage: Warum zählt nur, was Geld bringt? Und wer zahlt den Preis, wenn Fürsorge unsichtbar bleibt?</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>die krankenkasse hat gesprochen // ich träume von care</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/04/die-krankenkasse-hat-gesprochen-ich-traeume-von-care/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Isaak]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 14:42:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwei Texte, ein Gefühl: erst Wut, dann Utopie.Zwischen „Antrag abgelehnt“ und der Vorstellung, wie Care für alle aussehen könnte stellt Isaak die Frage, wer heute einfach durchs Raster fällt. I aber davor kannte ich leute, denen die krankenkasse die gesundheitsversorgung gestrichen hat – antrag auf kostenübernahme: abgelehnt und die dann gestorben sind an der erkrankung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Zwei Texte, ein Gefühl: erst Wut, dann Utopie.</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong>Zwischen „Antrag abgelehnt“ und der Vorstellung, wie Care für alle aussehen könnte stellt Isaak die Frage, wer heute einfach durchs Raster fällt.</strong><span id="more-17430"></span></p>
<h3>I</h3>
<p>aber davor kannte ich leute,<br />
denen die krankenkasse die gesundheitsversorgung<br />
gestrichen hat –<br />
antrag auf kostenübernahme: abgelehnt<br />
und die dann gestorben sind<br />
an der erkrankung selbst, an folgeerkrankungen, an su—<br />
wie demokratisch puritanisch-christlich preußisch vorbildlich fortgeschritten &amp; modern!<br />
du bist arm?</p>
<p>Sehr geehrte Frau ____<br />
Wir haben Ihren Antrag sorgfältig geprüft und müssen Ihnen leider Folgendes mitteilen:<br />
JUCKT.<br />
Bei Fragen rufen Sie uns gerne an, wir sind immer für Sie da.<br />
Mit freundlichen Grüßen,<br />
Ihre TK.</p>
<p>du kannst dir die 12.000 € für die notwendige behandlung nicht leisten?<br />
(juckt)<br />
our lord and saviour der medizinische dienst hat aber gesagt, dass du diese behandlung nicht brauchst<br />
(juckt)<br />
mythos der nation, des immerzu gesunden volkskörpers, unaufhaltsam, ewig<br />
(wessen leben ist wert genug? wer ist deutsch genug?)<br />
regress regress beschwerde kostenerstattungsverfahren beihilfe für gerichtliche kosten anwältin staatsanwaltschaft ich eröffne hiermit das verfahren: nichtbinäre person gegen techniker krankenkasse im obersten landesgericht kassel. sie dürfen sich setzen<br />
(die nichtbinäre person hat übrigens verloren; das gericht hat entschieden, dass they–)<br />
schlag ins gesicht<br />
nase gebrochen<br />
zukunft gebrochen<br />
fürs erste<br />
(juckt)</p>
<p>aber they wird nicht verschwinden<br />
nicht gestern, nicht heute, morgen auch nicht<br />
they wird schreiben, sprechen, mails schicken, steine schmeißen, träumen</p>
<h3>II</h3>
<p>ich träume in einer welt von care<br />
ich träume von einer welt, in der es genug care für alle gibt<br />
wirklich alle<br />
care arbeit fair bezahlt, fair umverteilt<br />
hello love: 0 femizide im jahr<br />
niemand wartet mehr auf den teller<br />
und<br />
zum Beispiel<br />
jede wohnungslose person krankenversichert ist und mit dem porsche ins bankenviertel fährt, um dort bitcoin bros und startup-„komm in die gruppe!!“-macker anzupöbeln<br />
und jede trans* person so früh, so spät, so oft transitionieren kann, wie, wo, wann sie möchte, und schwimmen gehen kann ohne angst<br />
wo kein einziger mensch die 9000 € mastek selber zahlen muss<br />
ich träume von einer welt<br />
wo jede bahn barrierefrei ist und alle rollstuhlfahrer*innen einen platz in der sneak finden<br />
und sonnenuntergänge die vielen leitsysteme &amp; menschen in gold, orange, pink tauchen<br />
wo z. B. niemand mehr zwischen klassenfahrt und mittagessen wählen muss<br />
ich träume davon, meinen freund*innen schreiben zu können, dass ich 17 verschiedene empathische, fortgebildete therapeut*innen in ihrer nähe gefunden habe, welche noch einen freien platz haben<br />
inklusive kassensitz obvs zum beispiel</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lukas über gleichberechtige Elternschaft und seine Vaterrolle</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/04/lukas-ueber-gleichberechtige-elternschaft-und-seine-vaterrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 11:39:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Elternschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Vaterschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Für eine neue Folge Durch die Blume hat Moritz sich mit Lukas in Hamburg getroffen. Lukas ist als @vollblutvater auf Instagram zu finden und spricht mit Moritz über seine Rolle als Vater, wie er und seine Partnerin es schaffen Elternschaft gleichberechtigt zu leben und wieso er als Vaterinfluencer doch noch mehr Frauen als Männer erreicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für eine neue Folge Durch die Blume hat Moritz sich mit Lukas in Hamburg getroffen. Lukas ist als @vollblutvater auf Instagram zu finden und spricht mit Moritz über seine Rolle als Vater, wie er und seine Partnerin es schaffen Elternschaft gleichberechtigt zu leben und wieso er als Vaterinfluencer doch noch mehr Frauen als Männer erreicht.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Frau Schmidt bitte!“ – Der Gender-Health-Gap im Alltag</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/04/frau-schmidt-bitte-der-gender-health-gap-im-alltag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 09:38:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Health Gap]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwischen „Ist bestimmt nur Stress“ und echten Diagnosen liegt oft mehr als Zufall: Sophia schreibt darüber, warum medizinische Ungleichbehandlung kein Einzelfall, sondern strukturelles Problem ist. Wenn ich an einen Besuch beim Arzt denke, fallen mir allerlei Assoziationen ein: klinisch saubere Flure und ein leichter Geruch von Desinfektionsmittel, alles ist in Weiß oder Grün gehalten, an [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen „Ist bestimmt nur Stress“ und echten Diagnosen liegt oft mehr als Zufall: Sophia schreibt darüber, warum medizinische Ungleichbehandlung kein Einzelfall, sondern strukturelles Problem ist.</strong><span id="more-17416"></span></p>
<p>Wenn ich an einen Besuch beim Arzt denke, fallen mir allerlei Assoziationen ein: klinisch saubere Flure und ein leichter Geruch von Desinfektionsmittel, alles ist in Weiß oder Grün gehalten, an den Wänden abstrakte Kunst oder anatomische Lehrposter, kluge Menschen sagen schlaue Dinge. Im besten Fall helfen sie mir auch.</p>
<p>Ich sage bewusst im besten Fall, denn leider ist es so, dass die Realität anders aussieht. „Dann geh doch einfach in deine Hausarztpraxis, da wird dir sicher geholfen“, sage ich zu einem Freund, dem es seit ein paar Tagen nicht gut geht. Er kommt zurück mit Medikamenten, zwei Überweisungen und einem Check-up-Termin. Der Arzt wollte nicht nur die Symptome behandeln, sondern auch sichergehen, dass er der Ursache wirklich auf den Grund geht.</p>
<p>Ein paar Wochen später sitze ich in einer Sprechstunde und werde mit einem Rezept für Schmerztabletten weggeschickt, weil meine starken und anhaltenden Kopfschmerzen angeblich von zu geringer Flüssigkeitsaufnahme am Tag stammen, was ich zwar bestritten habe, aber das hat keinen Unterschied gemacht. „Schonen Sie Ihre Seele auch im Alltag“, wurde mir noch gutmütig mitgegeben. Eine Freundin erzählt mir, ihr wurde unterstellt, dass sie sich ihre Schmerzen nur einbilde. Als sie dann mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wurde, weil sie vor Schmerzen ohnmächtig geworden war, nahm man sie plötzlich ernst. Die Frage „Warum haben Sie sich nicht schon früher gekümmert?“, kam aber trotzdem.</p>
<p>Beide Situationen sind nur zwei Beispiele von Erfahrungen, in denen Personen mit weiblich zugewiesenem Geschlecht bei der Geburt darunter leiden, dass sie in der Medizin nicht ernst genommen werden. Der Gender-Health-Gap beschreibt diese Ungleichheiten in der Behandlung zwischen Cis-Männern und allen, die eben keine sind.</p>
<p>Das liegt an unterschiedlichen Faktoren. Ein Punkt ist die Forschung, denn medizinische Studien wurden vor allem an Männern durchgeführt. Das bedeutet, dass Datengrundlagen, was beispielsweise Wirkstoffmengen von Medikamenten angeht, auf männlichen Körpern basieren. Beobachtete Symptome sind ein weiteres Problem, denn so passiert es, dass beispielsweise Herzinfarkte bei Frauen weniger schnell erkannt werden können, einfach weil die Symptomatik eine andere ist. Auch werden weibliche Schmerzen oft als „psychisch“ eingeordnet und Teil der hormonellen Einflüsse abgestempelt, welche den Schmerz trotzdem nicht weniger machen.</p>
<p>Wenn das Zusammenspiel solcher Ursachen das Leben der Hälfte aller Menschen aktiv beeinflusst, wenn jeder Arztbesuch zu einem „hoffentlich werde ich ernst genommen“ wird, ist das nicht nur ein Problem, sondern eine Struktur.</p>
<p>Patriarchat zeigt sich durch ungleiche Berufschancen oder Doppelmoral im Alltag. Patriarchat ist, wenn Männer als schuldunfähig gelten, da sie zu betrunken waren, aber betrunkene Frauen Schuld tragen an dem, was ihnen passiert ist. Patriarchat bedeutet auch, dass ein Vater ein toller Papa ist, weil er seinen Sohn von der Kita abholt und am Wochenende für die Familie kocht, aber die Mutter keine gute Mama ist, da sie wieder Vollzeit arbeiten geht.</p>
<p>Und Patriarchat bedeutet eben auch, zum Arzt zu gehen und keine angemessene Behandlung zu erhalten, weil man mir nicht zutraut, auf meinen Körper zu hören und meine Symptome adäquat zu beschreiben oder weil die Forschung nicht die richtigen Informationen für die Behandlung eines nicht-männlichen Körpers hergibt.</p>
<p>Kaum ein Gut ist so grundlegend wie die menschliche Gesundheit – sie ist eines der wichtigsten Dinge, die ein Mensch hat, und sollte nicht ungleich behandelt werden. Medizinische Neutralität darf nicht nur auf dem Papier neutral sein, sondern muss es auch im realen Leben.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gleichberechtigung beginnt im Geldbeutel</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/04/gleichberechtigung-beginnt-im-geldbeutel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Luisa Galli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 14:38:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Luisa zeigt, warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen mehr ist als nur Einkommen: Sie ist Freiheit, Schutz und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Wer über Geld verfügt und entscheidet selbstbestimmt. Und genau hier beginnt echte Gleichberechtigung. Seit ich vierzehn bin, arbeite ich. Zunächst waren es kleine Honorare für Moderationen, später Schichten als Kellnerin, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Luisa zeigt, warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen mehr ist als nur Einkommen: Sie ist Freiheit, Schutz und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Wer über Geld verfügt und entscheidet selbstbestimmt. Und genau hier beginnt echte Gleichberechtigung.</strong><span id="more-17411"></span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Seit ich vierzehn bin, arbeite ich. Zunächst waren es kleine Honorare für Moderationen, später Schichten als Kellnerin, parallel zum Abitur und zur freien Arbeit in der politischen Bildung. Heute kann ich mich auf diesen Bereich konzentrieren. Was erst als pragmatische Notwendigkeit begann, wurde zu einer Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Denn Arbeit war für mich nie nur Einkommensquelle, sondern ein Instrument der Freiheit.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Für Frauen ist dieses Instrument historisch betrachtet jung. Bis 1977 durften verheiratete Frauen in Deutschland nur mit Zustimmung ihres Ehemannes erwerbstätig sein. Die Verfügung über ihre Arbeitskraft stand unter Vorbehalt, ein Zustand, der heute kaum vorstellbar ist. Die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen war zu der Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern eine juristisch regulierte Ausnahme. Denn wer über das Einkommen entscheidet, entscheidet über Lebenswege. Schon Louise Otto-Peters, eine zentrale Figur der ersten Frauenbewegung in Deutschland, betonte, dass Frauen nur dann wirklich frei sein können, wenn sie finanziell auf eigenen Füßen stehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Diese historische Perspektive verändert den Blick auf die Gegenwart. Wenn heute über Gleichberechtigung gesprochen wird, geschieht das häufig in kulturellen Kategorien wie Sichtbarkeit oder Sprache. Doch die materielle Dimension bleibt dabei oft außen vor, obwohl sie so zentral ist. Denn ohne ökonomische Eigenständigkeit bleibt Freiheit prekär. Diese historische Schieflage wirkt nach, auch wenn sich die Gesetzeslage verändert hat. Wer eigenes Einkommen hat, kann Beziehungen freier gestalten. Eine Frau kann bleiben, weil sie will, nicht weil sie muss. Diese Differenz ist existenziell.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Natürlich ist nicht jede Erwerbsarbeit automatisch emanzipatorisch. Arbeitsverhältnisse können auch in Deutschland erschöpfen. Auch ich kenne Tage, an denen ich kaum geschlafen habe, weil ich bis in die Nacht gearbeitet habe und am nächsten Morgen wieder im Unterricht saß. Doch selbst in der Anstrengung lag eine existenzielle Erfahrung, da ich für mich selbst verantwortlich war. Ich finanzierte mein Leben durch Arbeit und diese Verantwortung veränderte wiederum mein Selbstbild. Es ist also kein Zufall, dass frühe Feministinnen der ersten Welle die wirtschaftliche Unabhängigkeit ins Zentrum stellten. Sie wussten, dass weibliche Freiheit ohne materielle Basis reine Symbolik war.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Wenn wir also in diesen Tagen die Frage nach der Gleichberechtigung ins Zentrum stellen, sollten wir uns an alle Kämpferinnen mit ihren Botschaften vor uns erinnern. Daran, dass mögliche Abhängigkeiten, die aus Machtgefügen entstehen, selten romantisch sind. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass in einer kapitalistischen Ordnung Geld ein Machtmedium ist. Das muss man nicht feiern, um es anzuerkennen. Solange jedoch wirtschaftliche Ressourcen über Handlungsspielräume entscheiden, bleibt die Frage nach finanzieller Unabhängigkeit zentral. Für Frauen bedeutet eigenes Einkommen nicht nur Konsumfähigkeit. Es bedeutet eben auch Schutz, Entscheidungsfreiheit und Würde.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hast du schon gegessen</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/04/hast-du-schon-gegessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Phuong]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 15:03:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash&Care]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[„Hast du schon gegessen?“ bedeute für Phuong mehr als nur die Frage nach Hunger. Es geht um Fürsorge und das Gefühl, dass sich jemand kümmert. Auch wenn Sorgen groß und Zeit knapp sind. „Hast du schon gegessen?“, fragt mich meine Mama. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass das in meiner Familie die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-renderer-mark="true">„Hast du schon gegessen?“ bedeute für Phuong mehr als nur die Frage nach Hunger. Es geht um Fürsorge und das Gefühl, dass sich jemand kümmert. Auch wenn Sorgen groß und Zeit knapp sind.</strong><span id="more-17406"></span></p>
<p>„Hast du schon gegessen?“, fragt mich meine Mama.</p>
<p>Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass das in meiner Familie die Art und Weise ist, Fürsorge und Liebe auszudrücken. In diesem Zusammenhang habe ich später auch begriffen, dass meine Familie anders ist als die der meisten in meinem Umfeld. Meine Eltern haben nicht die finanzielle Freiheit und sozialen Privilegien vieler deutscher Normalbürger*innen. Sie waren oft von morgens bis abends unterwegs, um Geld zu verdienen. Um zu überleben. Um ihre Kinder zu versorgen. Diese chronische Abwesenheit führte dazu, dass meine große Schwester für viele Jahre meine Care-Person war, obwohl sie selber noch viel zu jung war, um diese Verantwortung zu tragen.</p>
<p>Die Armut, in der ich aufgewachsen bin, war für mich mit viel Scham, Neid und Frustration verbunden. Ich habe oft gelogen, wenn es um den Beruf meiner Eltern ging. Wenn ich das einzige Kind war, das ein Formular vom Jobcenter für die anstehende Klassenfahrt ausfüllen lassen musste, wollte ich mich oft vor den anderen Kindern verstecken. Meine Mama arbeitet als Reinigungskraft, deren Schicht täglich von fünf bis sieben Uhr morgens ist. Mein Papa ist Lieferant für ein vietnamesisches Restaurant und deshalb meist den ganzen Tag unterwegs.</p>
<p>Diese Formen von Prekarität haben meine Biografie beeinflusst und wie ich mich zu finanzieller Sicherheit, sozialer Klasse und Wohlstand beziehe. Während ich selten neue Kleidung und tolle Geschenke bekam und nie Urlaub in den Ferien gemacht habe, erinnere ich mich gleichzeitig daran, egal wie hart die Zeiten waren und sind, dass ich nie Hunger hatte. Es gab zwar nie die fancy Frühstücksbox, aber im Gegensatz zu meinen Eltern habe ich mir nie Gedanken um Essen machen müssen. Manchmal gab es Pizza, Chicken Nuggets, Döner. Meine Highlights waren die Sonntage, an denen wir zu McDonald’s gelaufen sind.</p>
<p>Meine Mama trägt einen Körper, der alt, krank, zerbrechlich, müde und erschöpft ist. Es ist ein Körper, der trotz Bandscheibenvorfall, chronischen Rücken- und Handgelenkschmerzen täglich ein Autohaus putzen muss, weil sonst Sanktionen vom Jobcenter drohen. Trotz allem kocht sie für die Familie, bedingungslos.</p>
<p>Es ist mein Vater, dessen Körper trotz starkem Schneesturm hart arbeiten muss, um Menschen, die sich an solchen Tagen zu Hause einkuscheln, das Essen zu liefern. Gebratene Nudeln und Frühlingsrollen. Das ist kein vietnamesisches Essen, das es bei uns zu Hause gibt, aber wer weiß das schon. Wenn er dann spät abends nach Hause kommt, schläft meine Mama längst schon. Sein Abendessen liegt für ihn jeden Tag auf dem Küchentisch bereit.</p>
<p>Meine Eltern sind einer von vielen Migrant*innen in Deutschland, die unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen arbeiten müssen. Viele, die in der Pflege unter hoher Arbeitsbelastung arbeiten; diejenigen, die beim Schneesturm nachts den Schnee von den Zuggleisen wegräumen; die, die Amazon-Pakete verpacken und ausliefern.</p>
<p>Für die Mehrheitsgesellschaft ist ihre Arbeit so unsichtbar, weil sie als selbstverständlich genommen wird. Wir sprechen oft von Care-Arbeit in familiären und häuslichen Verhältnissen, von Emanzipation und Feminismus. Jedoch sprechen wir viel zu selten über Körper wie diese, deren Arbeit das Land am Laufen hält. Dennoch werden sie gesellschaftlich nicht wertgeschätzt und behandelt, als wären sie austauschbar. Stattdessen bestimmen rassistische Vorwürfe den Diskurs um Arbeit und Migrationspolitik, wie Faulheit oder sie würden „den Deutschen die Arbeit wegnehmen“.</p>
<p>Ich glaube, dass wir im Kapitalismus verlernen, miteinander zu leben und füreinander zu sorgen. Wenn für einige die Basic Needs als selbstverständlich gelten, während andere hart arbeiten müssen, um diese zu erfüllen, läuft etwas ganz falsch im System. Ich denke, dass wir, wenn wir finanzielle Freiheit haben, den Luxus und die Rahmenbedingungen haben, uns um uns selbst kümmern zu können, uns zu verwirklichen und unsere Liebe einander stets aufmerksam zu zeigen. Nicht in ständiger Existenzangst zu leben, nicht genug Geld auf dem Konto zu haben.</p>
<p>Dies ist deshalb keine Geschichte einer patriarchalischen, rückständigen oder konservativen migrantischen Familie. Sondern die einer, wie unzählige andere, die unter dem Kapitalismus und sozialen Ausschlüssen auf diese Art und Weise überleben muss.</p>
<p>Und weil ich verstehe, dass meine Geschichte kein persönliches, sondern ein systematisches Versagen ist, weiß ich um die Bedeutung von „Hast du schon gegessen?“ und bin stets dankbar, eine Mama zu haben, die für mich bedingungslos kocht.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Und sie nennen es GLEICHBERECHTIGUNG</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/und-sie-nennen-es-gleichberechtigung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nathan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 12:27:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Gleichberechtigung? Klingt gut.  Sieht aber oft anders aus. In seinem neuen Text schreibt Nathan über doppelte Standards, unsichtbare Hürden und die Frage, warum „gleich“ noch lange nicht gerecht ist. Auf dem Arbeitsmarkt ist ER gern gesehen, SIE jedoch nur gegen den ein oder anderen Ausschnitt. ER darf gerne bei den „wichtigen Leuten“ sitzen, SIE, da [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-renderer-mark="true">Gleichberechtigung? Klingt gut.  Sieht aber oft anders aus. </strong><strong data-renderer-mark="true">In seinem neuen Text schreibt Nathan über doppelte Standards, unsichtbare Hürden und die Frage, warum „gleich“ noch lange nicht gerecht ist.</strong><span id="more-17402"></span></p>
<p>Auf dem Arbeitsmarkt ist ER gern gesehen, SIE jedoch nur gegen den ein oder anderen Ausschnitt.</p>
<p>ER darf gerne bei den „wichtigen Leuten“ sitzen,<br />
SIE, da hinten in der Ecke ist noch eine Stelle frei.</p>
<p>ER ist fleißig, das sieht man doch,<br />
SIE soll sich mal mehr anstrengen.</p>
<p>ER macht alles richtig,<br />
nimm dir ein Beispiel an IHM.</p>
<p>Und SIE?</p>
<p>Nein, SIE ist kein Vorbild,<br />
bloß ein Lückenfüller für die schweren Tage.</p>
<p>ER hat viele Chancen auf dem Arbeitsmarkt,</p>
<p>SIE jedoch muss immer etwas besser sein als er.<br />
SIE muss immer ein Stück stärker sein,<br />
SIE muss immer für alles bereit sein.</p>
<p>ER muss das nicht,<br />
IHM steht die Welt offen,<br />
ER hat es immer ein Stück leichter.<br />
ER wird immer etwas besser bezahlt.</p>
<p>Wo ist da die Gerechtigkeit?</p>
<p>Heißt es nicht GLEICHBERECHTIGUNG?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sorgearbeit in der Coronakrise</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/sorgearbeit-in-der-coronakrise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 10:11:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sorgearbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Alle zu Hause, aber wer macht eigentlich die Arbeit? Carlotta wirft einen Blick auf Homeoffice, Corona und warum Care-Arbeit selbst in „progressiven“ Familien plötzlich wieder Frauensache wird. Seit der Corona-Pandemie ist das Home-Office-Modell beliebter geworden und immer mehr Menschen arbeiten heutzutage vielleicht 1 oder 2 Tage die Woche von daheim. Man spart sich lange Wege [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Alle zu Hause, aber wer macht eigentlich die Arbeit? </strong><strong>Carlotta wirft einen Blick auf Homeoffice, Corona und warum Care-Arbeit selbst in „progressiven“ Familien plötzlich wieder Frauensache wird.</strong><span id="more-17394"></span></p>
<p>Seit der Corona-Pandemie ist das Home-Office-Modell beliebter geworden und immer mehr Menschen arbeiten heutzutage vielleicht 1 oder 2 Tage die Woche von daheim. Man spart sich lange Wege zur Arbeit, langsamen Verkehr oder den Tratsch der nervigen Kolleg*innen. Außerdem kann es Vorteile bieten, den Arbeitsalltag besser mit anderen Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Hausarbeit zu vereinbaren. Ob dies nun auch zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Arbeitsteilung von Care-Aufgaben führt, ist jedoch fraglich. Obwohl alle zu Hause waren, wurde der größere Teil der Sorgearbeit während der Pandemie von Frauen übernommen (<a href="https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-frauen-in-der-coronakrise-starker-belastet-29949.htm">Frauen in der Coronakrise stärker belastet &#8211; Hans-Böckler-Stiftung</a>). Und auch nach der Pandemie-Zeit hängt die gerechte Arbeitsteilung stark von den Rollenbildern innerhalb einer Familie ab (<a href="https://www.mdr.de/wissen/psychologie-sozialwissenschaften/gleichberechtigung-im-homeoffice-100.html">Home-Office kann dazu führen, dass Frauen noch mehr Hausarbeit übernehmen | MDR.DE</a>). Diese ungleiche Verteilung hat sich auch sehr deutlich in meiner eigenen Familie gezeigt.</p>
<p>Zu der Zeit des Corona-Lockdowns 2020 war ich 18 Jahre alt und besuchte die 12. und ab Sommer die 13. Klasse eines Gymnasiums, stand also ein Jahr vor meinem Abitur. Ich habe mit meinem jüngeren Bruder (17 Jahre zu der Zeit) bei unserer Mutter gelebt, die glücklicherweise jeden Tag arbeiten gehen konnte. An meiner Schule gab es nach dem ersten strengeren Lockdown von 5 Wochen eine Sonderregelung für die zukünftigen Abiturient*innen. So durfte nur die 12. (zukünftig 13.) Klasse für mehrere Monate alleine die Schule besuchen. Es ermöglichte den knapp 100 Schüler*innen meines Jahrgangs, bei strengen Hygieneregeln einen normalen Schulalltag zu führen. Währenddessen musste mein Bruder, der damals die 10. Klasse besuchte, sich mit vermehrten Hausaufgaben und Online-Schule herumschlagen.</p>
<p>Meine Mutter und ich waren somit häufig den ganzen Tag außer Haus, während mein Bruder jeden Tag überwiegend in seinem Zimmer verbrachte. Häufig bekamen wir von unserer Mutter damals Haushaltsaufgaben, die zu erledigen waren, bevor sie wieder zu Hause war. Da meine Mutter Vollzeit arbeitete, war ich häufig vor ihr zu Hause und meistens waren die aufgetragenen Aufgaben von meinem Bruder nicht erledigt worden. So kam es dazu, dass ich viele Haushaltsaufgaben für Monate übernahm – während ich noch zur Schule ging und regelmäßig Nachhilfe gab. Ich kümmerte mich häufig um das Mittagessen für uns beide, ging einkaufen, machte die Wäsche und putzte manchmal die Wohnung. Obwohl es meiner Mutter klar war, dass ich überwiegend die Aufgaben übernahm, wurde das einfach so hingenommen. Es nervte uns beide natürlich, dass mein Bruder häufig nicht mithalf, aber so richtig dazu zwingen konnte man ihn auch nicht.</p>
<p>Während meine Mutter mich auch nie dazu gezwungen hat, diese Aufgaben zu übernehmen, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, sie zu unterstützen, da ich ja selber mehr Zeit hatte als sie. Ich denke, dass dies mit unserem Bild von Geschlechterrollen zusammenhängt. Auch wenn ich unsere Familie immer als progressiv wahrgenommen habe, die keinen Wert auf traditionelle Rollenbilder legt, existieren diese doch irgendwie in unseren Köpfen. Auch heute noch wird uns vorgelebt, wie die Haushaltsaufgaben „Frauensache“ sind, wie es in unserer Natur läge oder weil die Männer ja den ganzen Tag arbeiten müssten, hätten sie keine Kapazitäten mehr für Haus- und Sorgearbeit. Dass Frauen auch arbeiten, vielleicht in Teilzeit, weil Männer ja mehr verdienen, oder dass Care-Arbeit auch Arbeit ist, wird nicht anerkannt. Als Mann darf man es sich leisten, diese Aufgaben auszulagern, als Frau wäre man dann eine schlechte Mutter oder Partnerin. Und so war es irgendwie dann die Aufgabe von meiner Mutter und mir, die Haushaltsaufgaben und damit auch die Verantwortung für ein angenehmes gemeinschaftliches Leben zu übernehmen, während mein Bruder davon profitierte. Ich finde, ich es spannend, wie diese Rollenverhältnisse durch die Krise so stark hervorgebracht wurden, während ich dies vorher in unserer Familiendynamik nie so stark wahrgenommen habe.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Täterschutz im Freundeskreis: Wie private Loyalität Gewalt unsichtbar macht</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/taeterschutz-im-freundeskreis-wie-private-loyalitaet-gewalt-unsichtbar-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lea-Michelle]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 10:37:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Täterschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[„So kenne ich ihn nicht.“ Das hören wir auch gerade wieder ziemlich oft, wenn es um aktuelle Vorwürfe sexueller Gewalt geht. Täterschutz beginnt oft im Freundeskreis und bevor Betroffenen gegalubt wird, berufen sich verstörend viele Männer immer wieder auf die Unschuldsvermutung. Wenn Vorwürfe von Gewalt öffentlich werden, richtet sich der Blick meist auf Institutionen: Vereine, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-renderer-mark="true">„So kenne ich ihn nicht.“ Das hören wir auch gerade wieder ziemlich oft, wenn es um aktuelle Vorwürfe sexueller Gewalt geht. Täterschutz beginnt oft im Freundeskreis und bevor Betroffenen gegalubt wird, berufen sich verstörend viele Männer immer wieder auf die Unschuldsvermutung.</strong><span id="more-17386"></span></p>
<p>Wenn Vorwürfe von Gewalt öffentlich werden, richtet sich der Blick meist auf Institutionen: Vereine, Unternehmen, Kirchen, Parteien. Strukturen lassen sich benennen, Verantwortliche identifizieren, Versäumnisse dokumentieren. Weniger beachtet wird ein anderer Ort, an dem über Glaubwürdigkeit, Loyalität und Konsequenzen entschieden wird: der private Freundeskreis.</p>
<p>Dort gibt es keine Pressekonferenz, kein Compliance-Verfahren, kein Protokoll. Nur Gespräche in Wohnzimmern, Nachrichten in Gruppenchats, Blicke, die ausweichen. Und doch entfaltet Täterschutz hier eine besondere Wirkung. Weil er nah ist. Weil er persönlich ist. Weil er nicht wie Schutz aussieht.</p>
<p>„Täterschutz“ meint nicht nur das bewusste Vertuschen von Gewalthandlungen. Er beginnt früher. Im Relativieren. Im Verschieben. Im Formulieren von Sätzen wie: „So kenne ich ihn nicht.“ Oder: „Da gehören immer zwei dazu.“ Oder: „Man sollte vorsichtig sein mit solchen Anschuldigungen.“</p>
<p>Häufig geschieht das nicht aus Kalkül, sondern aus einem Bedürfnis nach Stabilität. Freundeskreise sind fragile Ordnungen. Sie beruhen auf gemeinsam erlebter Zeit, geteilten Erinnerungen, gegenseitiger Bestätigung. Ein Gewaltvorwurf stört diese Ordnung. Er zwingt zur Positionierung. Und Positionierung birgt Verlust.</p>
<p><strong>Wenn das bekannte Gesicht nicht zum Vorwurf passt</strong></p>
<p>Psychologisch lässt sich dieses Abwehren mit kognitiver Dissonanz erklären: Das Bild vom vertrauten Menschen kollidiert mit dem Vorwurf, er habe Gewalt ausgeübt. Diese Spannung verlangt nach Auflösung.</p>
<p>Selten wird das eigene Bild korrigiert. Häufiger wird der Vorwurf angepasst. Er wird abgeschwächt, kontextualisiert, als Missverständnis eingeordnet. Die Frage verschiebt sich unmerklich: nicht mehr „Was ist geschehen?“, sondern „Kann ich mir das vorstellen?“</p>
<p>Gewalt erscheint in vielen Vorstellungen als etwas Radikales, Fremdes, als Ereignis am Rand der Gesellschaft. Taucht sie im eigenen Umfeld auf, bedroht sie das Selbstverständnis der Gruppe. Sie zwingt dazu, Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, die unbequem sind: dass man Warnsignale übersehen hat. Dass man schweigend danebenstand. Dass Nähe nicht vor Verantwortung schützt.</p>
<p>So entstehen Sätze, die moderat klingen, aber folgenreich sind: Man wolle „beide Seiten hören“. Man dürfe „nicht vorschnell urteilen“. Man kenne „nicht alle Details“.</p>
<p>Was wie Ausgewogenheit erscheint, verlagert die Beweislast oft auf die betroffene Person. Sie soll konsistent erzählen, ruhig bleiben, widerspruchsfrei erinnern. Jede Emotion wird bewertet, jede Lücke hinterfragt. Ihr Schmerz wird zum Gegenstand einer Prüfung.</p>
<p><strong>Gruppenloyalität vor Verantwortung</strong></p>
<p>Freundeskreise funktionieren über Loyalität. Sie erzeugen ein Gefühl von Zugehörigkeit. Wer sich klar gegen ein Mitglied positioniert, riskiert dieses Gefühl. Konflikte können Gruppen spalten, Freundschaften beenden, soziale Netzwerke destabilisieren.</p>
<p>Die einfachere Lösung besteht darin, den Konflikt zu individualisieren. Gewalt wird zur „toxischen Beziehung“, zur „schwierigen Dynamik“, zur Eskalation zweier Personen. Die strukturelle Dimension – Macht, Einschüchterung, Wiederholung – tritt in den Hintergrund.</p>
<p>Damit verschiebt sich auch die Wahrnehmung der Störung. Nicht das Gewalthandeln erscheint als Problem, sondern die Thematisierung. Die Person, die spricht, wird zurjenigen, die „alles kompliziert macht“.</p>
<p>Für Betroffene bedeutet das einen doppelten Verlust. Sie verlieren nicht nur die Person, die Gewalt ausgeübt hat, sondern häufig auch das soziale Umfeld, das ihnen vertraut war.</p>
<p>Einladungen werden seltener, Gespräche verstummen, der eigene Name fällt vorsichtiger. Manchmal geschieht es leise. Manchmal abrupt. In jedem Fall sendet es eine Botschaft: Deine Erfahrung gefährdet unsere Ordnung.</p>
<p><strong>Die Folgen: Isolation und Selbstzweifel</strong></p>
<p>Wie ein Umfeld auf Gewalt reagiert, beeinflusst maßgeblich ihre Verarbeitung. Soziale Unterstützung gilt als zentraler Schutzfaktor. Ernst genommen zu werden, Glauben zu finden, klare Grenzen gesetzt zu sehen – all das kann stabilisieren und Handlungsmacht zurückgeben.</p>
<p>Bleibt diese Unterstützung aus, entsteht oft das Gegenteil. Zweifel von außen werden zu Zweifeln im Inneren. War es wirklich Gewalt? Übertreibe ich? Habe ich etwas falsch verstanden?</p>
<p>Diese Selbstbefragung kann zermürbend sein. Sie verlängert das erlebte Machtgefälle. Fachlich wird in solchen Konstellationen von sekundärer Viktimisierung gesprochen: einer erneuten Verletzung durch das soziale Umfeld.</p>
<p>Besonders schmerzhaft ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern die Quelle. Wenn Fremde zweifeln, ist das verletzend. Wenn Freundinnen und Freunde zögern, klar Stellung zu beziehen, erschüttert das das Grundvertrauen.</p>
<p><strong>Progressive Milieus und die Illusion der Immunität</strong></p>
<p>In Gruppen, die sich als politisch reflektiert verstehen, wird Gewalt im eigenen Umfeld häufig als Widerspruch zur eigenen Identität erlebt. Man ist sensibel, informiert, solidarisch – so das Selbstbild.</p>
<p>Vorwürfe stören diese Erzählung. Sie legen nahe, dass auch in aufgeklärten Räumen Machtmissbrauch möglich ist. Nicht selten wird daher stärker auf juristische Aspekte verwiesen: Es gebe kein Urteil, keine Anzeige, keine Beweise.</p>
<p>Doch soziale Verantwortung endet nicht an der Schwelle eines Gerichtssaals.</p>
<p><strong>Loyalität ist nicht neutral</strong></p>
<p>Loyalität gilt als Tugend. Sie signalisiert Verlässlichkeit. Doch sie ist nicht wertfrei. Sie kann Schutz bieten – oder Schaden verstärken.</p>
<p>Wenn Loyalität bedeutet, Vorwürfe systematisch zu relativieren oder Betroffene aus dem sozialen Raum zu drängen, wird sie zur stabilisierenden Kraft bestehender Machtverhältnisse.</p>
<p>Täterschutz geschieht selten laut. Er zeigt sich in verschobenen Prioritäten, in abwartenden Haltungen, im ausbleibenden Widerspruch.</p>
<p>Private Räume sind keine unpolitischen Räume. Sie sind die Orte, an denen sich entscheidet, welche Erfahrungen Sichtbarkeit erhalten – und welche verstummen.</p>
<p><strong>Ein anderer Blick auf Verantwortung</strong></p>
<p>Wer Vorwürfe von Gewalt im eigenen Freundeskreis relativiert, schützt nicht die Wahrheit. Er schützt eine Person. Und damit eine bestehende Ordnung.</p>
<p>Freundeskreise sind keine Gerichte. Aber sie sind Machtgefüge. Sie entscheiden, wer weiterhin selbstverständlich dazugehört, wer eingeladen wird und wessen Anwesenheit als unproblematisch gilt.</p>
<p>Wer sagt, er wolle „neutral bleiben“, verkennt, dass Neutralität in asymmetrischen Situationen selten neutral ist. Sie stabilisiert das Bestehende – und begünstigt denjenigen, der bereits über mehr sozialen Rückhalt verfügt.</p>
<p>Täterschutz beginnt nicht mit einem offenen Bekenntnis zur Gewalt. Er beginnt mit dem Impuls, sie kleiner zu machen, als sie ist.</p>
<p><strong>Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob eine Freundschaft unangetastet bleiben kann. Sondern: Was wiegt schwerer – der Erhalt eines vertrauten Gefüges oder die klare Absage an Gewalt?</strong></p>
<p>Wer diese Entscheidung vermeidet, hat sie bereits getroffen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht aus der Arbeitslosigkeit</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/bericht-aus-der-arbeitslosigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 09:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Was bedeutet Arbeit in einem System, das manche sichtbarer macht als andere?Beau – trans*maskulin, nicht-binär und irgendwo zwischen Kunst, Studium und Prekarität – nimmt uns mit in die „shadowlands“ des Kapitalismus. Ein persönlicher Einblick in unsichtbare Arbeit, fehlende Gleichberechtigung und die Frage, wer überhaupt Platz bekommt. Vor kurzem habe ich zum ersten Mal in meinen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet Arbeit in einem System, das manche sichtbarer macht als andere?</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Beau – trans*maskulin, nicht-binär und irgendwo zwischen Kunst, Studium und Prekarität – nimmt uns mit in die „shadowlands“ des Kapitalismus. Ein persönlicher Einblick in unsichtbare Arbeit, fehlende Gleichberechtigung und die Frage, wer überhaupt Platz bekommt.</strong><span id="more-17372"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Vor kurzem habe ich zum ersten Mal in meinen Leben die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> betreten.  </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> bilden ein Konzept der kanadischen Autorin und Journalistin Naomi Klein, die darüber in ihrem Beststeller </span><i><span data-contrast="auto">Doppelgänger</span></i><span data-contrast="auto"> berichtet; es handelt sich um die dunklen Flächen am Rand des Kapitalismus, in die ungeliebte Arbeit „verschwindet“. Arbeit, die wir selbst nicht machen wollen, schieben wir auf die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> ab. Dazu gehört eine breite Spanne von Tätigkeiten – die Herstellung von Textilien, Haushaltsgegenständen und Essen beispielsweise, aber auch logistische Herausforderungen wie der Gang zu einem Geschäft lässt sich problemlos auf die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> verlagern. Klein arbeitet heraus, dass die Arbeit sich natürlich nicht in Luft auslöst, oder irgendwo hinter verschlossenen Türen von reibungslos funktionierenden, anspruchslosen Maschinen verrichtet wird. Die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> sind genau wie alle anderen Arbeitsplätze von Menschen bevölkert. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Zehn bis fünfzehn Stunden meiner Woche bringe ich nun in den </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> zu, um meine staatliche Unterstützung aufzustocken und der Behörde meinen Arbeitswillen zu demonstrieren. Eine kleine Summe an Zeit im Vergleich mit meinen in Vollzeit arbeitenden Kolleg*innen, und die Umstände in meinem privaten </span><i><span data-contrast="auto">shadowland</span></i><span data-contrast="auto"> – das Fulfillment-Center eines mittelgroßen Lieferdienstes – sind weitaus menschlicher als beim </span><i><span data-contrast="auto">shadowland</span></i><span data-contrast="auto">-Fürsten</span><span data-contrast="auto"> Amazon. Noch dazu könnte ich den Job vermutlich kündigen, wenn ich ihn wirklich nicht mehr machen wollte; könnte die dadurch entstehenden Sanktionen beim Jobcenter schon irgendwie bewältigen; und der Papierkram und die Gänge zum Amt fallen mir als </span><i><span data-contrast="auto">weiße</span></i><span data-contrast="auto">, muttersprachliche Person leichter als anderen. All das gesagt, um auszumalen, dass meine Erfahrung im </span><i><span data-contrast="auto">shadowland </span></i><span data-contrast="auto">nicht exemplarisch ist. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich trage einen Scanner und ein digitales Pad an Handschuhen; das Pad zeigt mir an, was ich scannen und verladen muss und dirigiert mich so durch das Lager. Während ich die Kisten auf dem Kommissionier-Wagen stapele, denke ich an die Videos von menschen-ähnlichen Robotern, welche rennen und springen, aber anscheinend nicht schwer heben können. Ich mache den Job einer Maschine, weil ich ein wenig koordinierter und vermutlich auch billiger bin, während eine Maschine, eine A. I., irgendwo meinen Job macht – Gedichte schreibt, Social-Media-Postings erstellt, Filmmaterial generiert, halbgare Informationen zusammenträgt. Die Künstler*innen, auf deren gestohlener Arbeit das A. I.-Material beruht, werden nicht entlohnt; stattdessen schießen die Preise für Grafik-Karten und RAM in die Höhe, und die Orte, die neugebaute Data-Centers ertragen müssen, büßen ihr Grundwasser ein. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Meine Arbeit im Lager umfängt eine Reihe von Tätigkeiten, die passieren müssen, bevor die Produkte in die Fahrzeuge der Lieferant*innen geladen werden. Die Arbeit des Auslieferns verrichten zum Großteil migranitisierte Menschen unter prekären Bedingungen, wie eine Recherche der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausarbeitet</span><span data-contrast="auto">1</span><span data-contrast="auto">. Die körperlich harte Arbeit wird dabei schlecht entlohnt und die Löhne steigen nur langsam</span><span data-contrast="auto">2</span><span data-contrast="auto">, Überausbeutung ist alltäglich</span><span data-contrast="auto">3</span><span data-contrast="auto">, beispielsweise durch das regelmäßige Überschreiten der Höchstarbeitszeit von zehn Stunden</span><span data-contrast="auto">4</span><span data-contrast="auto">. Arbeitgeber im Logistik- und Lieferbereich gehen auch gerne gegen die Gründung von Betriebsräten vor und agieren häufig nur mit befristeten Arbeitsverträgen. Doch die Branche boomt, und schreit nach immer mehr Körpern, die es auszubeuten gilt. Und die schlechten Arbeitsbedingungen sind bei Weitem nichts besonders, </span><b><span data-contrast="auto">es ist beinahe so, als würde jeder belanglose ausgewählte Aspekt meines alltäglichen Lebens in Deutschland irgendwie auf Ausbeutung beruhen</span></b><span data-contrast="auto">, nicht nur das Bestellen von Paketen, sondern auch das Kaufen von Kleidung, der Gang in die Notaufnahme, der kurze Aufenthalt bei McDonald’s, das Benutzen der Straßenbahn&#8230;überall werden Arbeitskämpfe geführt, und überall hat die Leistung von Arbeiter*innen in der Vergangenheit erst zu den Bedingungen geführt, unter denen wir jetzt arbeiten. Der 8h-Tag, der Verbot von Kinderarbeit sind die Leistungen früher sozialer Bewegungen. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Nach einer Schicht tausche ich Textnachrichten mit meinen Kommiliton*innen aus; erst im September 2025 beendete ich meinen Master, bin aber bereits seit Juli auf Arbeitssuche, an die fünfzig Ablehnungen habe ich bisher angehäuft. Wir waren zu sechst in unserem Studiengang; drei Personen sind jetzt prekär in der Service-Industrie angestellt, in der sie auch schon vor dem Master gearbeitet haben, eine Person ist zu ihrem alten Beruf als Lehrerin zurückgekehrt, und die letzten zwei sind arbeitslos. Ich sehe, wie meine Kommilitonin C. Instagram-Reels mit den wunderschönen Notizbüchern grafischer Künstlerinnen einen Like gibt, und erinnere mich an unsere Arbeit in der Dunkelkammer. Beide sind wir jetzt hochspezialisiert ausgebildet und träumen nachts von den experimentellen Dokumentarfilmen, die wir gerne machen würden, wenn Kulturförderung nicht massiv zusammengestrichen werden würde, und wir nicht in unseren prekären Jobs oder Arbeitslosigkeit feststeckten. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sicher fragen sich Menschen, warum ich nicht etwas „Sinnvolles“ studiert habe und meine Kunst als Hobby vollziehe; die Antwort ist, dass im derzeitigen Arbeitsmarkt eigentlich niemand mehr sicher ist (wir haben den höchsten Stand an Arbeitslosigkeit seit 2015</span><span data-contrast="auto">5</span><span data-contrast="auto">). Und warum sollte ich mich nicht in dem Bereich bilden, in dem ich am besten bin, den ich am liebsten mache, und in dem ich den größten Beitrag zur Gesellschaft leisten und am produktivsten für meine Mitmenschen da sein kann? </span> <span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es ist später Abend, und sitze ich musik-hörend in der Bahn und scrolle durch die Nachrichten. Anscheinend ist Friedrich M. wiedereinmal aus einem Pool giftigen Schlammes aufgetaucht und hat es für gut befunden, sich in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Die Deutschen würden ja viel zu wenig arbeiten, besonders vom 8h-Tag ist er kein Fan. Kurz stelle ich mir vor, wie M. zehn Stunden lang schwere Pakete die Treppe hoch- und runterträgt, bedroht von aggressiven Hunden und erschöpft von der pausenlosen Zeit am Steuer. Die kindliche Fantasie verschafft nur kurz Erleichterung, und ich kehre dazu zurück, zu recherchieren, welcher Gewerkschaft ich beitreten könnte. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
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<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ich bin so müde</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/ich-bin-so-muede/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michelle]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 09:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden. Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden.</strong><span id="more-17367"></span></p>
<p>Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da brauche ich mich auch nicht wundern, wenn ich am Ende des Monats kein Geld mehr habe. Ich leite einen ehrenamtlichen Verein, aber das ist ja nur Freizeit. Ich mache den Haushalt, aber das gehört sich ja auch so. Und wenn ich dann noch Zeit aufbringe, um Hobbys nachzugehen, die mir guttun, die ich brauche, um mal ein bisschen runterzukommen, heißt es: „Ich habe es ja gut, dass ich für sowas Zeit habe“.</p>
<p>Ich „habe“ nicht einfach Zeit. Ich nehme sie mir. Ich treffe immer wieder die Entscheidung, wofür ich meine Zeit nutze. Aber diese Entscheidungen scheinen immer falsch zu sein. Ich arbeite zu wenig, mache zu viel in meiner Freizeit, könnte den Abwasch und die Wäsche auch mal regelmäßiger machen und, wenn ich schon dabei bin, auch gleich noch das Bad putzen, die Böden wischen, meine Familie besuchen, mich um meine Freundschaften kümmern … das sind ja alles nur Kleinigkeiten.</p>
<p>Und wenn ich diese Kleinigkeiten nicht alle unter einen Hut bekomme, dann bin ich faul, bin egoistisch, dann bin ich keine gute Tochter, Schwester, Freundin, dann bin ich nicht gut genug … dann mache ich zu wenig.</p>
<p>Wenn ich so wenig mache, warum bin ich dann so müde?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sie nennen es Liebe, wir nennen es unbezahlte Arbeit</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/sie-nennen-es-liebe-wir-nennen-es-unbezahlte-arbeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 10:14:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Lohn]]></category>
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					<description><![CDATA[Pflegen, erziehen, kümmern – unverzichtbare Arbeit, aber schlecht bezahlt oder gar unsichtbar. Warum Care-Arbeit nicht nur ein Thema für Familien ist, sondern ein strukturelles Problem von Arbeitsmarkt, Geschlechterrollen und ökonomischer Abwertung beschriebt Romy in ihrem neuen Text. Erziehung, Haushalt, Kinderbetreuung – viele haben haushaltszentrierte Tätigkeiten im Kopf, wenn es um das Thema „Care-Arbeit“ geht. Wie [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pflegen, erziehen, kümmern – unverzichtbare Arbeit, aber schlecht bezahlt oder gar unsichtbar.</strong><br />
<strong>Warum Care-Arbeit nicht nur ein Thema für Familien ist, sondern ein strukturelles Problem von Arbeitsmarkt, Geschlechterrollen und ökonomischer Abwertung beschriebt Romy in ihrem neuen Text.</strong><span id="more-17360"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erziehung, Haushalt, Kinderbetreuung – viele haben haushaltszentrierte Tätigkeiten im Kopf, wenn es um das Thema „Care-Arbeit“ geht. Wie der Begriff schon vermuten lässt, geht es in der Care-Arbeit zentral um das Sich-Kümmern und die Fürsorge um andere Menschen. Diese Leistungsanforderungen gehen aber weit über die Arbeit in Haus und Familie hinaus – um das gesamte Spektrum der Care-Arbeit erfassen zu können, muss der Blick auch auf die Ebene der Erwerbsarbeit, also der bezahlten Lohnarbeit, geworfen werden. Eine Ebene, die in dieser Thematik oft ignoriert wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich werde in diesem Text keinen persönlichen oder privaten Blick auf die Aspekte rund um die Care-Arbeit richten. Vielmehr geht es um die soziologische Perspektive – und darum, inwiefern Care-Arbeit weit über die eigenen vier Wände hinausgeht.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Geschlechterrollen auf dem Arbeitsmarkt </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">Geschlechterstereotypen ziehen sich durch jede gesellschaftliche Schicht und Struktur. Auch in der Erwerbstätigkeit sieht man: Es gibt eine Einteilung in „Männer- bzw. Frauenberufe“. In der Geschlechtersoziologie wird für diese Unterscheidung gerne der Begriff der „horizontalen Segregation“ verwendet. Als „Männerberufe“ zählen unter anderem Tätigkeiten im technischen und handwerklichen Bereich, während sich „Frauenberufe“ tendenziell rund um das Thema Pflege, Erziehung und Sorge drehen – Bereiche, die man so bereits aus der Care-Arbeit im Haushalt kennt.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Noch alarmierender als diese geschlechtsspezifische Aufteilung ist aber, dass sich diese Berufsspaten nicht auf Augenhöhe befinden. Sowohl aus finanzieller als auch aus prestigezentrierter Sicht wird deutlich: „Frauenberufe“ liegen weit hinten. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Aufstiegschancen sind geringer, die Löhne niedriger, das Ansehen gering. Sogar innerhalb von frauendominierten Berufsfeldern sind gravierende Unterschiede vorzufinden. Obwohl Frauen häufiger in diesen Berufen tätig sind, sind es meist Männer, die eine höhere Stellung genießen und sich in Führungspositionen befinden (in der Soziologie als „vertikale Segregation“ bezeichnet). </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Die ökonomische Abwertung von Care-Arbeit  </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">Um erklären zu können, weshalb „Frauenberufe“ deutlich schlechter entlohnt werden als ihr Pendant, lohnt sich nun ein Blick auf die Care-Arbeit im eigenen Haushalt, für die in der Soziologie häufig der Begriff „Reproduktionssphäre“ verwendet wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Care-Arbeit der Erwerbsphäre und der Reproduktionssphäre sind nicht voneinander getrennt, sie beeinflussen sich gegenseitig und stehen in Wechselwirkung zueinander – die Abwertung unbezahlter Care-Arbeit setzt sich in der schlechten Bezahlung und Anerkennung von Care-Berufen fort, obwohl sie unter anderem dafür sorgt, dass Menschen überhaupt erwerbsfähig sind. Zu der sichtbar geringeren Bezahlung solcher Berufe gibt es verschiedene Erklärungsansätze.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aus neoklassistischer Sicht der Volkswirtschaftslehre basiert diese Differenz auf der persönlichen Produktivität: Frauen übernehmen im privaten Bereich prinzipiell eher die Care-Arbeit, gehen in den Mutterschaftsurlaub und sind somit weniger erwerbstätig. Weniger Erwerbstätigkeit hat eine geringere Entlohnung zur Folge.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Allerdings sollte hier ein wichtiger Aspekt ergänzt werden: Weshalb übernehmen Frauen die Care-Arbeit? Warum leisten Frauen in Deutschland mehr als doppelt so viel Sorgearbeit wie Männer? Diese Frage lässt sich mithilfe der soziologischen Sicht auf die Gender-Pay-Gap ein Stück weiter beantworten. Hier wird davon ausgegangen, dass verschiedene Entlohnung nicht schlicht ein Ausdruck von ungleicher Produktivität sei, sondern von Diskriminierung: Frauenberufe sind gesellschaftlich deutlich weniger anerkannt, oft werden sie entwertet – eben, weil sie von Frauen ausgerichtet werden. Doch warum ist das so?</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Die „Natur“ der Frau – wie Care-Arbeit naturalisiert wird </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">„Sie machen es aus Liebe“ – dieses Argument ist gerne eine Rechtfertigung für unbezahlte Care-Arbeit in der Reproduktionssphäre. Es läge in der „Natur der Frau“ sich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Frauen seien dazu gemacht, Kümmerinnen und Fürsorgerinnen ihrer Familie zu sein. Ignoriert wird dabei, dass es biologisch gesehen kaum „typisch männlich“ oder „typisch weiblichen“ Eigenschaften gibt. Vielmehr sind weiblich- und männlich konnotierte Persönlichkeitsmerkmale das Ergebnis von Sozialisation, in dessen Prozess Frauen diese Fürsorge, Zärtlichkeit und der Fokus auf dem Kümmern um das Wohlbefinden anderer anerzogen wird. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Übernahme von Care-Arbeit ist also kaum natürlich, es ist das Produkt einer Gesellschaft mit patriarchalen Strukturen. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das Ideal der „aus Liebe handelnden Frau und Mutter“ hört allerdings nicht an der Türschwelle auf. Vielmehr zieht sie sich bis in die Erwerbssphäre und könnte somit einen Einfluss auf die prinzipiell schlechtere Bezahlung von frauendominierten Berufen nehmen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Liebe ist keine Lohnform </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">Schon seit Jahrzehnten Kämpfen Frauen für eine faire Bezahlung der Care-Arbeit, die sie leisten müssen – sowohl im Haus als auch im Beruf. Und dennoch: Care-Arbeit wird gesamtgesellschaftlich immer noch häufig als eine reine Selbstverständlichkeit angesehen. Etwas, dass sich „für Frauen so gehört“. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es ist ein Kampf, der vermutlich noch lange andauern wird. So lange, bis Care-Arbeit keine „Frauensache“ mehr ist. Denn hier geht es um etwas anderes als „natürliche Gegebenheiten“. „Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit“ (Silvia Federici im Manifest „Wages Against Housework“, 1975).</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
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<p><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das A in Alleinerziehende steht für Arbeit ohne Anerkennung</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/das-a-in-alleinerziehende-steht-fuer-arbeit-ohne-anerkennung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 12:48:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Alleinerziehend]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Anlässlich des 8. März wirft Laura einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen alleinerziehender Mütter. Sie erzählt von ihrer eigenen Geschichte und ihrer Mutter, die trotz finanzieller und emotionaler Belastung stets für ihre Kinder da war. Teilzeit, Vollzeit, alleinerziehend – die unsichtbare Arbeit alleinerziehender Mütter. Vor knapp einer Woche ist Parshad Esmaeilis Buch „Papa weg, Mama [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anlässlich des 8. März wirft Laura einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen alleinerziehender Mütter. Sie erzählt von ihrer eigenen Geschichte und ihrer Mutter, die trotz finanzieller und emotionaler Belastung stets für ihre Kinder da war. </strong><span id="more-17343"></span></p>
<p><strong>Teilzeit, Vollzeit, alleinerziehend – die unsichtbare Arbeit alleinerziehender Mütter.</strong></p>
<p>Vor knapp einer Woche ist <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/parshad-esmaeili-papa-weg-mama-muede-ich-laut-9783426569177?srsltid=AfmBOorPbkDK5WGTy_okFKIVB2oExjO48Z8jGeM7pWRVsR1iyXLz3G3P">Parshad Esmaeilis Buch „Papa weg, Mama müde, ich laut – Monolog einer Alleinerzogenen“</a> im Knaur Verlag erschienen und ich habe mich lang nicht mehr von einem Untertitel so gesehen gefühlt.<sup><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc">1</a></sup></p>
<p>Meine Mama ist eine von 2,8 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. 2,3 Millionen von ihnen sind Frauen <a href="https://de.statista.com/themen/5182/alleinerziehende-in-deutschland/#topicOverview.">(Statista 2025).</a> Sie hat zwei Mädchen allein erzogen, während die zwei Erzeuger jeder auf seine Art mit Abwesenheit glänzten. Wenn sie doch da waren, hätte ich mir gewünscht, dass allein in Alleinerziehende nicht lähmende Einsamkeit und doppelter Work Load für Mama bedeutet, sondern: Ruhe von Streiten um Unterhalt, Hämmern an Türen und Telefonterror.</p>
<p>Als Kind habe ich &#8222;Die Wilden Hühner&#8220; und als Teenie &#8222;LOL&#8220; geliebt. Es war heilend, neben den typischen heteronormativen Mama-Papa-Kind(er)-Konstellationen geballte „Frauenpower“ zu sehen. Reclaiming the Power, sozusagen. In meinem Leben gibt es Mama, das Powerhouse, die arbeitet, tröstet, sich kümmert und macht, während die Väter stammeln, kritisieren und zusätzlich belasten.</p>
<p>Dabei ist das Leben nicht so glamourös wie Demi Moore und Miley Cyrus es in &#8222;LOL&#8220; haben: Statt Kaschmirpullis und Apple-Laptops sind die meisten alleinerziehenden Mütter mehrfach marginalisiert. Fast die Hälfte von ihnen hat finanzielle Probleme, ein Drittel lebt in Sozialwohnungen. Laut dem RKI wirken sich die finanzielle Benachteiligung und die psychische Belastung des Alleinerziehens negativ auf ihre Gesundheit aus: So sind alleinerziehende Mütter öfter chronisch krank, nehmen aber seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. Das potenziert sich bei migrantisierten Alleinerziehenden. Zudem sind sie in ihrer Erwerbstätigkeit eher altersarmutsgefährdet.</p>
<p>Dazu stemmen sie den Vollzeitjob der Alleinerziehenden neben mindestens einer Teilzeitstelle. Und dann ist da noch die Sache mit dem Unterhalt. Nur etwa die Hälfte der alleinerziehenden Mütter erhalten regelmäßig Unterhalt, und meist liegt dieser unter dem Mindestwert der Düsseldorfer Tabelle.</p>
<p>Die Autorin und Anwältin für Familienrecht Asha Hedayati schreibt in „Die stille Gewalt“: „Rechtsanwält*innen in Deutschland ist es erlaubt, Tipps und Tricks zu vermitteln, mit deren Hilfe man weniger oder gar keinen Kindesunterhalt zahlen muss, gleichzeitig werden Gynäkolog*innen kriminalisiert, wenn sie öffentlich über Schwangerschaftsabbrüche informieren“ (2023: 154).</p>
<p>Wenn unsere patriarchale Gesellschaft so unbedingt will, dass Frauen ungewollt schwanger bleiben, wie wär’s dann mal damit, die Leben der Kinder und Mütter zu schützen, die es schon gibt, statt sie weiter zu diskriminieren? Zudem framen sogenannte Väterrechtler (explizit nicht gegendert lol) den Unterhalt als gnädige Bonuszahlung der Väter an die Mütter.</p>
<p>Als würden sie sich davon Wellness gönnen (was auch mal absolut fair wäre, by the way), statt basale Grundbedürfnisse wie Miete, Kleidung, Essen und Medikamente für die Kinder im Alleingang abzudecken. Viele Mütter müssen die Zahlungsverweigerung dieses literally gesetzlich verbindlichen Bare Minimus hinnehmen. Geldgeile Schlampe hallt es von den Wänden der Gerichtssäle. Und: du wirst schon noch sehen.</p>
<p>Oft bedeuten Konfrontationen mit gewalttätigen Ex-Partnern, die keinen Unterhalt zahlen wollen, ein hohes Sicherheitsrisiko für Mütter und ihre Kinder. Oder Gerichtsverhandlungen von angeblich objektiven Richtern gefährden Existenzen.</p>
<p>Wie solche, in denen die Väter, die sich ansonsten nicht um ihr Kind kümmern, die Frauen betrügen und bedrohen, ein „So jetzt machen wir es endlich mal anders rum!“ als Richterspruch durch Krokodilstränen erzielen. Und dann einen Teil der Rentenanwartschaften bekommen. Dabei geht es nie um das Kindeswohl, sondern ums Gewinnen gegen die Frau, die in diesem System sowieso nur verliert.</p>
<p>Unsere beiden Erzeuger haben mittlerweile Eigenheime gebaut, während Mama in einer Mietwohnung sitzt, deren Miete alle drei Jahre erhöht wird. Und das ist kein Einzelfall, sondern hat System.</p>
<p>Neben dieser prekären Lage von Alleinerziehenden folgt dazu noch das public shaming. Die Beleidigung Rabenmutter fällt statistisch häufiger als Rabenvater. Die Kinder kriegen abgepackte Schokobrötchen von Aldi mit in die Schule? Rabenmutter. Die beiden waren noch nie beim Zahnarzt? Rabenmutter. Du warst nicht beim Elternabend, weil der immer schon um 18 Uhr anfängt und du nicht früher Feierabend hast? Rabenmutter.</p>
<p>Aber: Er hat dich noch nie in den Arm genommen und gesagt, dass er stolz ist? Väter halt, denen muss man auch mal ihren Freiraum gönnen. Ich kann mich kaum daran erinnern, wie meine Mama sich mal etwas gönnt, etwas feiert – während unsere Geburtstagstische mit selbstgebackenem Kuchen und sorgfältig verpackten Geschenken geschmückt sind.</p>
<p>Auch das ist unsichtbare Arbeit, Spätschicht und Frühschicht, während die Erzeuger anrufen, etwas schicken oder in so vielen anderen Konstellationen solche Momente nutzen, um zu manipulieren, wie Parshad in ihrem Buch schmerzlich berichtet.</p>
<p>Und ähnlich wie sie, erinnere ich meine Mama vor allem arbeitend: Mamas Hände kochen, waschen Wäsche, spülen Geschirr, kleben Pflaster, schrubben, wischen, saugen, putzen, tragen, legen zusammen, zählen Geld, sparen, haben immer etwas zwischen Ballen und Finger, liegen selten lang ausgestreckt.</p>
<p>Mamas Hände sind weich trotz all der Härte, sind weich an meiner Wange, in meiner Handinnenfläche: beim Impfen, wenn sie mir die salzigen Tränen wegwischt. Mamas Hände sind weich, wenn sie mir den Hörer aus der Hand nehmen und sich um mich legen, wenn mein Erzeuger am Telefon Dinge sagt, die kleine Mädchenherzen auf immer zerbrechen.</p>
<p>Und trotzdem steht unterm Strich: Arbeit auf Teilzeit. Als würde Mama nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für uns da sein. Dabei sind Mamas Hände auch so viel weg. Wenn wir krank waren, war es nur selten ihre weiche Hand, die unseren glühenden Stirnen Abkühlung verschaffen konnte.</p>
<p>Viel eher ließ sie uns schweren Herzens und mit Sorge in den Augen auf dem blauen Sofa meiner Oma &amp; Opa zurück, die uns Zwieback und Salzstangen brachten. Meine Großeltern waren es auch, die in der ersten Reihe saßen, als ich mein Abiturzeugnis überreicht bekam – mit Auszeichnung.</p>
<p>Anders als ich hat meine Mama kein Abitur, konnte nicht studieren. Sie musste schnell arbeiten gehen, Geld verdienen. Dass ich dieses Papier nun in der Hand halte, ist bittersüß. Denn statt gemeinsam mit mir feiern zu können, ist Mama weit weg, ihr Chef hat ihr nicht freigegeben.</p>
<p>Dabei verdanke ich ihr all das. In einem Gedicht schrieb ich mal:</p>
<blockquote><p><strong>Dank dir muss ich nicht dieselben Gewichte heben, Dank dir muss ich nicht dieselbe Geschichte erleben.</strong></p></blockquote>
<p>Diese Chancen, die ich mit diesem Stück Papier in der Hand halte, habe ich nur, weil meine Mama die schweren Türen mit aller Kraft aufgeschoben hat, Stück für Stück, während sie ihr noch verschlossen blieben.</p>
<p>Nie musste ich neben der Schule arbeiten; ich hatte offiziell die wunderschönste, vollste Kindheit, die man sich nur vorstellen kann. Dank Mama und wie sie jedes Kapitel dieser Kindheit mit Liebe gestaltet hat.</p>
<p>Als Parshad in ihrem Buch beschreibt, wie oft ihre Mutter ihr Dankbarkeit predigt, da nicke ich heftig. So oft flüstert Mama uns ins Ohr: „Ihr seid mein größtes Glück“. So oft hat sie uns gesagt, wie dankbar wir sein können: für unsere Wohnung, unsere Gesundheit, für uns.</p>
<p>Es ist bezeichnend, dass wir gesamtgesellschaftlich Home Office so schnell als Arbeit anerkennen und belohnen, während häusliche, physische und emotionale Care-Arbeit, die meist von Mütterhänden übernommen wird, unsichtbar ist.</p>
<p>Unsichtbar gemacht wird. Als würden Mütter nichts aufgeben, wenn sie alles von sich geben. Ihr Mutterleben lang gibt meine Mama alles für uns (auf): einen Platz für sich allein, als sie auf der Matratze im Wohnzimmer schläft, damit wir Kinderzimmer haben.</p>
<p>Selbstfürsorge, wenn sie innerhalb weniger Sekunden duscht, um ein Säugling und eine Dreijährige nicht lange allein zu lassen. In weniger als einem Jahrzehnt werde ich so alt sein, wie Mama als sie alleinerziehend mit zwei Töchtern unterschiedlicher Männer war, die beide auf ihre Art Steine im Weg, statt Felsen in der Brandung waren.</p>
<p>Je mehr ich Frau werde, desto mehr sehe ich die Frau in meiner Mutter. Ich denke an Momente auf dunklen Parkplätzen, wie meine Schwester und ich herumalbern und Mama uns hetzt, an den Händen nimmt, schnellen Schrittes mit klackernden Absätzen.</p>
<p>Wie ich Ärger bekomme, weil ich die Tür nicht richtig abgeschlossen habe, während Mama unten im Keller Wäsche aufhängt. Was für ein Kraftakt es gewesen sein muss, uns diese Geborgenheit zu vermitteln, diese Sicherheit, wenn man sich selbst nicht in Sicherheit wähnt.</p>
<p>Eine Frau, die die Telefonnummer der lokalen Polizei in den Flur hängt, obwohl sie wusste, dass auch da den Männern nicht zu trauen ist. Aber immerhin besser als nichts, sieben Mal vier Zentimeter eine Illusion von Sicherheit aus Pappe.</p>
<p>Was ein mamagemachtes Privileg, dass ich damals noch an das Pixibuch-Narrativ von „Ich habe eine Freundin, die ist Polizistin“ glauben durfte und in der Polizei den Freund und Helfer sah.</p>
<p>Heute kann meine Mama Dinge tun, die für andere selbstverständlich sind: mal alleine in den Urlaub fahren, sich ein ganzes Wochenende lang entspannen oder ein neues Hobby beginnen. Und das, weil sie in Teilzeit arbeitet.</p>
<p>Eine Mutter, die mehr als zwei Jahrzehnte lang rund um die Uhr rotiert hat, weil patriarchale Machtverhältnisse sie in eine Doppelrolle gezwungen haben. Während Väter immer noch einmal Eis an der Ostsee essen gehen, „ohne Mütze, weil ist nicht so kalt“ und damit den Dad of the Year Award gewinnen.</p>
<p>Während Mama sich zwei Wochen lang um die Mittelohrentzündung danach kümmert. Eine Frau, die seit sie 18 ist, arbeitet und arbeitet, Steuern zahlt, Geld verdient und sich abackert für einen Staat, der ihre Arbeit immer noch unsichtbar macht.</p>
<p>Und dabei ist es so wichtig, dieses Narrativ der sich selbst aufopfernden Mutter endlich zu durchbrechen: Alleinerziehende Mütter sind nicht nur so bewundernswert, unter der Bedingung, dass sie all das leisten.</p>
<p>Sondern ihnen sollte, wie es für Männer oft so selbstverständlich ist, ihr Menschsein zugestanden werden. Als der Wirtschaftsflügel der CDU im Januar 2026 dafür plädiert, Rechte auf Teilzeitarbeit einzuschränken, ist alles, was ich denken kann: What the actual fuck.</p>
<p>Während Merz 12.000 Euro Steuergelder in den ersten drei Monaten Amtszeit für seine „Frisur“ ausgibt, haben Dreiviertel aller alleinerziehenden Mütter im Schnitt weniger als 2.000 Euro netto im Monat zur Verfügung.</p>
<p>Und obwohl Pflege von Kindern oder Angehörigen wohl weiter (mal schauen, wie lange noch) für die CDU das Recht auf Teilhabe sichern, wünsche ich Merz ein alternatives Leben als alleinerziehende Mutter. Damit er das mal spürt, das mal trägt, diese Last und nicht anfängt, Elterngeld immer weiter zu konditionieren.</p>
<p>I mean: Wenn alle Alleinerziehenden von heute auf morgen ihre Arbeiten (Plural!) niederlegen würden, will ich mal sehen, wie dieses Land weiter funktionieren soll.</p>
<p>Statt also weiter auf Müttern herumzutreten, die mit ihrer Erwerbs- und Sorgearbeit das Fundament unserer Gesellschaft sind, wie wäre es, ihre Sorgearbeit endlich mal als Arbeit anzuerkennen? Wir brauchen armutsfeste Kindergrundsicherung, keinen begrenzten staatlichen Unterhaltsvorschuss und verlässliche Infrastrukturen, die Alleinerziehende entlasten, sowie mehr Anlaufstellen, um sich gegen die Einsamkeit zu vernetzen.</p>
<p>Und vor allem: Anerkennung. Daher möchte ich diesen Text schließen mit Worten aus einem Poetry Slam vor ein paar Jahren:</p>
<blockquote><p>Ich hab’s nicht ganz gerafft, als ich klein war und ich sag’s auch seit ich größer bin, viel zu selten: aber an alle Alleinerziehenden da draußen und vor allem an Mama: ihr seid wahre Heldinnen.</p></blockquote>
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Dabei ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir in vieler Hinsicht als Alleinerziehende und Alleinerzogene auch privilegiert waren: cis, weiß und abled mit deutscher Staatsbürgerschaft und Familie im selben Land.</p>
<blockquote>
<blockquote>
<div>
<h3>Alleinerziehende unterstützen und dich weiterbilden:</h3>
</div>
<div>
<ul>
<li><a href="https://www.instagram.com/food8family/">@food8family</a></li>
<li><a href="https://www.instagram.com/frau_waibel/">@frau_waibel</a></li>
</ul>
</div>
<div>
<h3>Alleinerzogene unterstützen:</h3>
</div>
<div>
<ul>
<li><a href="https://www.instagram.com/parshad/">@parshad</a></li>
</ul>
</div>
</blockquote>
</blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Nähe zu Arbeit wird</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/03/wenn-naehe-zu-arbeit-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihrem neuen Text reflektiert sabylonica über die Herausforderungen und Ungleichheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders in Bezug auf Männer und FLINTA*-Freund*innen. Eröffnet wird ein Raum, in dem emotionale Arbeit, Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach gegenseitigem Zuhören thematisiert werden. Ein Aufruf, die Dynamik des Gebens und Nehmens neu zu denken und emotionale Verantwortung zu teilen. Ich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihrem neuen Text reflektiert sabylonica über die Herausforderungen und Ungleichheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders in Bezug auf Männer und FLINTA*-Freund*innen. Eröffnet wird ein Raum, in dem emotionale Arbeit, Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach gegenseitigem Zuhören thematisiert werden. Ein Aufruf, die Dynamik des Gebens und Nehmens neu zu denken und emotionale Verantwortung zu teilen.</strong><span id="more-17344"></span></p>
<p>Ich habe das Gefühl, ich bin für viele Menschen weniger eine Person als ein Raum. Ein Raum, in dem Dinge gesagt werden dürfen, die sonst keinen Platz finden. Ein Raum, in dem Tränen kommen, Geständnisse, Selbstzweifel und Lebenskrisen Platz finden. Besonders oft bin ich dieser Raum für Männer. Für cis*-hetero Männer, die gelernt haben, dass sie stark sein müssen, funktional und kontrolliert. Und dann plötzlich bei mir sitzen und erzählen, dass sie seit Jahren nicht mehr geweint haben. Dass sie sich noch nie jemandem so geöffnet haben. Dass sie sich durch unsere Gespräche „selbst besser verstehen“. Und ich sitze da und denke mir, okay krass, ich bin gerade dein emotionaler Durchbruch.</p>
<p>Ich höre zu, ich halte aus, ich frage nach und ich bin präsent. Ich versuche, nicht zu werten, nicht zu überfordern, nicht zu unterfordern. Ich mache genau das, was man von einer guten Therapeut*in erwarten würde, nur ohne Ausbildung, ohne Bezahlung, ohne Rahmen und ohne Wahl. Und vor allem, ohne dass ich je gefragt werde, ob ich das gerade leisten kann oder will. Diese Gespräche passieren einfach. Sie nehmen sich Raum. Sie nehmen sich Zeit. Sie nehmen sich meine Aufmerksamkeit, meine Empathie und meine Energie. Und oft merke ich danach erst, wie leer ich eigentlich bin. Wie viel ich gegeben habe, ohne es selbst so zu benennen. Weil Care-Arbeit sich selten wie „Arbeit“ anfühlt, während man sie tut. Sie fühlt sich an wie Beziehung, wie Nähe, Vertrauen, aber sie ist trotzdem Arbeit. Emotionale Arbeit, die unsichtbar ist.</p>
<p>Was mich besonders trifft sind die Ungleichheiten. Dass ich für viele Männer der Raum bin, in dem sie zum ersten Mal verletzlich sein dürfen, aber ich selbst diesen Raum bei ihnen nicht habe. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich versucht habe über meine eigenen Probleme zu sprechen. Über meine Überforderung, meine inneren Konflikte, über das Gefühl, zu viel und gleichzeitig zu wenig zu sein. Und die einzige Antwort, die ich bekommen habe, war: „Wird schon“. Zwei Worte. Kein Nachfragen. Keine Neugier. Und kein Raum. Da ist mir schlagartig klar geworden, wie ungleich diese Beziehungen oft sind. Wie selbstverständlich erwartet wird, dass ich zuhöre, aber wie ungewohnt es ist, wenn ich selbst gehört werden will. Als wäre meine Rolle klar. Die verständnisvolle, reflektierte und emotionale Person. Aber nicht die, die selbst Unterstützung brauchen könnte.</p>
<p>Unter FLINTA*-Freund*innen erlebe ich etwas komplett anderes. Da ist so viel Bewusstsein dafür, Raum zu teilen. So viel vorsichtiges Nachfragen, wie „Ist es okay, wenn ich das gerade erzähle?“, „Gib Bescheid, wenn es dir zu viel wird.“ oder „Ich will nicht alles auf dich abladen.“. Wir sind ständig am Achten, Regulieren, Reflektieren und Spiegeln. Fast schon übertrieben. Und gleichzeitig zeigt genau das, wie selten wir echte Aufmerksamkeit gewohnt sind. Wie ungewöhnlich es für uns ist, einfach reden zu dürfen, ohne sofort wieder in die Rolle der Zuhörenden zu rutschen. Manchmal sitzen wir zusammen und lachen darüber, wie wir uns gegenseitig immer wieder entschuldigen, obwohl niemand etwas falsch gemacht hat. Aber eigentlich ist das traurig, weil es zeigt, wie tief diese Strukturen sitzen, bloß nicht zu viel Raum einzunehmen, bloß nicht egoistisch wirken und bloß nicht zur Last fallen. Während andere sich diesen Raum einfach nehmen, ohne jegliches schlechte Gewissen, ohne Reflexion oder Rücksicht.</p>
<p>Ich glaube viele Männer merken gar nicht, was sie da tun. Für sie fühlt es sich an wie ein ehrliches Gespräch, wie Nähe und wie persönliches Wachstum. Für mich fühlt es sich oft an wie Arbeit, wie eine Dienstleistung, die ich erbringe. Ohne Vertrag, ohne Grenzen und ohne Schutz. Zwar mach ich das gerne, vor allem für meine Engsten, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es strukturell ist. Das ist kein individuelles Problem, sondern ein erlerntes Muster. Männer lernen ihre Emotionen zu verdrängen und suchen sich dann einzelne Personen, meistens FLINTA*, um all das nachzuholen. Nicht in professionellen Räumen, nicht untereinander, sondern bei denen, die sowieso schon emotional verfügbar sind. Die gelernt haben, sich zu kümmern, zuzuhören und Verantwortung für Stimmungen zu übernehmen.</p>
<p>Und wir tragen das. Wir tragen ihre Geschichten, ihre Tränen und ihre Durchbrüche. Aber niemand fragt, wer unsere Geschichten trägt. Wer unsere Tränen hält. Wer unsere Durchbrüche begleitet. Care-Arbeit ist hier nicht klassisch Pflege, Haushalt oder Organisation, sondern emotionale Struktur. Ich bin die Brücke zu sich selbst. Der sichere Raum. Der Spiegel. Und das ist etwas unglaublich Intimes, etwas Wertvolles, aber auch etwas Erschöpfendes. Vor allem dann, wenn es einseitig bleibt.</p>
<p>Ich will nicht aufhören empathisch zu sein. Auch will ich nicht aufhören zuzuhören. Aber ich will, dass diese Arbeit sichtbarer wird. Dass sie benannt wird. Dass sie nicht mehr als selbstverständlich gilt. Dass Menschen lernen nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Nicht nur zu reden, sondern auch zu fragen. Und nicht nur sich zu öffnen, sondern auch da zu sein. Vielleicht geht es am Ende darum, emotionale Verantwortung nicht zu externalisieren, nicht einzelne Personen zu Therapieräumen zu machen, sondern Beziehungen so zu gestalten, dass Care-Arbeit gerecht und gleich ist. Dass sie nicht auf bestimmten Körpern, Geschlechtern und Identitäten lastet, sondern geteilt wird.</p>
<p>Denn Zuhören ist keine natürliche Ressource. Empathie ist keine endlose Quelle. Und niemand sollte zur emotionalen Tankstelle für andere werden, nur weil sie gelernt haben, sich selbst zurückzunehmen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Kinderstaubsauger und ich &#8211; Über Care-Arbeit und hartnäckige Rollenverteilung</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/mein-kinderstaubsauger-und-ich-ueber-care-arbeit-und-hartnaeckige-rollenverteilung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anjuli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Feb 2026 09:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Anjuli hatte einen pinken Kinderstaubsauger, heute fragt sie sich, was daran wirklich Spiel war. Ein persönlicher Text über Care-Arbeit, Corona und die unbequeme Erkenntnis, dass selbst reflektierte Haushalte alte Rollenbilder weitertragen. Für mein Studium habe ich vor kurzem einen Text über Care-Arbeit während der Corona-Krise gelesen und wie sich diese auf die Arbeitsteilung in Haushalten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anjuli hatte einen pinken Kinderstaubsauger, heute fragt sie sich, was daran wirklich Spiel war. Ein persönlicher Text über Care-Arbeit, Corona und die unbequeme Erkenntnis, dass selbst reflektierte Haushalte alte Rollenbilder weitertragen.</strong><br />
<strong><span id="more-17337"></span></strong></p>
<p>Für mein Studium habe ich vor kurzem einen Text über Care-Arbeit während der Corona-Krise gelesen und wie sich diese auf die Arbeitsteilung in Haushalten ausgewirkt hat. Inspiriert davon habe ich über mein Elternhaus nachgedacht – und darüber, ob sich damals bei uns etwas verändert hat.</p>
<p>Ich habe den Großteil meines Bachelors während Corona absolviert. In einem Online-Seminar mit dem Titel „Who cares“ begann ich intensiver über Arbeitsteilung zuhause nachzudenken. Seit ich mich erinnern kann, war meine Mutter diejenige, die den Haushalt geschmissen hat. Als Teenager hing ich eine Postkarte an die Tür des Wäschekellers: „Wäsche von Mutti machen lassen, 1€.“ Ich fand das lustig. Gleichzeitig war ich überzeugt, dass mein Vater vermutlich nicht einmal wusste, wie man eine Waschmaschine bedient.</p>
<p><strong>Care-Arbeit im Ausnahmezustand</strong></p>
<p>Während der Pandemie schien vieles im Ausnahmezustand zu verschwimmen. Meine Mutter war in den Wochen, in denen mein pendelnder Vater nicht zuhause war, faktisch alleinerziehend – und gleichzeitig berufstätig. Rückblickend wurde mir erst spät bewusst, wie viel Care-Arbeit sie tatsächlich getragen hat.</p>
<p>Auf meine Nachfrage sagte sie, während Corona habe sich nicht viel verändert. Sie habe vielleicht mehr renoviert, aber nicht mehr Hausarbeit übernommen – weil sie ohnehin schon immer den größeren Anteil getragen habe. Damit bestätigte sie ungewollt, was ich aus meinem Uni-Text kannte: Krisen verändern Rollenbilder nicht zwangsläufig, sie machen bestehende Ungleichheiten sichtbarer.</p>
<p><strong>Latente Rollenbilder</strong></p>
<p>Obwohl ich meine Eltern nie als konservativ wahrgenommen habe, leben sie klassische Rollenbilder: Meine Mutter kocht und trägt den Mental Load. Mein Vater kümmert sich um Finanzen und handwerkliche Aufgaben. Es ist kein offener Machtkampf – sondern ein eingespieltes Muster.</p>
<p><strong>Und ich?</strong></p>
<p>Am irritierendsten ist für mich, dass sich ähnliche Dynamiken in meinem eigenen Haushalt wiedergefunden haben. Trotz Bachelorabschluss in Gender Studies war ich plötzlich diejenige, die organisiert, plant, Verantwortung übernimmt. Keine Kinder, kein Zwang – und trotzdem reproduzierte ich Muster, die ich kritisiere.</p>
<p>Haushaltsaufgaben zu boykottieren funktioniert nur bedingt. Reflexion anzustoßen bleibt oft an mir hängen. Vielleicht, weil diese Muster so tief eingeschrieben sind, dass Wissen allein sie nicht auflöst.</p>
<p><strong>Der Kinderstaubsauger</strong></p>
<p>Ich hoffe, dass es irgendwann normal ist, allen Kindern Spielküchen und Puppen zu schenken – nicht nur Mädchen pinke Staubsauger. So dass Care von klein auf als gemeinschaftliche Aufgabe erlebt wird.</p>
<p>Denn gerade weil sich diese Muster trotz feministischer Diskurse so hartnäckig halten, zeigt sich, wie tief Re-Traditionalisierung in Alltagspraktiken verankert ist. Care-Arbeit muss immer wieder neu verhandelt werden.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Hör auf zu jammern &#8211; Warum Leistungsideologie feministisch bekämpft werden muss</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/hoer-auf-zu-jammern-warum-leistungsideologie-feministisch-bekaempft-werden-muss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Feb 2026 09:58:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Leistungsideologie verkauft strukturelle Ungleichheit als persönliches Versagen und trifft Frauen*, Care-Arbeitende und prekär Beschäftigte besonders hart. Während Politik von „zu wenig Arbeit“ redet, bleiben oft emotionale Arbeit und Mindestlohnrealität unsichtbar. „Hör auf zu jammern“ ist einer dieser Sätze, die so harmlos klingen, bis man merkt, dass sie ein ganzes System absichern. Ich höre diesen Satz [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leistungsideologie verkauft strukturelle Ungleichheit als persönliches Versagen und trifft Frauen*, Care-Arbeitende und prekär Beschäftigte besonders hart. Während Politik von „zu wenig Arbeit“ redet, bleiben oft emotionale Arbeit und Mindestlohnrealität unsichtbar.</strong><br />
<span id="more-17329"></span></p>
<p>„Hör auf zu jammern“ ist einer dieser Sätze, die so harmlos klingen, bis man merkt, dass sie ein ganzes System absichern. Ich höre diesen Satz von meinen Großeltern, in Kommentarspalten und auch aus der Politik. Meine Generation und „die Jugend“ (wer soll das sein?), meckert zu viel und ist zu faul. Früher haben das doch auch alle geschafft und da konnte man sich nicht leisten, so erschöpft zu sein. Denn wer erschöpft ist, hat sich nicht genug angestrengt.</p>
<p>Dieses Leistungsnarrativ ist tief verankert – und es trifft nicht alle gleich.</p>
<p><strong>Die Rückkehr des Leistungsmythos</strong></p>
<p>Aktuell wird diese Logik wieder laut reproduziert. Friedrich Merz spricht von zu hohen Krankenständen, stellt das Recht auf Teilzeitarbeit infrage und inszeniert Arbeitsunfähigkeit als individuelles Problem mangelnder Disziplin. Die Botschaft ist klar: Deutschland arbeitet zu wenig, ist zu bequem geworden.</p>
<p>Strukturelle Faktoren fehlen im Diskurs. Dass Frauen, Teilzeitkräfte und Care-Arbeit in Statistiken anders auftauchen als klassische Vollzeitarbeit, wird in vereinfachten Leistungsnarrativen ausgeblendet. Mehr Stunden bedeuten nicht automatisch mehr Wohlstand oder mehr Gerechtigkeit – und vor allem nicht mehr Produktivität. Deutschland schafft mit vergleichsweise wenigen Stunden im internationalen Vergleich eine hohe Wertschöpfung. Gleichzeitig ist die Lohn-, Wachstums- und Wohlstandsentwicklung in Relation zur Inflation eher schwach.</p>
<p>Dieses Spannungsfeld zwischen Arbeitszeit, Produktivität und Lebensrealität wird im simplen Satz „Wir arbeiten zu wenig“ systematisch ausgeblendet. Was dabei konsequent ignoriert wird, ist auch die Frage, wer krank ist – und warum.</p>
<p><strong>Der männliche Maßstab</strong></p>
<p>Unser Gesundheitssystem ist historisch auf den männlichen Körper ausgelegt. Symptome, Krankheitsverläufe, Medikamente, Belastungsgrenzen – vieles basiert auf einem Körper, der keine Menstruation kennt, keine hormonellen Zyklen durchläuft, nicht schwanger wird. Selbst die Zahnpasta ist auf den pH-Wert des männlichen Mundes eingestellt.</p>
<p>Frauen* haben im Durchschnitt rund 13 Wochen im Jahr ihre Periode. Das ist keine Krankheit, aber es ist auch kein neutraler Zustand. Schmerzen, Erschöpfung, Migräne, Endometriose – all das taucht in Arbeitszeitmodellen, Produktivitätskennzahlen und politischen Debatten kaum auf. Demgegenüber stehen statistisch etwa drei Wochen Krankheit pro Jahr. Trotzdem wird so getan, als sei jede Form von Erschöpfung persönliches Versagen.</p>
<p><strong>Neoliberaler Feminismus und Selbstoptimierung</strong></p>
<p>Gleichzeitig wird Leistung längst nicht mehr nur im klassischen Sinne gemessen. Wir definieren uns über Produktivität, über Sichtbarkeit, über Output. Selbst im Feminismus sind wir nicht frei von dieser Logik. Neoliberaler Self-Branding-Feminismus verkauft Gleichberechtigung als Lifestyle-Entscheidung: ein Instagram-Post, eine Brand Identity, ein „Empowerment“-Mantra.</p>
<p>Feministisch sein wird etwas, das man machen kann – oder eben nicht. Strukturelle Kritik wird ersetzt durch individuelle Selbstoptimierung. Wer scheitert, hat sich offenbar nicht gut genug vermarktet oder es nicht verstanden.</p>
<p><strong>Unsichtbare Arbeit</strong></p>
<p>Was dabei unter den Tisch fällt, ist Arbeit, die sich nicht zählen lässt. Care-Arbeit im klassischen Sinne – Haushalt, Kinder, Pflege – ja. Aber auch emotionale Arbeit: zuhören, erklären, aushalten, übersetzen. Immer wieder männlichen* Lebensrealitäten erklären, warum Sexismus kein Missverständnis ist, warum bestimmte Witze verletzen, auch wenn man sie nicht „böse meint“.</p>
<p>Diese Bildungsarbeit ist kostenlos, unsichtbar und emotional teuer. Und sie bringt uns in ein permanentes Dilemma: Ich will diese Arbeit nicht leisten müssen – aber ich will auch verstanden werden. Und irgendwo sitzt immer dieser Gedanke: Wenn ich es ihm* nicht erkläre, woher soll er* es dann wissen?</p>
<p><strong>Mindestlohn und Realität</strong></p>
<p>Der Arbeitsmarkt tut sein Übriges. Ich arbeite aktuell im Buchhandel zum Mindestlohn. Ich bin erschöpft. Meine Chefin sagt, ich müsse mehr geben – dann könne man vielleicht über mehr Stunden reden. Sie ist selbst Chefin und verdient ebenfalls nur Mindestlohn. In der gleichen Buchhandlung arbeiten ausgebildete Buchhändlerinnen* für 20 Stunden, ebenfalls zum Mindestlohn. Gleichzeitig wundert man sich, warum sich niemand bewirbt. Als wäre das ein Rätsel und kein strukturelles Problem.</p>
<p><strong>Wir wollen leben, nicht nur funktionieren</strong></p>
<p>Das Leistungsversprechen, mit dem viele von uns aufgewachsen sind – streng dich an, beschwer dich nicht, dann wirst du belohnt – funktioniert nicht mehr. Oder vielleicht hat es das nie getan, aber jetzt wird es sichtbar. Viele von uns sind desillusioniert. Wir wollen leben, nicht nur funktionieren. Zeit haben, Freude, ein Leben neben der Arbeit.</p>
<p>Selbst wenn das weniger Geld bedeutet – wobei „weniger“ oft ohnehin kaum genug ist. Für mich und viele andere ist ein Leben mehr wert als die ganze Zeit nur arbeiten, vor allem wenn sich diese nicht lohnt. Diese Haltung wird belächelt, als mangelnder Ehrgeiz abgetan. Selten wird verstanden, dass Produktivität heute allgegenwärtig und unumgänglich ist.</p>
<p><strong>Dauererreichbarkeit</strong></p>
<p>Unsere Smartphones sind dafür das beste Beispiel. Sie versprechen Freiheit, Vernetzung, Selbstbestimmung – und sind gleichzeitig ständige Arbeitsgeräte. Erreichbarkeit wird vorausgesetzt, Grenzen verschwimmen, Abschalten wird zur persönlichen Verantwortung. Wer nicht antwortet, gilt als unprofessionell. Wer müde ist, als unmotiviert.</p>
<p><strong>Nach oben treten</strong></p>
<p>Leistungsideologie ist kein neutrales Konzept. Sie ist geschlechtlich, klassistisch und zutiefst kapitalistisch. Feminismus, der sich ernst nimmt, muss sie angreifen. Nicht, indem wir noch produktiver werden, noch resilienter, noch besser organisiert. Sondern indem wir fragen:</p>
<ul>
<li>Wer kann sich Leistung leisten?</li>
<li>Wessen Arbeit wird gesehen – und wessen Erschöpfung wird ignoriert?</li>
<li>Warum gilt Jammern als Problem, wenn es oft nur ein Hinweis darauf ist, dass etwas grundlegend schiefläuft?</li>
</ul>
<p>Es war noch nie unten gegen unten.<br />
Es war immer unten gegen oben.<br />
Vielleicht sollten wir endlich wieder anfangen, nach oben zu treten.</p>
<hr />
<p><strong>Literatur:</strong><br />
Evteeva, Maria, und Lucrecia Burges. <em>Internalized Misogyny: The Patriarchy Inside Our Heads.</em> Bd. 14, 2024.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ziad &#038; Nico &#8211; Körper in der Literatur</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/ziad-nico-koerper-in-der-literatur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 11:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über ein neues Video von Ziad und Nico. In ihrer gewohnten Art analysieren sie literarische Texte und nehmen dabei Bezug auf die Bedeutung von Körpern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über ein neues Video von Ziad und Nico. In ihrer gewohnten Art analysieren sie literarische Texte und nehmen dabei Bezug auf die Bedeutung von Körpern.</strong><span id="more-17322"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bis unter die Haut &#8211; Körper, Identität und der Sound von “2F4C3”</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/bis-unter-die-haut-koerper-identitaet-und-der-sound-von-2f4c3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[David Novell]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Feb 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[2F4C3 entstand vor über zwei Jahren. Der Song war fertig &#8211; David war es noch nicht. Im aktuellen Beitrag auf Mein Testgelände schreibt David über Körper, Sichtbarkeit und das Gefühl, nie ganz „fertig“ zu sein. Ich bin David Novell aus Leipzig und arbeite in meiner Musik mit Einflüssen aus Hip Hop, experimentellem Pop und Medienkunst. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>2F4C3 entstand vor über zwei Jahren. Der Song war fertig &#8211; David war es noch nicht.</strong><br />
<strong>Im aktuellen Beitrag auf Mein Testgelände schreibt David über Körper, Sichtbarkeit und das Gefühl, nie ganz „fertig“ zu sein.</strong><span id="more-17317"></span></p>
<p>Ich bin David Novell aus Leipzig und arbeite in meiner Musik mit Einflüssen aus Hip Hop, experimentellem Pop und Medienkunst. Mein Song “2F4C3” bewegt sich zwischen Rap und New Wave und dreht sich um Fragen, die mir wortwörtlich unter die Haut gehen: Warum wollen wir eine Welt akzeptieren, in der es nicht allen gut geht? Warum tragen wir Masken, unter denen wir uns selbst nicht mehr erkennen? Und wie viele Gesichter darf ein Körper haben?</p>
<p>Körper sind nicht einfach privat. Sie sind zwar per Definition persönlicher Raum, aber eben auch Projektionsfläche und politisches Territorium. Körper sind für mich kein neutraler Ort: sie sind Ausdruck und Grenze, Bühne und Zielscheibe zugleich. In “2F4C3” frage ich, wie sich Schmerz, Ohnmacht und gesellschaftlicher Druck in meinem Körper ablagern. Im Pre-Chorus wiederhole ich:<br />
<i>„Es geht bis unter meine Haut / Wohin mit all dem Pain / Es ist so vertraut und trotzdem kann ich’s nicht versteh’n“</i></p>
<p>Dieser Widerspruch &#8211; zu spüren, zu durchschauen, aber nicht wirklich zu begreifen &#8211; beschreibt ziemlich genau, wie sich mein Körper im gesellschaftlichen Kontext anfühlt: die Spannung zwischen meinem eigenen Empfinden und der Sicht von außen. Als nicht-binäre Person merke ich, wie daraus oft etwas anderes wird &#8211; eine Zuschreibung, eine Kategorie, ein Kampf um Lesbarkeit.</p>
<p>„2F4C3“ ist schon länger fertig, aber ich arbeite oft ohne feste Strukturen oder Budgets, die einem Song automatisch Sichtbarkeit verschaffen. Gleichzeitig entsteht meine Musik nie im luftleeren Raum: der Track wurde gemeinsam mit dem Produzenten Akela1 entwickelt, der meine Arbeit seit Jahren unterstützt. Mit Menschen, die künstlerische Verwirklichung priorisieren, suche ich immer wieder nach Wegen, Dinge möglich zu machen. Manchmal entstehen daraus neue Ideen, manchmal auch nur Erschöpfung. Diese körperliche Grenze &#8211; das Gefühl, nicht hinterherzukommen, sich zu verausgaben &#8211; gehört für mich genauso zu Kunst wie der Moment, in dem etwas gelingt.</p>
<p>Ich habe bereits Ideen für Visuals, Release-Reels oder vielleicht auch ein Musikvideo, aber gerade sortiere ich mich künstlerisch neu und überlege, wie ich meine Musik in Zukunft veröffentlichen möchte. Oft geht es dabei nicht nur um äußere Strukturen, sondern auch um meinen eigenen Anspruch. Perfektion ist etwas, das mich in meiner künstlerischen Arbeit bis heute begleitet. Ich überdenke, verändere, verwerfe &#8211; zum Einen aus künstlerischem Spieltrieb, aber auch aus Angst, dass etwas noch nicht gut genug ist. Dieses Gefühl schreibt sich direkt in den Körper ein: in Anspannung, Haltung, Stimme. Und manchmal frage ich mich, “für wen” ich eigentlich all das perfektioniere, wenn das Ergebnis am Ende vielleicht nur als Zahl in einer Playlist landet. Zwischen dem künstlerischen Erforschen, dem Anspruch, alles richtig zu machen und der Realität, auf Gelegenheiten hinzuarbeiten, die vielleicht nie kommen, entsteht manchmal ein seltsamer Stillstand. Ich möchte noch mehr lernen, das Unfertige nicht als Makel, sondern als Teil meiner Arbeit zu sehen.</p>
<p>Dieser Gedanke hält auch den Song in Bewegung bzw. anschlussfähig für neue Formen, Begegnungen und Menschen, die meine Musik visuell weiterdenken wollen. “2F4C3” ist für mich ein offenes Experiment, eine erste Maske, die ich abnehme, um zu sehen, was darunter weiterarbeitet.</p>
<p>Dabei war “2F4C3” nie wirklich „unveröffentlicht“. Der Song war schon Teil mehrerer Live-Shows und einer Ausstellung an der Abendakademie der HGB Leipzig, bei der ich eine Skulptur und ein Videoobjekt dazu gezeigt habe. Für mich war das auch eine Form der Veröffentlichung: Menschen sind dem Song begegnet, nur eben nicht über einen Stream, sondern im physischen Raum. Musik darf und sollte meiner Meinung nach auch wieder stärker außerhalb digitaler Plattformen existieren. Deshalb teile ich hier zunächst nur einen Ausschnitt &#8211; ein kleiner Einblick in einen Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.</p>
<p>Vielleicht ist aber auch das Teil des Themas: dass sich Identität, Körper und Ausdruck nie ganz „fertig“ anfühlen.</p>
<p>Meine eigene Gender-Identität ist für mich nicht nur dann gültig, wenn ich perfekt gestylt, geschminkt oder „queer-couture-ready“ auf der Straße erscheine. Ich bin auch dann non-binär, wenn ich mit Dreitagebart in einem ausgewaschenen Pullover auf meiner Couch sitze. Trotzdem spüre ich, wie viel Erwartung von außen in meinen Körper geschrieben wird &#8211; sei es durch Medienbilder, gesellschaftliche Normen oder auch durch queere Szenen selbst, die oft unbewusst neue Schönheitsmaßstäbe oder selektive Lesbarkeiten setzen. Im Spannungsverhältnis treibt mich selbst immer wieder die Frage um: Wie viel habe ich von meiner Gender-Identität überhaupt „explored“ &#8211; und wie viel davon ist sichtbar?</p>
<p>Mit meinem Körper verhandle ich Lust, Scham, Ausdruck, aber auch Grenzen. Ich bewege mich in einem Geflecht aus Blicken und Erwartungen, das viele Körper betrifft &#8211; besonders jene, die nicht “der Norm” entsprechen. Der Begriff “Norm” ist für mich persönlich besonders aufgeladen, da äußere Zuschreibungen mir oft eine Norm andichten, durch die ich zum Einen profitiere, aber unter welcher ich zum anderen auch leide. Solidarität bedeutet für mich auch, diese Verbindungen sichtbar zu machen und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für Körper einzusetzen, die nicht “der Norm” entsprechen. Körper sind nie neutral. Sie werden ständig kontrolliert, bewertet, reguliert &#8211; durch Politik, durch Sprache, durch Kultur. Und genau deswegen will ich meine Musik nutzen, um Räume für andere Körperbilder und Selbstwahrnehmungen zu öffnen.</p>
<p>“2F4C3” ist ein Song über den Schmerz, aber auch über den Wunsch nach einer anderen Art, miteinander zu leben &#8211; mit Körpern, die nicht genormt sind, sondern vielfältig und widersprüchlich, trotzdem oder gerade deswegen solidarisch.<br />
In seiner Energie bleibt der Song zugleich eine Warnung: eine Erinnerung daran, dass Fortschritt oft mit denselben Gesichtern spricht, die Wunden hinterlassen haben. Ich weiß, dass ich selbst Teil dieser Strukturen bin &#8211; privilegiert, verstrickt, nicht frei von dem System, das ich kritisiere. Aber genau deshalb will der Song nicht versöhnen, sondern an die Verantwortung erinnern, die in unseren Körpern mitschwingt, wenn wir von Gerechtigkeit sprechen.</p>
<p>Der komplette Song ist Teil einer fortlaufenden Erzählung, welche laufend aktualisiert wird &#8211; vielleicht mit einer Fortsetzung dieses Textes, die noch körperlicher und näher an dem sein wird, was unter der Maske liegt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kaufen wir die Liebe?</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/kaufen-wir-die-liebe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 09:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Cash&Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Valentinstag]]></category>
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					<description><![CDATA[Jedes Jahr dasselbe Spiel: Liebe wird in Geschenkpapier gewickelt und an der Kasse gescannt. Aber seit wann beweist sich Zuneigung durch Kaufkraft? Und warum fühlt es sich manchmal so an, als müsste man konsumieren, um zu lieben? Lilith spricht über Kapitalismus in Herzform.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jedes Jahr dasselbe Spiel: Liebe wird in Geschenkpapier gewickelt und an der Kasse gescannt. Aber seit wann beweist sich Zuneigung durch Kaufkraft? Und warum fühlt es sich manchmal so an, als müsste man konsumieren, um zu lieben? Lilith spricht über Kapitalismus in Herzform.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>zu viele Haare / Zwischen Zugehörigkeit und Rebellion</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/zu-viele-haare-zwischen-zugehoerigkeit-und-rebellion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anjuli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 09:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Haare]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem ersten Text auf meintestgelände schreibt Anjuli über Körper, Feminismus und die Frage, ob Selbstbestimmung auch bedeutet, Schönheitsideale zu brechen dabei innere Widersprüche auszuhalten. Seit mehreren Jahren befinde ich mich immer mal wieder in Gesprächen oder Diskussionen darüber, ob wir als Feminist*innen eigentlich alle gängigen Schönheitsideale ablehnen müssen, um wirklich als solche zu gelten. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In ihrem ersten Text auf meintestgelände schreibt Anjuli über Körper, Feminismus und die Frage, ob Selbstbestimmung auch bedeutet, Schönheitsideale zu brechen dabei innere Widersprüche auszuhalten.</strong><span id="more-17306"></span></p>
<p data-start="735" data-end="1236">Seit mehreren Jahren befinde ich mich immer mal wieder in Gesprächen oder Diskussionen darüber, ob wir als Feminist*innen eigentlich alle gängigen Schönheitsideale ablehnen müssen, um wirklich als solche zu gelten. Jegliche Körperbehaarung wachsen lassen statt waxen, keine Schminke benutzen, keine figurbetonten Klamotten tragen, erst recht nicht unters Messer legen oder sich die Falten wegspritzen lassen – und natürlich auch keine langen Haare haben, die man stundenlang föhnen und frisieren muss.</p>
<p data-start="1238" data-end="1577">Durch diese Unterhaltungen habe ich von vielen Frauen viele verschiedene Meinungen gehört.<br data-start="1328" data-end="1331" />„Aller Anfang ist schwer.“<br data-start="1357" data-end="1360" />„Wir haben das halt so gelernt.“<br data-start="1392" data-end="1395" />„Mein Freund findet Haare aber eklig und rasiert sich selbst die Achseln.“<br data-start="1469" data-end="1472" />„Schönheitseingriffe und Auftakeln sind auch feministisch, weil ich mache das ja, um MICH gut zu fühlen.“</p>
<p data-start="1579" data-end="1593">Und so weiter.</p>
<p data-start="1595" data-end="2127">Mir selbst fällt dabei oft ein innerer Zwiespalt auf. Ich bin so vielen Idealen unterworfen, bin mit ihnen als Norm aufgewachsen und habe gelernt, dass Dazugehören bedeutet, diesen Idealen nachzueifern. Doch gleichzeitig lerne ich immer mehr über patriarchale Strukturen, darüber, wie wenig Einfluss Frauen historisch auf Schönheitsideale hatten. Dass diese Ideale benutzt wurden und werden, um Frauen zu objektivieren und zu sexualisieren. Dass sie Frauen auferlegt wurden – über Hunderte von Jahren. Dass sie UNS auferlegt wurden.</p>
<p data-start="2129" data-end="2336">Natürlich fühlen wir uns also nach mehreren Jahrhunderten Indoktrinierung besser, wenn wir sie befolgen. Aber was bedeutet das dann für mich? Sind Feminismus und Schönheitsideale schlichtweg nicht vereinbar?</p>
<hr data-start="2338" data-end="2341" />
<p data-start="2343" data-end="2804">Meine Eltern erzählen oft, dass ich schon mit einer großen Portion Selbstvertrauen und einem starken Willen auf die Welt kam. Ich habe immer – als Kleinkind, als Teenager und auch noch als junge Erwachsene – mit (teilweise auch zu viel) Überzeugung angezogen, was ich wollte. Während ich also mit unbeirrbarer Selbstsicherheit knallige Farben und Tierprints getragen habe, gab es trotzdem immer einen Teil meines Äußeren, der mich verunsichert hat: meine Haare.</p>
<hr data-start="2806" data-end="2809" />
<p data-start="2811" data-end="3159">Mein Leben lang wurde mir gesagt, wie toll meine Haare seien und dass ich mich freuen müsse über so eine Haarpracht. Das habe ich nie verstanden. Für mich waren meine Haare etwas, womit ich herausgestochen bin, etwas, wodurch ich anders aussah als alle anderen – und womit ich mehr Raum eingenommen habe als die glatthaarigen Mädchen um mich herum.</p>
<p data-start="3161" data-end="3648">Ich erinnere mich an ein Foto, das mich und eine Freundin nebeneinander zeigt. Wir sehen beide ganz fröhlich aus, aber ich weiß noch, wie ich das Foto zum ersten Mal gesehen habe und es direkt gehasst habe. Sie war ein dünnes, schmales Mädchen mit aalglatten braunen Haaren. Ich war nicht so zart und schmal und hatte sehr voluminöses Haar. Schon mit acht Jahren habe ich das Foto angeschaut und gedacht, dass ich – vor allem durch meine Haare – zu breit und massig aussehe im Vergleich.</p>
<p data-start="3650" data-end="4043">Was mein Unwohlsein diesbezüglich noch verstärkt hat, war ein Verbot für die Mädchen in meiner Grundschule, die Haare offen zu tragen. Wem die Haare ins Gesicht hängen, kann sich nicht konzentrieren, hieß es. Je mehr und je länger die Haare, desto schlimmer. Wer sich widersetzt hat oder es vergessen hat, musste zum Sekretariat und sich ein Küchengummi holen. Und das hat schrecklich geziept.</p>
<hr data-start="4045" data-end="4048" />
<p data-start="4050" data-end="4618">Bis heute trage ich meine Haare nicht gerne offen, weil ich immer noch das Gefühl habe, zu sehr aufzufallen und zu viel Raum einzunehmen. Ich habe dann ständig das Bedürfnis, mein Spiegelbild überprüfen zu müssen und meine Haare bloß irgendwie in Form zu halten. Und gleichzeitig ist der Gedanke, sie ganz kurz zu schneiden, extrem abwegig. Auf der einen Seite bin ich fest davon überzeugt, dass es mir nicht stehen würde, und auf der anderen Seite bin auch ich schlichtweg nicht frei von der Assoziation, dass lange Haare Weiblichkeit und Attraktivität symbolisieren.</p>
<hr data-start="4620" data-end="4623" />
<p data-start="4625" data-end="4712">Coco Chanel sagte einst:<br data-start="4649" data-end="4652" /><strong data-start="4652" data-end="4712">„A woman who cuts her hair is about to change her life.“</strong></p>
<p data-start="4714" data-end="5247">Haare waren kulturell schon immer extrem bedeutungsmächtig und ein sehr wichtiger Schönheitsmarker. Frisuren und Haarfarben trendeten stets genauso wie Klamotten. Kaiserin Sissis Haarpracht war beispielsweise fast genauso berühmt wie sie selbst. Sie hatte eine Magd, die nur für ihre Haarpflege angestellt war und ihr jeden Tag stundenlang das bodenlange Haar kämmte und frisierte. Marilyn Monroe erlangte erst Ruhm, als sie sich die Haare wasserstoffblond färbte, und Anna Wintours stärkstes Erkennungsmerkmal ist ihr markanter Bob.</p>
<p data-start="5249" data-end="5480">Sowohl historische Frauenfiguren als auch Models, Schauspielerinnen und andere Frauen des öffentlichen Lebens zeigen uns, wie sehr unsere weiblich konnotierten Frisuren mit Status, Anerkennung und Symbolträchtigkeit zusammenhängen.</p>
<hr data-start="5482" data-end="5485" />
<p data-start="5487" data-end="6009">In vielen Filmen gibt es diese eine Szene, in der sich die weibliche Protagonistin theatralisch die Haare absäbelt, um eine Art der Veränderung und Emanzipation anzukündigen. Diese Protagonistinnen verwandeln sich dann oft von unterdrückten Mauerblümchen in skrupellose Kämpferinnen. Selbst in Kinderfilmen wie <em data-start="5798" data-end="5805">Mulan</em> wird der Akt des Haareschneidens als Befreiungsschlag dargestellt, wobei dieser dort sogar an die Identität als Frau gekoppelt ist. Ihre langen Haare stehen symbolisch für ihre traditionelle Frauenrolle.</p>
<p data-start="6011" data-end="6358">Aber auch reale Frauen benutzen den Akt des Haareschneidens, um der Welt zu zeigen, dass sie eine Veränderung oder Emanzipation durchmachen. Berühmte Beispiele dafür sind Britney Spears, Miley Cyrus und Emma Watson. All diesen Frauen wurde gesellschaftlich ein bestimmtes Image auferlegt, welches sie durch das Haareschneiden durchbrechen wollten.</p>
<p data-start="6360" data-end="6602">Auffällig ist die Reaktion der Öffentlichkeit, die manchmal auf subtile und oft auf unverblümte Weise junge Frauen abwertet, wenn sie sich plötzlich für eine Kurzhaarfrisur entscheiden. In dem Buch <em data-start="6558" data-end="6576">Drawing the Past</em> heißt es an einer Stelle:</p>
<blockquote data-start="6604" data-end="6845">
<p data-start="6606" data-end="6845">„Long hair for women is a strong signifier for their femininity. Cutting a woman’s hair is an effective and efficient way of destroying her beauty, which is no small matter in societies that view women first and foremost as sexual beings.“</p>
</blockquote>
<p data-start="6847" data-end="7140">Ein aktuelles Beispiel für die öffentliche Abwertung einer Frau wegen ihrer Kurzhaarfrisur ist die schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann. In den sozialen Medien wurde sie gefragt, warum sie sich so verschandeln müsse, ob sie jetzt lesbisch sei, und behauptet, sie sehe jetzt aus wie ein Junge.</p>
<hr data-start="7142" data-end="7145" />
<p data-start="7147" data-end="7531">Lange Zeit benutzte man das Kahlrasieren des Kopfes, um Frauen zu bestrafen oder zu erniedrigen. Im Mittelalter wurden Frauen die Haare abgeschnitten, wenn man sie der Hexerei bezichtigte, da man den Haaren magische Kräfte nachsagte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden französischen Frauen, die man verdächtigte, Beziehungen mit deutschen Soldaten gehabt zu haben, die Haare abrasiert.</p>
<p data-start="7533" data-end="7775">Dieser Akt wird auch gerne in Film und Fernsehen verwendet – sehr prominent zum Beispiel in <em data-start="7625" data-end="7642">Game of Thrones</em>, als Cersei ihr langes blondes Haar abrasiert wird und sie nackt und kahlgeschoren einen buchstäblichen „Walk of Shame“ machen muss.</p>
<hr data-start="7777" data-end="7780" />
<p data-start="7782" data-end="8181">All diese Beispiele verdeutlichen die enorme Symbolträchtigkeit, die unseren Haaren als Frauen innewohnt. Ich glaube zwar, dass es noch etwas dauern wird, bis ich selber so weit bin und meinen Haaren ihre Bedeutung nehmen kann. Bis dahin hoffe ich aber, dass es weiterhin viele Frauen geben wird, die in diesem Prozess schon weiter sind und sich von öffentlichen Meinungen nicht kleinkriegen lassen.</p>
<p data-start="8183" data-end="8679">Zu meiner Frage, ob Feminismus und Schönheitsideale vereinbar sind, habe ich mir viele Gedanken gemacht, und eine klare, zufriedenstellende Antwort habe ich bisher nicht. Sich als Frau von seinen langen Haaren – also DEM Symbol für Weiblichkeit und Jugend – zu trennen, ist ein Akt der Rebellion und eine Abwendung von westlichen Schönheitsidealen. Aber heißt das gleichermaßen, dass man sich dem Patriarchat mit seinen strengen Schönheitsidealen unterwirft, wenn man lange Haare trägt und liebt?</p>
<p data-start="8681" data-end="8958">Selbstbestimmung und Unterwerfung liegen hier sehr nah beieinander – eine Widersprüchlichkeit, die aktuell gerne als Ambiguitätstoleranz bezeichnet wird. Letztens habe ich ein Zitat gefunden, das ich sehr passend finde und das indirekt eine Antwort auf meine Frage sein könnte:</p>
<p data-start="8960" data-end="9073"><strong data-start="8960" data-end="9073">„Mit Komplexität leben zu lernen – das ist vielleicht die größte Aufgabe demokratischer politischer Bildung.“</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine haarige Angelegenheit</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/eine-haarige-angelegenheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 09:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbehaarung]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum gilt Körperbehaarung bei Frauen noch immer als Tabu? In unserem heutigen Video spricht Laura über den gesellschaftlichen Druck, sich Beine, Achseln und Intimbereich zu rasieren und darüber, wie tief diese Erwartungen in Dating, Werbung und Alltagsbildern verankert sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum gilt Körperbehaarung bei Frauen noch immer als Tabu?</strong><br />
<strong>In unserem heutigen Video spricht Laura über den gesellschaftlichen Druck, sich Beine, Achseln und Intimbereich zu rasieren und darüber, wie tief diese Erwartungen in Dating, Werbung und Alltagsbildern verankert sind.</strong><span id="more-17301"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vielleicht ist auch eine Option</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/02/vielleicht-ist-auch-eine-option/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Phuong]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Feb 2026 09:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
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					<description><![CDATA[Nein sagen gilt als klar. Ja sagen als verbindlich. Doch was, wenn dazwischen etwas liegt? Phuong denkt Grenzen neu, zwischen Politik und Alltag, Beziehung und Selbstschutz. Über Macht, Nähe und das unterschätzte „Vielleicht“ in einer Welt, die eindeutige Antworten verlangt. Es gibt verschiedene Formen, Nein zu sagen, sagen sie. Es gibt Grenzen, die starr sind [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nein sagen gilt als klar. Ja sagen als verbindlich. Doch was, wenn dazwischen etwas liegt? Phuong denkt Grenzen neu, zwischen Politik und Alltag, Beziehung und Selbstschutz. Über Macht, Nähe und das unterschätzte „Vielleicht“ in einer Welt, die eindeutige Antworten verlangt.</strong><span id="more-17296"></span></p>
<p>Es gibt verschiedene Formen, Nein zu sagen, sagen sie. Es gibt Grenzen, die starr sind wie rassistische Migrationsmaßnahmen an den EU-Außengrenzen. Es gibt Grenzen wie: Hier darfst du nicht einreisen. Dann gibt es Grenzen, wie die, die zwischen Kleingärtnern als Holzzäune verkleidet sind, tief genug, dass Mensch auf die andere Seite komplett blicken kann. Zwar ist diese Art von Grenze eine Illusion, hat sie Wirkung und kann sogar zu Konflikten führen, wenn die unsichtbare Linie überschritten wird.</p>
<p>Meine Therapeutin sagt mir, dass unsere Grenzen verschiedene Töne, Geschmäcker und Bilder haben können, wie zum Beispiel in Form einer Wiese mit Schmetterlingen oder wie ein Stachelzaun. Dass Nein sagen und Grenzen setzen nichts Schlimmes sei und wir das lernen können.</p>
<p>Dann höre ich Eltern oft sagen: <em>„Manchmal wollen wir nicht Nein sagen, aber wir müssen, zum Wohle des Kindes. Es muss nun mal zu einer bestimmten Zeit schlafen gehen.“</em> Heißt das also, dass Grenzen per se nichts Schlimmes sind, obwohl das Kind weint und traurig ist, weil es nicht länger spielen darf?</p>
<p>Ich denke daran, wer das Recht hat, eine Grenze zu setzen und zu sagen: Bis hier und nicht weiter. Was braucht es, um so etwas sagen zu können, und wie kann man darauf vertrauen, dass Menschen diese Grenzen respektieren? Ich frage mich, was die Intention von Grenzen ist, wann sie notwendig sind und wann sie obsolet werden.</p>
<p>Und was passiert, wenn Grenzen trotzdem überschritten werden? Muss man erst zu weit gehen, um zu wissen, dass es zu weit war? Nicht jedes Nein wird gehört oder respektiert. Wer glaubt, die Welt sei kein schlimmer Ort, lebt ein zu gutes Leben ohne viele Einschränkungen.</p>
<p>Tagtäglich begegnen wir Situationen, die wir uns nicht aussuchen. Die Verkäuferin bei Aldi ist schnippisch. Der Mann in der Straßenbahn hört nicht auf, dich anzustarren. Freund*innen reden nur über ihren Liebeskummer, ohne nach dir zu fragen. Auf der Arbeit ist deine Chefin passiv-aggressiv. Menschen projizieren ständig etwas auf dich – auf dein Gender, deine Herkunft, dein Auftreten.</p>
<p>Während in den Nachrichten über humanitäre Krisen berichtet wird, setzt die Welt klare Grenzen bei Konsumentscheidungen, aber nicht bei Kriegsverbrechen. Gleichzeitig versuchen viele, People-Pleasing-Muster aufzubrechen, weil sie merken, dass sie die Bedürfnisse anderer ständig über ihre eigenen stellen.</p>
<p>Es ist schwer, die eigenen Grenzen zu erkennen, wenn man dafür bestraft, belächelt oder als zu sensibel abgestempelt wurde. Grenzen setzen kann zu Ausschluss führen. Und doch gibt es Unterschiede: Einschränkungen, die wir nicht kontrollieren können. Äußere Zwänge wie Termine. Momente, in denen wir lügen, um uns oder andere zu schützen.</p>
<p>Ein Nein kann sich wie Ablehnung anfühlen. Oft geben wir dem Wort zu viel Gewicht. Vielleicht, weil wir nie gelernt haben, es auszusprechen, ohne Schuldgefühle zu haben. Manchmal fühlt es sich sogar gefährlich an.</p>
<p>Doch es gibt viele Arten, Nein zu sagen: <em>„Ich weiß noch nicht.“</em> Später antworten. Den Raum verlassen. Die Energie nicht erwidern. Kontakt abbrechen. <em>„Stopp. Hör auf. Das reicht.“</em></p>
<p>In Beziehungen wird es noch komplizierter. Wie fühlen sich Grenzen zwischen Freund*innen und Liebenden an? Was hat das alles mit Liebe zu tun? Bedeutet Liebe, immer verfügbar zu sein? Immer ein enthusiastisches Ja?</p>
<p>Vielleicht nicht. Vielleicht sind wir mehr als Ja oder Nein. Vielleicht sind wir auch ein Zögern, ein Unsichersein, ein Noch-nicht. Manchmal braucht es andere Worte. Manchmal Zeit. Manchmal den Mut, den Zwischenraum auszuhalten.</p>
<p>Grenzen zu haben heißt nicht, weniger zu lieben. Es heißt, ehrlich zu sich selbst und zu anderen zu sein. Zu wissen, wann wir Ja meinen, wann Nein – und wann wir einfach noch keine Antwort haben.</p>
<p>Zwischen dem Ja, das Nähe sucht, und dem Nein, das Nähe ermöglicht, liegt vielleicht ein Raum, in dem wir nicht alles sofort wissen müssen.</p>
<p><strong>Vielleicht ist das genug. Für jetzt.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was ist schön?</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/01/was-ist-schoen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 13:02:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheitsideale]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem neuen Video reflektiert Lilith, welche Körperbilder heute als ideal gelten, wie sie sich weltweit unterscheiden und welche Rolle Medien und Social Media dabei spielen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In ihrem neuen Video reflektiert Lilith, welche Körperbilder heute als ideal gelten, wie sie sich weltweit unterscheiden und welche Rolle Medien und Social Media dabei spielen.</strong><span id="more-17292"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tanzen</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/01/tanzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 12:38:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[tanzen]]></category>
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					<description><![CDATA[Laute Musik, Neonlicht, verschwitzte Körper und dabei tanzen, ohne perfekt zu sein. Sophie schreibt über die Unsicherheit im Club, Freundschaft im Gedränge und das gute Gefühl, sich einfach fallen lassen zu können. Wenn ich im Club bin, fühle ich mich meist ein wenig ungestüm. Irgendwie bewegt sich mein Körper nicht so, wie ich will, und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Laute Musik, Neonlicht, verschwitzte Körper und dabei tanzen, ohne perfekt zu sein. Sophie schreibt über die Unsicherheit im Club, Freundschaft im Gedränge und das gute Gefühl, sich einfach fallen lassen zu können.<span id="more-17288"></span></strong></p>
<p>Wenn ich im Club bin, fühle ich mich meist ein wenig ungestüm. Irgendwie bewegt sich mein Körper nicht so, wie ich will, und ich frage mich, wie sehr man mir das ansieht. Dann frage ich mich, warum mir das so wichtig ist. Vielleicht, weil man als weiblich sozialisierte Person so früh lernt, wie man angeblich sein sollte – charakterlich sowie körperlich. Wie soll mein Körper aussehen? Wie soll er sich bewegen, lächeln, auf andere wirken?</p>
<p>Man muss nicht alles können und über alles Kontrolle haben, man muss nur eine gute Zeit haben, sagst du. Ich denke nur, wie gut du mich kennen musst, um das Passende sagen zu können.</p>
<p><span data-contrast="auto">Wir kennen uns</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p>Wir kennen uns so lange und gut, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt, dich nicht in meinem Unterbewusstsein bei mir zu haben.</p>
<p>Du gehörst mit dazu. Mit zu meinen schönsten Momenten, mit zu meinen schlimmsten Momenten.</p>
<p>Du kommst mit mir mit, egal wohin ich gehe. So, als wäre mein Dasein immer mit einem Echo des deinigen verbunden.</p>
<p>Manche Menschen kommen und gehen, und das ist okay. Du bist trotzdem da.</p>
<p>Du hast mir eine meiner Lieblingsbands gezeigt, ich dir eine deiner Lieblingsserien. Ich habe dir gezeigt, wie man einen Eyeliner zieht, du mir, wie man seine eigenen Klamotten näht. Du hast mich zu meinen ersten Konzerten und zum CSD mitgenommen, ich dich mit in den Familienurlaub. Irgendwann bin ich in deine Stadt gezogen.</p>
<p>Du erzählst mir von deinen Lieblingsbüchern, ich dir von meinen Lieblingsliedern. Du versuchst mich zu überzeugen, dass Sommerrollen das beste Gericht sind, ich dich, dass Reispfannen definitiv besser sind.</p>
<p>Wir lachen über die alten Witze und über die neuen. Die Themen sind nicht mehr die von früher, aber das ist egal. Wir sind miteinander erwachsen geworden.</p>
<p>Ich weiß sicher nicht, was in der Zukunft passieren wird und wo wir einmal sein werden, aber ich weiß, dass du irgendwie dabei sein wirst. Das bringt mich dazu, dass ich guten Gewissens über meinen unrhythmischen Move zum aktuellen Song hinwegsehen kann.</p>
<p>Jetzt stehen wir hier. Ein Lied unserer ersten gemeinsamen Lieblingsband schallt übersteuert aus den Boxen. Und wir tanzen.</p>
<p>;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Körper ist ein Schutzschild</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/01/mein-koerper-ist-ein-schutzschild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michelle]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jan 2026 09:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Schutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mtg.rokzog.xyz/?p=17282</guid>

					<description><![CDATA[Er trägt Spuren, Narben und Unsicherheiten und steht trotzdem jeden Tag da. Michelle schreibt über Selbstschutz, Selbstannahme und die Frage, warum Körper nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein. Mein Körper ist ein Schutzschild. Aber müssen Schutzschilde immer glänzen? Dürfen sie nicht die Spuren vergangener Schlachten tragen? Jede Narbe eine Erinnerung, jeder Makel eine [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er trägt Spuren, Narben und Unsicherheiten und steht trotzdem jeden Tag da. Michelle schreibt über Selbstschutz, Selbstannahme und die Frage, warum Körper nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein.<span id="more-17282"></span></p>
<p><strong>Mein Körper ist ein Schutzschild.</strong><br />
Aber müssen Schutzschilde immer glänzen? Dürfen sie nicht die Spuren vergangener Schlachten tragen? Jede Narbe eine Erinnerung, jeder Makel eine Besonderheit.</p>
<p><strong>Mein Körper ist ein Schutzschild.</strong><br />
Doch verdient er nicht auch Schutz? Schutz vor der Sonne, Schutz vor Verletzungen und Schutz vor Blicken und den Urteilen anderer. Anderer, die gar nicht wissen, welche Schlachten er schon geschlagen und überstanden hat.</p>
<p><strong>Mein Körper ist ein Schutzschild.</strong><br />
Und er verdient Liebe. Vor allem von mir selbst. Ich, die ich jeden Tag in ihm herumlaufe. Ich, die ihn manchmal mit Liebe, manchmal mit Unsicherheit ansehe und mich immer wieder frage, wie ich ihn noch optimieren kann. Doch vielleicht muss er gar nicht perfekt sein. Vielleicht ist er gut so, wie er ist.</p>
<p><strong>Mein Körper ist mein Schutzschild.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alleine in der Deutschen Bahn</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/01/alleine-in-der-deutschen-bahn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lino]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jan 2026 10:29:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mtg.rokzog.xyz/?p=17278</guid>

					<description><![CDATA[Alleine unterwegs, mitten im Chaos der Deutschen Bahn: Lino erzählt von seiner Reise voller Verspätungen, Unsicherheit und Durchhalten. Zwischen Zugausfällen und endlosem Warten greift er zum Handy, ruft seine Mutter an und stellt damit leise die Frage, was „alleine klarkommen“ eigentlich bedeutet. Wie ist es, alleine mit der Deutschen Bahn zu fahren? Und welche Hindernisse [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Alleine unterwegs, mitten im Chaos der Deutschen Bahn: Lino erzählt von seiner Reise voller Verspätungen, Unsicherheit und Durchhalten. Zwischen Zugausfällen und endlosem Warten greift er zum Handy, ruft seine Mutter an und stellt damit leise die Frage, was „alleine klarkommen“ eigentlich bedeutet.</strong><span id="more-17278"></span></p>
<p>Wie ist es, alleine mit der Deutschen Bahn zu fahren? Und welche Hindernisse können einem einen Strich durch die Rechnung ziehen? Diese und noch mehr Fragen will ich heute beantworten.</p>
<p>Ich erzähle wieder aus meiner eigenen Erfahrung, die in den Hamburger Herbstferien passiert ist.<br />
Eigentlich wollte ich nur zu meinem Freund nach Rheinland-Pfalz fahren, um entspannte Ferien zu haben. Doch dann passierte Folgendes …</p>
<p>Ich bin am Hamburger Hbf in einen ICE gestiegen.<br />
Eigentlich sollte dieser nach Mainz fahren, was auch meine Station sein sollte …<br />
Doch nach vier Stunden Zugfahrt ist dieser im Koblenzer Hbf stehen geblieben.</p>
<p>Die erste Durchsage lautete:<br />
„Also, liebe Passagiere, ich weiß nicht, wie lange wir hier noch stehen bleiben, da ein Steuerelement unsere Strecke blockiert, aber ich werde alles dafür tun, Sie rechtzeitig informieren zu können.“</p>
<p>Mir war übrigens klar, dass irgendwas passiert – ist halt die DB …</p>
<p>Ich hatte auf Informationen vom Zugfahrer gewartet.<br />
Doch es kamen keine.</p>
<p>Ich habe mich letztendlich dazu entschlossen auszusteigen und in eine RB umzusteigen.<br />
Dieser Zug war aber auch gut gefüllt, mit Leuten, die mit mir zusammen nach Mainz mussten.<br />
Egal wie – Hauptsache nach Mainz.</p>
<p>Ich saß neben einer Tür auf meinem Koffer und habe hin und her mit meiner Mutter und meinem Freund telefoniert und gewartet, dass der Zug losfahren würde.<br />
Und gewartet …<br />
10 Minuten,<br />
30 Minuten,<br />
1 Stunde …</p>
<p>Irgendwann gab es dann endlich eine Durchsage.<br />
Sie vermittelte uns, dass der Zug nicht wie geplant nach Mainz fährt, sondern zurück nach Köln.</p>
<p>Oh nein …</p>
<p>Ich habe mich aufgeregt, meine Mutter am Telefon verzweifelt angebettelt, mir zu helfen, und innerlich wäre ich ohne Beruhigung komplett ausgeflippt.</p>
<p>Jetzt hieß es also: durchatmen.</p>
<p>Ich habe nach allen möglichen Verbindungen geschaut – alles, egal was. Ich wollte nur nach Mainz und dann mit einem RE in ein kleines Dörfchen kommen.</p>
<p>Schließlich hatte ich wieder eine RB gefunden.<br />
Genau dieselbe Bahn, nur auf einem anderen Gleis.<br />
Ich konnte nichts anderes machen, außer dorthin umzusteigen.</p>
<p>Dieser Zug war extrem voll, so voll, wie ich einen Zug noch nie erlebt habe.</p>
<p>Und dann kam auch schon die nächste Durchsage:<br />
„Guten Abend, liebe Passagiere. Heute haben wir es mit einem Spezialfall zu tun. Ich bin diese Strecke hier noch nie gefahren, aber ich werde mein Bestes geben. Wir befinden uns in folgender Situation: Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder fahren wir gar nicht los und dieser Zug fährt wieder in die andere Richtung zurück, oder wir fahren durch nach Mainz, aber dafür ohne Zwischenstopps. Ich werde Sie informieren, sobald ich es weiß.“</p>
<p>Dann vergingen etwa 20 Minuten, bis wir erfahren durften, dass der Zug zum Glück durchfährt.<br />
Endlich! Nach Mainz …</p>
<p>Wir fuhren zwar endlich nach langem Hin und Her nach Mainz, aber trotzdem hat die Fahrt circa zwei Stunden gedauert.</p>
<p>In Mainz habe ich dann noch einmal auf die RB gewartet, die aber zum Glück „nur“ mit 15 Minuten Verspätung eintraf.</p>
<p>Ich durfte noch ein gefühltes 3000. Mal in ein Dorf fahren, das an der saarländischen Grenze lag.</p>
<p>Mit fünf Stunden Verspätung traf ich dann anstatt um 19:30 Uhr erst um 00:30 Uhr in dem Dorf ein.</p>
<p>Das war meine stressige Reise.<br />
Ich hoffe, dass es einigermaßen angenehmer war, die Story zu lesen, als selbst dabei zu sein.</p>
<p>Bis ganz bald 🙂</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Stoff und Stimme</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/01/zwischen-stoff-und-stimme/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Luisa Galli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 09:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kleidung]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Stimme]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit 15 leitet Luisa ihre ersten Sitzungen und merkt schnell: Bevor Frauen gehört werden, werden sie gesehen. Ein Text über Kleidung, Macht und warum Sichtbarkeit in der Politik nie neutral ist. Ich erinnere mich noch gut an die ersten politischen Sitzungen, die ich leitete als Vorsitzende. Doch die prägendste musste wohl im Sommer 2023 gewesen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit 15 leitet Luisa ihre ersten Sitzungen und merkt schnell: Bevor Frauen gehört werden, werden sie gesehen. Ein Text über Kleidung, Macht und warum Sichtbarkeit in der Politik nie neutral ist.<span id="more-17272"></span></strong></p>
<p>Ich erinnere mich noch gut an die ersten politischen Sitzungen, die ich leitete als Vorsitzende. Doch die prägendste musste wohl im Sommer 2023 gewesen sein. Fünfzehn Jahre alt war ich an diesem Nachmittag und hatte vorher alles vorbereitet. Ich trug dabei eine knallpinke Hose, ein bauchfreies Top, Wimperntusche. Für mich war das kein großes Statement, sondern einfach ich. Doch das sahen viele anders. Als nach und nach die ersten Gäste den Raum betraten, war das Erste, was im Raum ankam, nicht mein Wort, sondern mein Körper. Manche lächelten irritiert, andere schauten weg. Und ich fragte mich einfach nur: but why?</p>
<p>An diesem Abend verstand ich jedoch etwas, das mich bis heute begleitet und schmerzt. Nämlich, dass Kleidung für Frauen in der Politik nie nur Kleidung ist, sondern Projektionsfläche für alle anderen. An dieser Stelle könnte man mir entgegenhalten, dass dies bei allen Menschen geschieht. Und ich würde sogar sagen: yes! Alle Menschen werden gesehen, bevor sie gehört werden, aber bei Frauen ist dieses Sehen nie neutral. Ihre Kompetenz bleibt an ihren Körper gebunden. Und dieses Muster ist kein Zufall, sondern ein historisches Erbe.</p>
<p>Über Jahrhunderte galt die öffentliche Rede als männliches Privileg. Schon der Philosoph Aristoteles schrieb: „Frauen haben zwar das Vermögen zur Überlegung (bouleutikon), aber ohne Autorität (akyros).“ Der männliche Körper stand seit der Antike für Vernunft, der weibliche für Irrationalität. Auch in der Aufklärung wurde diese Geschlechtergrenze nur selten infrage gestellt. Der französische Philosoph Rousseau betonte in seiner Pädagogik, dass Frauen lernen sollten, Männern zu gefallen und sich ihnen unterzuordnen.</p>
<p>Dieses Muster zog sich über Jahrhunderte, bis ein Umdenken stattfand. Doch auch nach 1949 passten sich viele Politikerinnen in Deutschland den vorherrschenden männlichen Normen an, um akzeptierter zu werden. Zwar setzte Elisabeth Selbert als eine der vier Mütter des Grundgesetzes mit dem Gleichberechtigungsgebot einen entscheidenden Meilenstein, doch das gesellschaftliche Rollenverständnis blieb träge. Viele Politikerinnen jener Zeit orientierten sich bewusst an männlichen Konventionen, um ernst genommen zu werden. Die große Frage war: Anpassung mit Ohnmacht oder Selbstbestimmung mit Konsequenzen.</p>
<p>Ich für mich habe irgendwann aufgehört, diesen Widerspruch zu bekämpfen. Stattdessen versuche ich, ihn zu nutzen. Wenn ich heute zu einer Sitzung gehe, teile ich mein Outfit auf Instagram, weil es Teil meiner Sprache ist. Ich mag meine Adidas-Joggi, ich mag jede Kollegin, die selbstbestimmt durch das Rathaus zieht, und ich mag, wenn wir unsere Subjekthaftigkeit ausleben.</p>
<p>Für mich bedeutet ein gleichberechtigter Blick auf Politik nicht nur, dieselben Ämter zu besetzen, sondern sich darin auch zeigen zu dürfen, wie frau möchte.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Körperliebe</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2026/01/mein-koerper/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eileen Ahland]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Jan 2026 09:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser Körper wird betrachtet, bewertet, vermessen. Als Objekt, als Projektionsfläche, als etwas, das gefallen soll. in ihrem neuen Text widerspricht Eileen und erzählt stattdessen von Selbstbestimmung, von Brüchen mit Schönheitsidealen und vom Recht, den eigenen Körper nicht erklären zu müssen. Mein Körper Als Kunstausstellung Kunst liegt im Auge des Betrachters doch die Augen zielen auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unser Körper wird betrachtet, bewertet, vermessen. Als Objekt, als Projektionsfläche, als etwas, das gefallen soll. in ihrem neuen Text widerspricht Eileen und erzählt stattdessen von Selbstbestimmung, von Brüchen mit Schönheitsidealen und vom Recht, den eigenen Körper nicht erklären zu müssen.<span id="more-17265"></span></p>
<p>Mein Körper<br />
Als Kunstausstellung<br />
Kunst liegt<br />
im Auge des Betrachters<br />
doch die Augen zielen auf<br />
Makellosigkeit<br />
Attraktivität<br />
und Erotik</p>
<p>Der Körper als Objekt<br />
als Zielscheibe für<br />
(Ab-)Wertungen</p>
<p>Ihr habt kein Recht<br />
mir aufzuerlegen<br />
wie <strong>ICH</strong> mich kleiden soll<br />
wie <strong>ICH</strong> auszusehen habe<br />
wie <strong>MEIN</strong> Körper zu sein hat<br />
der <strong>MICH</strong> Tag für Tag<br />
durch <strong>MEIN</strong> Leben trägt</p>
<p>Das Problem bin nicht ich<br />
sondern die Gesellschaft<br />
mit ihren zerstörerischen<br />
Schönheitsidealen</p>
<p>Schlank<br />
aber bitte nicht zu dünn<br />
Sexy<br />
aber bitte nicht zu bitchig<br />
Attraktiv<br />
aber bitte ohne Körperbehaarung</p>
<p>Lieber bin ich so<br />
wie es mir gefällt<br />
mal mit fettigen Haaren<br />
dem ein oder anderen Pickel<br />
mit unrasierten Achseln und Beinen<br />
Jogginghose und Kapuzenpulli<br />
als früher oder später<br />
am Ideal kaputt zu gehen</p>
<p>Ich lasse mich tätowieren<br />
liebe weite Kleidung<br />
trage heute Nagellack<br />
und morgen keinen<br />
esse, was mir schmeckt<br />
schminke mich an einem Tag<br />
am nächsten Tag wieder nicht<br />
habe heute mal die Haarfarbe<br />
und morgen eine andere</p>
<p>Renne keinem Trend hinterher<br />
möchte mich wohlfühlen in meiner Haut<br />
mir stets treu bleiben<br />
und aufrichtig lächeln<br />
wenn ich in den Spiegel schaue<br />
nicht aufgesetzt und ferngesteuert<br />
der Masse hinterherlaufen<br />
mich entfremden und nicht wissen<br />
wer ich eigentlich bin</p>
<p>Ich bleibe ich<br />
ich werde kein anderer Mensch<br />
nur weil ich hin und wieder<br />
meinem Körper nach Belieben<br />
ein kleines Update verpasse<br />
auch wenn ich für euch dadurch<br />
in der Gesellschaft verblasse<br />
und nicht in euer<br />
Puzzle passe</p>
<p><strong>Mein Körper</strong><br />
ist keine Plattform für Bewertungen<br />
mein Körper ist<br />
<strong>mein Zuhause</strong></p>
<p>Mein Zuhause gehört mir<br />
und niemand außer mir<br />
darf darüber bestimmen</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ziad über Männlichkeit und Selbstreflexion</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/12/ziad-ueber-maennlichkeit-und-selbstreflexion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 09:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreflexion]]></category>
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					<description><![CDATA[In unserem neuen Video auf Durch die Blume spricht Ziad über gesellschaftliche Strukturen, die ihm als Mann oft unbewusst Privilegien verschafft haben. Er beschreibt dabei die Momente, die dazu geführt haben sein eigenes Verhalten zu hinterfragen, sich in Workshops zu kritischer Männlichkeit zu engagieren und welchen Anspruch er an sich als Mann hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>In unserem neuen Video auf Durch die Blume spricht Ziad über gesellschaftliche Strukturen, die ihm als Mann oft unbewusst Privilegien verschafft haben. Er beschreibt dabei die Momente, die dazu geführt haben sein eigenes Verhalten zu hinterfragen, sich in Workshops zu kritischer Männlichkeit zu engagieren und welchen Anspruch er an sich als Mann hat.</strong><span id="more-17259"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abtreibung als Menschenrecht – Her body her choice!</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/12/abtreibung-als-menschenrecht-her-body-her-choice/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 09:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Abtreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
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					<description><![CDATA[Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist unverhandelbar. Und zwar unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensentwurf. In ihrem neuen Text macht Sara deutlich, wie eng reproduktive Rechte mit ökonomischer Sicherheit, Care-Arbeit und patriarchalen Machtverhältnissen verknüpft sind. „Es gibt ein Frauenrecht und das ist kein Männerrecht. Das ist das Recht auf Abtreibung. Und es ist eine Unverschämtheit, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist unverhandelbar. Und zwar unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensentwurf. In ihrem neuen Text macht Sara deutlich, wie eng reproduktive Rechte mit ökonomischer Sicherheit, Care-Arbeit und patriarchalen Machtverhältnissen verknüpft sind.</strong><span id="more-17254"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Es gibt ein Frauenrecht und das ist kein Männerrecht. Das ist das Recht auf Abtreibung. Und es ist eine Unverschämtheit, dass bei allen Kundgebungen dagegen so viele Männer rumturnen. Die können sich die Situation einer ungewollten Schwangerschaft gar nicht vorstellen, deshalb müssen sie ausnahmsweise mal die Klappe halten.“</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Diese Worte habe ich letztens in einem Video von Gregor Gysi zum Wahlkampf der Linken in diesem Jahr gesehen – und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Ergänzend lässt sich hinzufügen, dass natürlich auch alle anderen Geschlechter, die gebären können, dieses Recht auf Abtreibung haben sollten.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich würde sagen, dass ich mich überwiegend in privilegierten Umfeldern aufhalte – meist studierte, weiße Menschen, die Zugang zu Bildung, sexueller Aufklärung, finanziellen Mitteln haben und damit als Cis-Frauen so frei in ihrem Denken und Handeln sind, wie man es als (überwiegend weiße) Cis-Frau in dieser Gesellschaft sein kann. Ihre Beziehungen sind überwiegend gleichberechtigt, und auch deren Partner übernehmen Aufgaben im Haushalt und schaffen zumindest das bare Minimum als Mann.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Auch mit diesen Frauen spreche ich über Themen wie Kinderkriegen, Abtreibung etc. Und es ist ziemlich eindeutig: Selbst in der Mittelschicht, die gesellschaftlich einigermaßen gut aufgestellt ist, sind Kinder ein riesiger Kostenpunkt. Abgesehen von Krippen- und Kitaplätzen, die mittlerweile sündhaft teuer sind, Schulmaterialien, Kindergeburtstagen in der Trampolinhalle und Klassenfahrten, kommen natürlich auch Verdienstausfälle durch Teilzeitarbeit hinzu.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Als Frau gibt es zwangsläufig einen Zeitraum, in dem es enorme Verdienstausfälle gibt, während gleichzeitig die Care-Arbeit und die Kosten steigen. Es gibt immer noch viele Frauen, die trotz ihres Bildungsstands und all dem, was sie sich im Beruf erarbeitet haben, dennoch zu Hause bleiben – weil die gesellschaftlichen Verhältnisse auch im Jahr 2025 ein klares Frauen- und Männerbild vorgeben, sobald ein Baby da ist.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Welche prekäre Lage für Frauen entstehen kann, wenn sie in diesem Umfang vom Alleinverdiener abhängig werden, hat viele Facetten. Die hohe Belastung durch unbezahlte Care-Arbeit ist dabei nicht der einzige Punkt – auch Lücken im Lebenslauf, die einen späteren Wiedereinstieg erschweren, oder Lücken in der Altersvorsorge, die in Zeiten der Rentenunsicherheit fatal sein können, spielen eine große Rolle.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Parallel dazu ist es vor allem bei Frauen ohne höheren Bildungsabschluss oder abgeschlossene Ausbildung/Studium oft fast unmöglich, den Partner bei Gewalttätigkeit zu verlassen. Emotionale Abhängigkeit ist ein Faktor, der es Gewaltopfern sehr erschwert, Hilfe zu suchen und die Beziehung zu beenden – finanzielle Abhängigkeit ist ein weiterer. Wenn in dieser Ausgangslage noch ein Kind dazukommt, das man vielleicht nie bekommen wollte, wird es umso schwerer, sich ohne große finanzielle Mittel ein gutes Leben für sich und das Kind aufzubauen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Dementsprechend ist Teilzeitarbeit oder gar nicht zu arbeiten ein enormes Risiko für Frauen. Gleichzeitig ist auf Social Media der Trad Wife-Trend groß, und das Alleinverdiener-/Hausfrauenmodell wird romantisiert – was an dieser Stelle völlig unangebracht ist.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Letzten Endes ist es völlig egal, in welcher Lebenssituation sich eine Frau befindet – egal, wie ihre finanziellen Mittel, ihre Herkunft, ihr Bildungsstand etc. sind: Es ist und bleibt unverhandelbar, dass jede Frau ein Recht auf ihren eigenen Körper hat und selbst entscheiden darf, was mit diesem Körper passiert – und was sie möchte und nicht möchte.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Geburten bergen Risiken – neben den oben genannten auch physischen Verletzungen oder sogar den Tod. Dass diese Entscheidung jede Frau selbst treffen darf und muss, sollte im Jahr 2025 selbstverständlich sein.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">In diesem Sinne: My body, my choice!</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Körperliche Selbstbestimmung und Schwangerschaftsabbrüche</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/12/koerperliche-selbstbestimmung-und-schwangerschaftsabbrueche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 16:01:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mtg.rokzog.xyz/?p=17250</guid>

					<description><![CDATA[In diesem Video spricht Romy über Selbstbestimmung und warum die weiblicher Körper weiterhin zentrales Element feministischer Bewegungen ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In diesem Video spricht Romy über Selbstbestimmung und warum die weiblicher Körper weiterhin zentrales Element feministischer Bewegungen ist.</strong><span id="more-17250"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Körper unter Kontrolle</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/12/koerper-unter-kontrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 10:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mtg.rokzog.xyz/?p=17244</guid>

					<description><![CDATA[Unsere Körper sind längst keine privaten Räume mehr. Sie werden geformt, bewertet und verkauft. In einer Welt, die Lust standardisiert und Intimität normiert, geraten wir schnell in einen inneren Konflikt zwischen Anpassungsdruck, Scham und dem Wunsch nach echter Nähe. Der Körper ist per se kein neutrales Territorium; er wird zur Projektionsfläche, zur Ware und zum [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Körper sind längst keine privaten Räume mehr. Sie werden geformt, bewertet und verkauft. In einer Welt, die Lust standardisiert und Intimität normiert, geraten wir schnell in einen inneren Konflikt zwischen Anpassungsdruck, Scham und dem Wunsch nach echter Nähe.</strong><span id="more-17244"></span></p>
<p>Der Körper ist per se kein neutrales Territorium; er wird zur Projektionsfläche, zur Ware und zum Symbol. Vor allem in unserer medienreichen Gesellschaft – explizit mit kommerziellem und pornografischem Blick – wird der Körper ständig produziert und reproduziert. Sei es in Bildern, Videos, Erwartungen oder Bewertungen. So banal es klingen mag: Der Körper ist nicht nur ein fleischiges Stück, von Haut überzogen, sondern ein durch Medien, Macht und Moral geformtes Konstrukt.</p>
<p>Ich kann mich an meine Sozialisation erinnern, in der ich gelernt habe, wie der Körper zu sein hat: glatte Haut, sichtbare Muskeln, Kurven an den „richtigen“ Stellen – intersektional betrachtet auch in Bezug auf westliche Ideale: glatte, helle Haare, gebräunte Haut, Sommersprossen. Solche Vorstellungen werden normalisiert und als selbstverständlich wahrgenommen. Wir internalisieren sie und streben ihnen nach. Dabei steckt eine lange Geschichte von Rassismen, Sexualisierungen und Idealen dahinter, geprägt durch Marketing, Kirche und Medien. Vor allem in der Moderne spielt die Pornoindustrie eine gravierende Rolle: Sie standardisiert Lust, wodurch der Körper auf Funktion und Verwertbarkeit reduziert wird.</p>
<p>Mit dem pornografischen Blick wird der Körper von der Person selbst getrennt. Dadurch entsteht kein Raum für Unsicherheit, Zärtlichkeit oder Unausgesprochenes. Stattdessen definiert sich Sexualität über Leistung, über banale Sichtbarkeit und über den Orgasmus als Ziel. Der Körper wird hierbei zu einem Produkt, Sex zu einer Handlung, und Intimität wird fiktionalisiert. Problematisch wird dies, weil Pornografie für viele die einzige Quelle sexueller Bildung bleibt – in einer Gesellschaft, in der Intimität tabuisiert wird.</p>
<p>Darüber hinaus ist die Pornoindustrie sehr binär und heteronormativ geprägt. Sie stellt klare Kategorien und eindeutige Geschlechterrollen her. Wer sich dazwischen, außerhalb oder jenseits dieser Normen bewegt, bleibt unsichtbar oder wird als Sparte für Fetischisierung und Exotisierung dargestellt. Dadurch ist für viele queere Menschen das Verhältnis zum eigenen Körper doppelt gebrochen: durch gesellschaftliche Marginalisierung und durch internalisierten Anpassungsdruck. Selbst im Begehren versuchen wir zu verstehen, ob wir „richtig“ sind. Der Körper wird dadurch weiter zu einem Ort des Konflikts – geprägt von Spannungsfeldern zwischen Sichtbarkeit und Selbstschutz, Begehren und Angst, Scham und Befreiung.</p>
<p>Deshalb ist es wichtig, Sexualität individuell zu definieren – jenseits von Normen und Rollenerwartungen. Sie sollte ein Prozess der Selbstermächtigung sein. Nicht Erwartungen sollten erfüllt werden, sondern eigene Grenzen, Wünsche und Unsicherheiten zugelassen werden.</p>
<p>Ich für meinen Teil habe bemerkt, dass Sex und Intimität dort beginnen, wo auch meine sexuelle und körperliche Scham beginnt. Scham ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal von Verletzbarkeit und vielleicht sogar von Offenbarung. Somit beginnt Sex für mich nicht bei performativer Reproduktion, sondern in dem Moment, in dem ich mich zeige, ohne mich zu verstecken. Dort, wo mein Körper nicht mehr Abbild einer Norm ist, sondern Ausdruck eines Gefühls, eines Kontakts und einer Unsicherheit.</p>
<p>Der Körper bleibt weiterhin vielfältig, ambivalent und politisch. Er existiert in vielen Formen: in Begegnungen, in Gesprächen und in wahrnehmenden, nicht konsumierenden, Blicken. Und vielleicht begreifen wir, dass Intimität genau dann beginnt, wenn wir aufhören, „richtig“ sein zu wollen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Körper im Widerstand</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/12/koerper-im-widerstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mtg.rokzog.xyz/?p=17239</guid>

					<description><![CDATA[Unsere Körper sollen privat sein und sind doch gesellschaftlichem Druck, herrschende Machtstrukturen und, im schlimmsten Fall, Gewalt ausgesetzt. Carlotta beschreibt anhand drei feministischer Protestbewegungen, wie körperlicher Protest Machtverhältnisse herausfordert und Sichtbarkeit schafft. Von Kindheit an wird uns beigebracht, dass unser Körper etwas ganz Persönliches ist. Er gehört nur uns und deshalb sollten auch nur wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Körper sollen privat sein und sind doch gesellschaftlichem Druck, herrschende Machtstrukturen und, im schlimmsten Fall, Gewalt ausgesetzt. Carlotta beschreibt anhand d<span data-contrast="auto">rei feministischer Protestbewegungen</span>, wie körperlicher Protest Machtverhältnisse herausfordert und Sichtbarkeit schafft. </strong><span id="more-17239"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Von Kindheit an wird uns beigebracht, dass unser Körper etwas ganz Persönliches ist. Er gehört nur uns und deshalb sollten auch nur wir darüber entscheiden können. Wie wir damit umgehen und wer damit in Kontakt kommt, sollte ganz uns überlassen sein. Leider ist dies ein Ideal, welches in unserer Gesellschaft nicht für alle eine Realität ist. Viel zu häufig bekommt man mit, wie Menschen aufgrund des „Andersseins“ ihrer Körper nicht respektiert, diskriminiert oder – im schlimmsten Fall – sogar misshandelt werden. Wie der Körper doch nur ein Objekt darstellt, ein Spielzeug derer, die in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz oben stehen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Was mich immer fasziniert hat ist, wie Menschen ihre Körper einsetzen, um eben gegen diese Machtstrukturen anzukämpfen. In welcher Weise sie ihren Körper als Widerstand gegen die Missstände, die sie unterdrücken, einsetzen. Spätestens seit den „Klimaklebern“ sollten viele schon mal davon gehört haben. Das waren diese unverschämten Klimaaktivist*innen, die sich aus Protest gegen unzureichende Klimapolitik mit ihrem Körper – meist durch Festkleben auf Straßen oder Objekten – physisch an den öffentlichen Raum binden, um Aufmerksamkeit und politischen Druck zu erzeugen. Der Albtraum der städtischen SUV Fahrer*innen und vorstädtischen Pendler*innen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Diesen Einsatz von Körpern als Protest gibt es nicht nur in der Klimapolitik, auch feministische Bewegungen setzten bewusst ihre Körper ein, um Aufmerksamkeit oder politisches Umdenken zu erwirken. In der heutigen Zeit wird der weibliche* Körper ständig politisiert, es ist quasi unmöglich als Frau* frei über seinen Körper selbstbestimmen zu können. Dass Abtreibung in Deutschland zwar straffrei aber faktisch immer noch illegal ist, ist nur eines der Beispiele für diesen Zustand. Umso mehr ist es wichtig, diese Zustände zu beleuchten und zu kritisieren und der Einsatz von Körpern schafft dies besonders gut. Je größer die Aufmerksamkeit, desto größer der politische Druck, richtig?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Drei feministische Protestbewegungen der letzten Jahre haben mich in ihrer Art den Körper im Zuge des Protests zu inszenieren, besonders beeindruckt: FEMEN, Ni Una Menos und die Free Bleeding Bewegung. Die ein oder andere dieser Bewegungen hat medial schon einige Aufmerksamkeit erhalten, trotzdem möchte ich sie im Zuge ihrer Sichtbarkeit hier kurz vorstellen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto"><a href="https://femen.org/about-us/">FEMEN</a> ist eine internationale Protestbewegung mit Ursprung in der Ukraine. Im Zuge des Protests gegen die patriarchale Unterdrückung, Objektifizierung und Ausbeutung weiblicher* Körper treten die Aktivist*innen oberkörperfrei, mit auf ihre Brust geschriebenen politischen Slogans und Blumenkranz auf dem Kopf auf. Ihr selbstbenannter „Sextremismus“ richtet sich gegen Sexismus, religiöse Unterdrückung und autoritäre Politik und ihre provokanten Aktionen erzeugen </span><span data-contrast="auto">hohe mediale Aufmerksamkeit</span><span data-contrast="auto"> für feministische Themen. Der weibliche Körper wird als </span><span data-contrast="auto">politisches Werkzeug</span><span data-contrast="auto"> genutzt, leider ist dies nicht immer politisch sensibel oder inklusiv. Oft wird die Organisation für ihre fehlende Sensibilität für unterschiedliche feministische Kontexte (z.B. queere, nicht-binäre oder nicht-europäische/weiß-feministische Ansätze) kritisiert. </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Eine weitere Bewegung, die den weiblichen* Körper und seine Eigenschaften sichtbar macht, ist die <a href="https://helloclue.com/articles/culture/whats-all-fuss-about-free-bleeding-why-does-it-matter">Free Bleeding-Bewegung</a>. Aus Protest gegen die Tabuisierung der Menstruation lassen Frauen ihre Periode frei fließen, ohne jegliche Art von Menstruationsprodukten. Einen Höhepunkt dieser Bewegung stellte die amerikanische Musikproduzentin und Schlagzeugerin Kiran Gandhi dar, als sie 2015 den London Marathon lief, ohne Menstruationsprodukte zu verwenden. Die Fotos ihrer blutdurchtränkten Leggings wurden Viral und erzeugten große mediale Aufmerksamkeit. Die Bewegung soll auf allgegenwärtig präsenten Periodenscham aufmerksam machen, sowie einen weltweit fehlenden Zugang zu Menstruationsprodukten. Die Menstruation ist ein natürlicher Körpervorgang, der in unserer patriarchalen Gesellschaft stigmatisiert wird während gleichzeitig aus dem Verkauf weiblicher Hygieneprodukte ein Profit geschlagen wird. Der Protest ist dabei überwiegend symbolisch, ohne einen wirklichen Vorschlag für strukturelle oder politische Veränderungen. </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein drittes Beispiel, wo Körper Widerstand leisten, sind die „<a href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/femizid-2023/519674/ni-una-menos/">Ni Una Menos</a>“-Proteste mit ihrem Ursprung 2015 in Argentinien. „Nicht eine weniger“ bedeutet der Slogan übersetzt und fordert, dass keine Frau* mehr aufgrund geschlechtsspezifischer Gewalt sterben soll. Die Demonstrationen gegen Femizide breiteten sich schnell in Lateinamerika und dem Rest der Welt aus, in Form von Flashmobs, Performances oder Slogans auf Körpern und Kleidung sowie Schweigemärschen. Die Frauen* nutzen ihre </span><span data-contrast="auto">körperliche Präsenz</span><span data-contrast="auto"> im öffentlichen Raum als Ausdruck von Solidarität und Widerstand, um Opfern von Gewalt eine Stimme zu verleihen und politische sowie juristische Konsequenzen einzufordern.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Alle drei Protestbewegungen nutzen die Präsenz, Inszenierung oder natürlichen Prozesse des Körpers, um gegen die Unterdrückung von Frauen*körpern im Patriarchat anzukämpfen. Sie zeigen, dass der Körper selbst ein politischer Raum ist – ein Ort, an dem Macht, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung verhandelt werden. Mich fasziniert vor allem wie der Körper zu seiner Selbstermächtigung genutzt werden kann, in einer Welt, in der er lediglich aufgrund seiner Existenz politisiert wird. Gleichzeitig bleibt fraglich, ob körperliche Protestformen langfristig politische Veränderungen anstoßen können – oder ob sie, vor allem durch die Sozialen Medien, bloß als provokante Bilder konsumiert werden.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Spieglein, Spieglein in der Hand</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/12/spieglein-spieglein-in-der-hand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marv]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2025 09:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
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					<description><![CDATA[Marv wagt einen poetischen Blick auf das, was wir Schönheit nennen und das, was wir wirklich sind.Dieses Spoken-Word-Stück lädt dazu ein, den eigenen Spiegel mit neuen Augen zu sehen: warm, ehrlich und frei von Perfektionsdruck. Ein Moment der Ruhe, der daran erinnert, wie wertvoll es ist, sich selbst zu erkennen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Marv wagt einen poetischen Blick auf das, was wir Schönheit nennen und das, was wir wirklich sind.</strong><br data-start="1388" data-end="1391" /><strong>Dieses Spoken-Word-Stück lädt dazu ein, den eigenen Spiegel mit neuen Augen zu sehen: warm, ehrlich und frei von Perfektionsdruck. Ein Moment der Ruhe, der daran erinnert, wie wertvoll es ist, sich selbst zu erkennen.</strong><span id="more-17234"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Selbstliebe durchgespielt?</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/11/selbstliebe-durchgespielt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir wachsen mit Erwartungen auf, die bestimmen sollen, wie wir auszusehen und zu sein haben. Diese Bilder formen unser Denken so früh, dass wir sie oft für unsere eigenen halten. Sophia beschreibt, wie internalisierte Misogynie wirkt, warum sie so schwer zu durchbrechen ist und wie wir lernen können, zwischen auferlegten Rollen und unserem wirklichen Selbst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir wachsen mit Erwartungen auf, die bestimmen sollen, wie wir auszusehen und zu sein haben. Diese Bilder formen unser Denken so früh, dass wir sie oft für unsere eigenen halten. Sophia beschreibt, wie internalisierte Misogynie wirkt, warum sie so schwer zu durchbrechen ist und wie wir lernen können, zwischen auferlegten Rollen und unserem wirklichen Selbst zu unterscheiden.</strong><span id="more-17225"></span></p>
<p>Sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, ist für die meisten schwierig. Man wird zwar nicht<br />
mit einer Abneigung gegen sich selbst geboren, doch die Welt trimmt einen relativ schnell<br />
darauf, vermeintliche Fehler zu entdecken. Hier zu viel, da zu wenig. Mehr Haare hier, bitte<br />
gar keine da.<br />
Viele von uns haben wahrscheinlich einen harten Weg hinter uns, um unseren Körper<br />
zumindest als neutrales Instrument, das uns durchs Leben bringt, anzusehen.<br />
Wer sich selbst sogar als ganz gut befindet – wow.<br />
Ich dachte diesen langen Weg endlich hinter mich gebracht zu haben und am grandiosen<br />
Finale angekommen zu sein: Ich finde mich selbst nicht mehr scheiße.<br />
Was ein epischer Win. Es hat zwar keiner geklatscht, aber es wäre passend gewesen.<br />
Ich habe mich sicherlich nie für die Krone der Schöpfung gehalten, aber bin ungeschminkt<br />
vor die Tür, habe gewagte Outfits getragen und mich nicht dafür gejuckt, was andere über<br />
mich denken.<br />
Doch nur kurze Zeit nach meinem Trumpf passierte das, womit ich nicht gerechnet hatte.<br />
Obwohl es jeden Tag zu jeder Zeit passiert, hatte ich die Möglichkeit nicht mal in Erwägung<br />
gezogen. Der Körper, den ich nach langer Zeit endlich mögen konnte – verändert sich<br />
plötzlich.<br />
Das Gesicht, mit dem ich endlich kein Problem mehr hatte entwickelt die ersten bleibenden<br />
Falten. Die Make-Up Skills, mit denen ich zufrieden bin, funktionieren nicht mehr mit meinen<br />
Features. Meinen Augenlidern werden langsam schlaff, die jahrelang antrainierte EyelinerTechnik ist plötzlich nutzlos.<br />
Meine Beine bekommen Dellen, das erste Haar wird grau und ich stehe gefühlt wieder ganz<br />
am Anfang. Plötzlich bin ich wieder 15 und frage mich, wann ich endlich meinen ersten BH<br />
ohne Extra-Füllung kaufen kann (ich werde nie über ein A-Körbchen hinweg wachsen), wann<br />
meine Pickel endlich weggehen (das frage ich mich mit 27 noch immer), und ob ich mit<br />
meinen Fettarmen überhaupt was Ärmelloses anziehen darf.<br />
Das ist nicht mehr der Körper, den ich mit Samthandschuhen angefasst und gutgeheißen<br />
habe. Dieser Körper wirkt mir auf einmal irgendwie fremd.<br />
Dabei ist diese Self-Love-Devise so viel einfacher für mich zu umzusetzen als für andere.<br />
Ich bin überwiegend normschön, weiß und relativ dünn. Ich habe keinerlei Behinderungen<br />
und trage weder Zahnspange noch Brille. Am Ende des Tages spüre ich von den absurden<br />
Beauty-Standards weniger als viele andere Frauen. Ich bin mega privilegiert und das ist mir<br />
bewusst. Doch hilft es nichts, denn wenn man zu einem Teil dem entspricht, was man<br />
gefälligst sein soll, dann macht der fehlende Teil trotzdem Druck. Und der tut weh.<br />
Genau dieser Druck gefällt der Industrie supergut &#8211; nicht nur der Schönheitsindustrie. Denn<br />
wenn man Hyaluron Fillern und formender Unterwäsche den Kampf ansagt, freuen sich<br />
Verkäufer von Online-Coachings, Badebomben und der gefürchteten finanziellen Abgründe<br />
des täglichen „treats“.<br />
Self care ist käuflich.<br />
Alles ist so kommerzialisiert, es gibt kaum ein Entrinnen, gerade durch die allgegenwärtige<br />
Instanz der sozialen Medien.<br />
Der Bossfight den ich momentan kämpfe ist gegen das Problem mit dem Alterungsprozess.<br />
An sich gibt es ja gar keins, man hat eben nur zwei Optionen: Älter werden oder jung<br />
sterben.<br />
Doch gerade als Frau wird einem sehr früh klargemacht: Du hast so maximal bis 30 und ab<br />
dann bist du abgelaufen. Wie eine vergessene Packung Milch ganz hinten im<br />
Kühlschrank.Männer reifen, Frauen welken. Dieses bla bla was man seit man klein ist<br />
eingetrichtert bekommt. Als ich das virale Tiktok Video einer 14-jährigen gesehen habe, die<br />
ihre Routine „zum Stoppen des Alterungsprozess“ präsentiert, habe ich für einen Moment<br />
den Glauben an die Menschheit verloren. Die Angst vorm natürlichen Alterungsprozess<br />
beginnt immer früher, Produkte zum “reparieren” der Fehler werden immer normaler auch<br />
im Badschrank einer Minderjährigen.<br />
Doch was macht man dagegen? Brutale Selbstakzeptanz und Entfolgen von allen SocialMedia- Mäusen, die sich Botox spritzen lassen? Ich weiß es selbst nicht so genau.</p>
<p>Die frustrierende Wahrheit ist:<br />
Selbstakzeptanz ist kein Endziel was man jemals zu 100% erreichen, kein To-Do was man<br />
irgendwann abhaken kann. Sicherlich gehört eine Anpassung von dem, was man online<br />
konsumiert dazu, aber überwiegend kommt Akzeptanz ja von innen.<br />
Es ist eine Entscheidung, die man sein Leben lang immer wieder aufs Neue treffen muss. Wie<br />
verdammt lame ist denn das</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Körper ist nicht das Problem (da bin ich mir recht sicher)</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/11/mein-koerper-ist-nicht-das-problem-da-bin-ich-mir-recht-sicher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2025 09:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Körper ist nie nur ein Körper. Er ist Projektionsfläche, Erwartung oder Bewertung.Der neue Text von Lina handelt davon, was passiert, wenn die Welt uns erklärt, wer wir zu sein haben und wie wir lernen, uns trotzdem selbst zu gehören. Ich hatte nie ein Problem mit meinem Körper. Gut, das stimmt vielleicht nicht ganz. Andere [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-start="532" data-end="934"><strong>Ein Körper ist nie nur ein Körper. Er ist Projektionsfläche, Erwartung oder Bewertung.</strong><br data-start="263" data-end="266" /><strong>Der neue Text von Lina handelt davon, was passiert, wenn die Welt uns erklärt, wer wir zu sein haben und wie wir lernen, uns trotzdem selbst zu gehören.</strong><br />
<span id="more-17220"></span></p>
<p data-start="532" data-end="934">Ich hatte nie ein Problem mit meinem Körper. Gut, das stimmt vielleicht nicht ganz. Andere schon. Deshalb hatte ich dann auch ein Problem mit ihm.<br data-start="678" data-end="681" />Mein Körper ist mehrgewichtig, weich, sichtbar – und wird weiblich gelesen, auch wenn ich es nicht bin. Ich bin also gleichzeitig zu viel und zu wenig: zu groß für Restaurantstühle, zu rund für Mode, zu queer für das, was Leute glauben, sehen zu müssen.</p>
<p data-start="936" data-end="1391">Wenn ich alte Fotos von mir ansehe, sehe ich, wie mich eine sehr dünne Frau ansieht – fast noch ein Mädchen, das ich nicht mehr bin. Und trotzdem fühle ich mich genauso wie jetzt. Ich habe mich in jedem Stadium, in jeder Form meines Körpers gleich dick gefühlt, gleich zu viel, gleich zu massig. Obwohl ich jedes Mal sehr anders aussah. Ich habe mich nie gut über mich gefühlt. Ich habe mich immer gefühlt, als wäre ich nicht genug und zu viel auf einmal.</p>
<p data-start="1393" data-end="1991">Ich liebe auffällige Mode, aber ich wollte nie zu auffällig sein – weil dann alle meinen Körper sehen.<br data-start="1495" data-end="1498" />Früher war ich traurig, wenn mir niemand auf der Straße hinterhergerufen hat. Ich dachte, Sichtbarkeit sei Bestätigung. Heute weiß ich: Sichtbarkeit ist eine Frage der Norm. Und Normen – das hat Maria Evteeva (2024) treffend beschrieben – sind Werkzeuge patriarchaler Kontrolle. Sie schreiben Körpern soziale Positionen zu, um sie gefügig zu machen. Misogynie, schreibt sie, „ist kein Zufallsprodukt, sondern das zentrale Regulierungsinstrument des Patriarchats“ (Evteeva und Burges 2024, 85).</p>
<p data-start="1993" data-end="2190">Cat aus <em data-start="2001" data-end="2011">Euphoria</em> hat einmal gesagt:<br data-start="2030" data-end="2033" /><strong data-start="2033" data-end="2190">„I used to be so scared that people would notice I was fat. But now, I just don’t care. Because a fat girl who doesn’t care? That’s fucking unstoppable.“</strong></p>
<p data-start="2192" data-end="2317">Und das will ich auch sein.<br data-start="2219" data-end="2222" />Unaufhaltsam. Aber ich will das nicht <em data-start="2260" data-end="2267">trotz</em> meines Körpers sein. Ich will das <em data-start="2302" data-end="2307">mit</em> ihm sein.</p>
<p data-start="2319" data-end="2607">Neulich habe ich wieder gemerkt, wie tief die Vorstellung sitzt, dass „dick“ nicht sexy sein darf.<br data-start="2417" data-end="2420" />Macht mal den Selbstversuch: Gebt bei Google „Plus Size Halloween Kostüm“ ein.<br data-start="2498" data-end="2501" />Was kommt?<br data-start="2511" data-end="2514" />Säcke.<br data-start="2520" data-end="2523" />Tier-Onesies.<br data-start="2536" data-end="2539" />Und irgendwo dazwischen steht das Internet und ruft: „Be confident!“</p>
<p data-start="2609" data-end="2800">Zur Erinnerung: In <em data-start="2628" data-end="2640">Mean Girls</em> sagt Cady Heron:<br data-start="2657" data-end="2660" /><strong data-start="2660" data-end="2800">„In Girl World, Halloween is the one night a year when a girl can dress like a total slut and no other girls can say anything about it.“</strong></p>
<p data-start="2802" data-end="3113">Ich hab das mal versucht – bildlich gesprochen. Nur dass, wenn du „Plus Size Dessous“ suchst, das Ergebnis klingt wie ein Werbeslogan aus der Hölle: „Sexy für Mollige“.<br data-start="2970" data-end="2973" />Das klingt ungefähr so, als würde ein mittelmäßig gebildeter Mann über das „Stadtbild“ reden – gönnerhaft, aber ohne zu wissen, was er sagt.</p>
<p data-start="3115" data-end="3446">Und selbst diese „Dessous für Mollige“ gehen meist nur bis Körbchengröße E. Vielleicht 100 cm Unterbrustumfang, wenn man Glück hat. Und dann sind die BHs in D auch noch gepolstert. Warum?<br data-start="3302" data-end="3305" />Ich hab 105 G – oder 100 H als Kreuzgröße – und ich schwöre: Ich bin so hot. Ich bin so sexy.<br data-start="3398" data-end="3401" />Warum will mich die Industrie nicht so sehen?</p>
<p data-start="3448" data-end="3678">Die sogenannte Curvy Collection besteht oft aus Shapewear.<br data-start="3506" data-end="3509" />Die <em data-start="3513" data-end="3523">Brigitte</em>, <em data-start="3525" data-end="3531">Ella</em> und <em data-start="3536" data-end="3551">Bild der Frau</em> sagen im selben Atemzug:<br data-start="3576" data-end="3579" /><strong data-start="3579" data-end="3613">„Du bist gut so, wie du bist.“</strong> –<br data-start="3615" data-end="3618" />und:<br data-start="3622" data-end="3625" /><strong data-start="3625" data-end="3678">„So kommst du noch schnell in deinen Sommerbody.“</strong></p>
<p data-start="3680" data-end="3842">Ich hab die Diäten gemacht.<br data-start="3707" data-end="3710" />Ich war brav.<br data-start="3723" data-end="3726" />Ich war diszipliniert.<br data-start="3748" data-end="3751" />Und alles, was ich war, war schwach und ausgelaugt.<br data-start="3802" data-end="3805" />Genau so, wie sie mich haben wollten.</p>
<p data-start="3844" data-end="4097">Sorana-Alexandra Constantinescu (2021) nennt das internalisierte Misogynie: den Moment, in dem Frauen gelernt haben, sich selbst zu kontrollieren, bevor es andere tun.<br data-start="4011" data-end="4014" />Wir werden bestraft, wenn wir auffallen – und nicht belohnt, wenn wir uns anpassen.</p>
<p data-start="4099" data-end="4519">Wie Iris Marion Young (1992) schreibt, ist Unterdrückung kein einzelner Akt, sondern ein System aus „ökonomischer Ausbeutung, Marginalisierung, Machtlosigkeit, kulturellem Imperialismus und systemischer Gewalt“ (zit. nach Constantinescu 2021).<br data-start="4342" data-end="4345" />Wir leben in Strukturen, die uns lehren, wie wir uns zu formen haben:<br data-start="4414" data-end="4417" />Sei ehrgeizig, aber nicht zu laut; sei sinnlich, aber nicht sexuell; sei frei, aber bitte unauffällig.</p>
<p data-start="4521" data-end="4627">Und wir fallen in diese Unterdrückung nicht, weil wir schwach sind –<br data-start="4589" data-end="4592" />sondern weil wir in ihr aufwachsen.</p>
<p data-start="4629" data-end="5023">Constantinescu zeigt, dass Mädchen und weiblich sozialisierte Menschen schon in der frühen Jugend lernen, dass ihr Wert an Gefallen, Zurückhaltung und Kontrolle hängt. Zwischen elf und vierzehn, schreibt sie, verändert sich die Persönlichkeit vieler Mädchen: Aus mutigen, lauten, selbstbewussten Kindern werden Jugendliche, die plötzlich lernen, Platz zu sparen – in Stimme, Kleidung, Bewegung.</p>
<p data-start="5025" data-end="5308">So wachsen wir in einem doppelten Spiegelkabinett auf:<br data-start="5079" data-end="5082" />Wir sehen, wie Frauen bewertet werden – und beginnen, uns selbst mit denselben Augen zu betrachten.<br data-start="5181" data-end="5184" />Wir übernehmen das Urteil der Gesellschaft, bevor jemand es ausspricht.<br data-start="5255" data-end="5258" />Wir internalisieren den Blick, der uns klein hält.</p>
<p data-start="5310" data-end="5575">Evteeva (2024) beschreibt das als das perfide Prinzip des Patriarchats: dass es nicht nur über Macht, sondern über Bedeutung funktioniert. Weiblichkeit wird mit Schwäche, Abhängigkeit und Unfähigkeit gleichgesetzt – und alles, was davon abweicht, wird sanktioniert.</p>
<p data-start="5577" data-end="5949">Akane Kanai (2020) ergänzt, dass selbst die neue, mediale „Freiheit“ für FLINTA-Körper meist an Bedingungen geknüpft ist: an Schönheit, an Ästhetik, an Marktfähigkeit.<br data-start="5744" data-end="5747" />Freiheit ist erlaubt, solange sie klickt.<br data-start="5788" data-end="5791" />Freizügigkeit wird gefeiert, solange sie der Norm schmeichelt; dieselbe Geste wird bestraft, sobald sie von einem Körper kommt, der nicht in diese Norm passt.</p>
<p data-start="5951" data-end="6204">So funktioniert Kontrolle unter dem Deckmantel der Emanzipation:<br data-start="6015" data-end="6018" />Wir sollen frei sein, aber bitte nur so, dass es schön aussieht.<br data-start="6082" data-end="6085" />Wir sollen sichtbar sein, aber nur, wenn es sich verkaufen lässt.<br data-start="6150" data-end="6153" />Wir sollen selbstbewusst sein, aber nicht unbequem.</p>
<p data-start="6206" data-end="6555">Wir fallen also nicht in Unterdrückung hinein –<br data-start="6253" data-end="6256" />wir werden in sie hineingeschult.<br data-start="6289" data-end="6292" />In jede Pose, jede Werbung, jede Bemerkung, jede Diät.<br data-start="6346" data-end="6349" />Und irgendwann können wir sie selbst reproduzieren, ohne dass jemand sie uns noch beibringen muss.<br data-start="6447" data-end="6450" />Das Patriarchat muss uns gar nicht immer aktiv unterdrücken – wir erledigen die Arbeit inzwischen selbst.</p>
<p data-start="6557" data-end="6904">Und wenn ich dann auf der Bühne stehe, in einem Kleid, das ich liebe, und jemand sagt:<br data-start="6643" data-end="6646" /><strong data-start="6646" data-end="6748">„Mensch, du bist aber mutig, dass du dich mit deinem Körper so etwas traust. Du bist ein Vorbild!“</strong><br data-start="6748" data-end="6751" />dann weiß ich, das ist nett gemeint.<br data-start="6787" data-end="6790" />Aber wovon redet ihr?<br data-start="6811" data-end="6814" />Ich bin weder mutig noch gewagt noch zu viel.<br data-start="6859" data-end="6862" />Ich bin einfach da.<br data-start="6881" data-end="6884" />Ich bin einfach ich.</p>
<p data-start="6906" data-end="7152">Ich freue mich ehrlich über jede Marke, die größere Größen führt.<br data-start="6971" data-end="6974" />Ulla Popken zum Beispiel: Die machen großartige, hochwertige Teile – gut verarbeitet, langlebig, bequem.<br data-start="7078" data-end="7081" />Aber trotzdem: Vieles davon sind Säcke. Stoffgewordene Unauffälligkeit.</p>
<p data-start="7154" data-end="7364">Ich will nichts kaschieren. Ich will glänzen.<br data-start="7199" data-end="7202" />Ich will Kleider, die mich nicht verstecken, sondern feiern.<br data-start="7262" data-end="7265" />Ich will mich anziehen dürfen wie jemand, der sich liebt – nicht wie jemand, der sich entschuldigt.</p>
<p data-start="7366" data-end="7653">Und ja, ich könnte mir Kleidung maßanfertigen lassen – es gibt fantastische kleine Brands, die das machen, die radikal inklusiv denken, die Körper ernst nehmen.<br data-start="7526" data-end="7529" />Aber die Realität ist: Ich habe nicht das Geld dafür. Nicht die Zeit. Nicht die Möglichkeit, mich jeden Tag neu zu erfinden.</p>
<p data-start="7655" data-end="7775">Und trotzdem: Ich bin hier.<br data-start="7682" data-end="7685" />Ich bin sichtbar.<br data-start="7702" data-end="7705" />Mein Körper ist kein Kompromiss –<br data-start="7738" data-end="7741" />er ist Bühne, Zuhause, Widerstand.</p>
<div style="margin-top: 1em; padding: 1em; border-left: 4px solid #000; background: #f7f7f7; line-height: 1.6;">
<p><strong>Constantinescu, Sorana.</strong><br />
„<em>How Does the Internalization of Misogyny Operate: A Theoretical Approach With European Examples</em>“.<br />
<i>Research in Social Change</i>, Bd. 13, Dezember 2021, S. 120–128.<br />
<a href="https://doi.org/10.2478/rsc-2021-0013" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.2478/rsc-2021-0013<br />
</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Evteeva, Maria &amp; Burges, Lucrecia.</strong><br />
<em>Internalized Misogyny: The Patriarchy Inside Our Heads</em>.<br />
Bd. 14, 2024.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kanai, Akane.</strong><br />
„<em>Between the Perfect and the Problematic: Everyday Femininities, Popular Feminism, and the Negotiation of Intersectionality</em>“.<br />
<i>Cultural Studies</i>, Bd. 34, Nr. 1, Januar 2020, S. 25–48.<br />
<a href="https://doi.org/10.1080/09502386.2018.1559869" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1080/09502386.2018.1559869</a></p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Durchschnittlich perfekt</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/11/durchschnittlich-perfekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nathan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 09:59:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie viel „perfekt“ braucht ein Körper eigentlich – und wer entscheidet das? Dieses Gedicht von Nathan legt offen, wie wir zwischen Idealen, Kommentaren und Algorithmen zerrieben werden, und erinnert daran, dass Schönheit nie genormt war. Ein poetischer Blick darauf, warum unser Körper niemandem gehören muss außer uns selbst. Sie sagen, ich bin dick, dabei bin [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie viel „perfekt“ braucht ein Körper eigentlich – und wer entscheidet das? Dieses Gedicht von Nathan legt offen, wie wir zwischen Idealen, Kommentaren und Algorithmen zerrieben werden, und erinnert daran, dass Schönheit nie genormt war. Ein poetischer Blick darauf, warum unser Körper niemandem gehören muss außer uns selbst.<span id="more-17216"></span></strong></p>
<p>Sie sagen, ich bin dick,<br />
dabei bin ich vielleicht nur etwas über dem Durchschnitt.<br />
Sie sagen, ich bin zu dünn,<br />
dabei halte ich einfach nur das Idealgewicht.</p>
<p>Sie sagen: Form dich,<br />
glätt dich –<br />
ich verbiege mich,<br />
verliere mich<br />
in Kalorientabellen.</p>
<p>Sie dirigieren meinen Verstand,<br />
haben mich ganz in ihrer Hand.<br />
Sag, wie lang noch, Instagram?<br />
Zeigst du mir Bilder vom „perfekten Mann“,<br />
muskulös und stramm.</p>
<p>Sie möchten Perfektion<br />
in Bildern, auf Reklamen.<br />
Am besten bist du die Sensation –<br />
„der perfekte Körper“<br />
für Likes und Faszination.</p>
<p>Doch dein Körper gehört dir,<br />
dir alleine.<br />
Er ist schön,<br />
jeder auf seine Weise.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Metamorphosis</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/11/metamorphosis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Phuong]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2025 09:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Phuong schreibt über einen Körper, der sich manchmal fremd anfühlt – und über den Versuch, ihn neu zu verstehen. Über Angst, Wandel, Erwartungen und die Frage, wie wir in unserem eigenen Körper Heimat finden können. Manchmal wache ich auf und meine Lunge schmerzt, verengt von den Kippen letzter Nacht; Kopfschmerzen, weil ich kaum Wasser trinke. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Phuong schreibt über einen Körper, der sich manchmal fremd anfühlt – und über den Versuch, ihn neu zu verstehen. Über Angst, Wandel, Erwartungen und die Frage, wie wir in unserem eigenen Körper Heimat finden können.</strong><span id="more-17212"></span></p>
<p data-start="226" data-end="572">Manchmal wache ich auf und meine Lunge schmerzt, verengt von den Kippen letzter Nacht; Kopfschmerzen, weil ich kaum Wasser trinke. Ich spüre die Angst in meiner Brust und die Gedanken, die in meinem Kopf rasen. Oft fühlt es sich so an, als gehöre mein Körper nicht mir, als hätte ich keine Kontrolle über ihn. Und doch ist er alles, was ich habe.</p>
<p data-start="574" data-end="1229">Manchmal beschützt mich mein Körper. Wenn ich achtsam genug bin und auf ihn höre, versucht er mir zu signalisieren, dass etwas nicht stimmt, dass Gefahr droht. Mein Herz schlägt schneller, mein Körper versteift sich, und ich finde keine Worte für das, was ich fühle, für die Bedeutung der Energie, die aufsteigt. Doch manchmal reagiert der Körper auch, wenn wir nervös oder aufgeregt sind. Es sind dieselben Hormone, die ausgestoßen werden, und mein Kopf kann nicht differenzieren. Manchmal sagt er uns auch, wenn wir müde sind und viel Schlaf brauchen. Oder wenn unser Nacken und unsere Schultern verspannt sind, bedeutet es, dass wir viel Stress tragen.</p>
<p data-start="1231" data-end="2153">Der Blick in den Spiegel fällt mir deshalb so schwer, weil es kein Körper ist, den ich begehrenswert finde. Ich wünschte, ich könnte mir nach Lust und Situation aussuchen, wie ich aussehe; manchmal ohne Brüste, manchmal mit. Ich möchte meinen Körper verändern, formen, deformieren, aber ich weiß nicht, welche Stellen genau und wie ich am Ende aussehen könnte. Wenn ich so überlege, verändert sich mein Körper ohnehin. Wir altern, wir wachsen, unsere Gesichtszüge tragen mit der Zeit die Schwere des Lebens. Im Sommer steigt der Druck, im Winter können wir uns unter unseren Pullovern verstecken. Deswegen fühle ich mich im Winter wohler. Ich kann die Teile meines Körpers verstecken, die im Sommer sonst für die Augen der anderen sichtbar und bewertbar sind. Die mehrfachen Schichten, die auf meiner Haut liegen, verstecken die Brüste, die zu viel Projektionsfläche bieten für all die Bewertungen und Erwartungen anderer.</p>
<p data-start="2155" data-end="2801">So nimmt der Körper je nach Umgebung eine andere Form an. Ich erscheine in meinem Hoodie mit meiner Kapuze und Beanie androgyner, vielleicht nicht einzuordnen, vielleicht sogar männlich. Bis sie jedoch meine Stimme hören, die irritierend auf sie wirken kann und ihre Erwartungen von dem, was sie sehen, bricht. In Vietnam gehe ich in der Mehrheitsgesellschaft unter, beinahe bin ich unsichtbar, anonym, ein Mensch wie jeder andere. Bei Aldi dagegen in der Schlange spüre ich schon von weitem den genervten Blick der Kassiererin, und mein Versuch eines freundlichen „Einen schönen Tag noch“ ändert nichts daran, dass sie Körper wie meinen ablehnt.</p>
<p data-start="2803" data-end="3684">Ich möchte glauben, dass ich manchmal vielleicht doch Kontrolle darüber haben kann – trotz der Umstände – über die soziale Bedeutung meines Körpers und über die Konsequenzen, die daraus für mich folgen. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich mir dessen nicht einmal sicher. Es fühlt sich absurd an, wenn Klamotten dabei helfen, im sozialen Gefüge zu überleben, und dass sie aber auch entscheiden können, ob Gefahr auf uns wartet, weil es Menschen nicht passt, dass wir aus dem Raster fallen. Vielleicht ist Kleidung genau deswegen nicht immer ein Ausdruck von Persönlichkeit, von Style, von Selbsterfahrung – besonders nicht dann, wenn wir mit Klamotten kompensieren müssen, was wir eben nicht ändern können: unsere Haarfarbe, unsere Hautfarbe, unsere Gesichtsmerkmale, unsere Sprache. Weil ein weißes Hemd dazu beitragen kann, unsere Chancen, den Job zu bekommen, um 10 % zu steigern.</p>
<p data-start="3686" data-end="4064">Die Bewertung meines Körpers ist beinahe abhängig von der Person mir gegenüber. Sie ist nicht Zeugin meiner Vielfältigkeit, sondern nur ein Bruchteil davon, ein Spiegel, der nur einen Teil des Mosaiks meiner Selbst widerspiegelt. Manchmal ist dieser Spiegel in Wirklichkeit eine Schablone, die ich mir nicht selber zusammengeschnitten habe, aber in die ich hineingepresst werde.</p>
<p data-start="4066" data-end="4668">Unser Körper ist verwundbar.<br data-start="4094" data-end="4097" />Er ist so vieles – vieles, was ich selber nicht verstehe oder greifen kann.<br data-start="4172" data-end="4175" />Ich kann ihn modifizieren, formen, trainieren, ihm Gutes tun, durch Bewegung spüren und in Kontakt treten, Medikamente nehmen, Drogen nehmen. Durch Hormone, Operationen, Bewegung, Ernährung, Kleidung, Make-up.<br data-start="4384" data-end="4387" />Er trägt viel Wissen in sich. Erinnerungen, Gerüche, Melodien, Geschichten.<br data-start="4462" data-end="4465" />Er schwitzt, um sich zu kühlen. Er wird krank und heilt wieder. Er speichert, regeneriert, stößt ab, was nicht zu ihm passt. Er atmet, verarbeitet, fühlt, menstruiert, schläft. Er trägt uns durchs Leben.</p>
<p data-start="4670" data-end="4953">Vielleicht muss ich ihn gar nicht vollständig verstehen.<br data-start="4726" data-end="4729" />Vielleicht existiert er einfach so – wissend, was zu tun ist.<br data-start="4790" data-end="4793" />Vielleicht müssen wir ihn nicht verbiegen, um den Blick in den Spiegel zu ertragen.<br data-start="4876" data-end="4879" />Vielleicht reicht es, wenn wir lernen, ihn zu halten, zu hören, zu lassen.</p>
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		<title>Wann ist mein Körper richtig so?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kreaty]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 09:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegelbild]]></category>
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					<description><![CDATA[In einer Welt, die ständig an unseren Körpern etwas auszusetzen hat, fragt Kathy im Video: Was bleibt eigentlich noch echt an uns – und was machen wir nur, um anderen zu gefallen? Ein ehrlicher Blick auf Schönheitsdruck, Selbstzweifel und die Frage, wie wir uns selbst wiederfinden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In einer Welt, die ständig an unseren Körpern etwas auszusetzen hat, fragt Kathy im Video: Was bleibt eigentlich noch <em data-start="156" data-end="162">echt</em> an uns – und was machen wir nur, um anderen zu gefallen? Ein ehrlicher Blick auf Schönheitsdruck, Selbstzweifel und die Frage, wie wir uns selbst wiederfinden.</strong><span id="more-17206"></span></p>
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		<item>
		<title>Dichte</title>
		<link>https://mtg.rokzog.xyz/2025/11/dichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Nov 2025 10:26:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwischen Schönheitsidealen, schwuler Fetischkultur und Selbstakzeptanz erzählt Sven davon, was es heißt, im eigenen Körper zu wohnen – mit all seinen Dellen, Gewichten und Bedeutungen. Ein poetisches Plädoyer für Körpervielfalt, Selbstironie und die Freiheit, sich nicht ständig neu erfinden zu müssen. Ich habe einen Körper, eine Platine aus Fleisch und Neuronen, die Grundlage für die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen Schönheitsidealen, schwuler Fetischkultur und Selbstakzeptanz erzählt Sven davon, was es heißt, im eigenen Körper zu wohnen – mit all seinen Dellen, Gewichten und Bedeutungen. Ein poetisches Plädoyer für Körpervielfalt, Selbstironie und die Freiheit, sich nicht ständig neu erfinden zu müssen.</strong><span id="more-17202"></span></p>
<p>Ich habe einen Körper, eine Platine aus Fleisch und Neuronen, die Grundlage für die Befestigung und Verbindung meiner Schaltkreise, die ein kleiner wabbeliger Glibber-Tentakelhaufen in meinem Kopf mit winzigen elektrischen Impulsen steuert.</p>
<p>Mein Körper ist 178 Zentimeter hoch, getragen von zwei Füßen in Schuhgröße 43, zwei Beinen in Hosengröße 32/30, gefolgt von einem Torso in Größe M–XL, je nach Hersteller, gekrönt von einem Kopf, dessen Hutgröße ich nie wusste, von dem ich aber schon immer wusste, dass er ein Dickschädel ist.</p>
<p>Mein Körper hat Zähne, die von Zahnärzten Komplimente bekommen, mein Körper hat Zahnfleisch, bei dem Zahnärzte scharf einatmen. Mein Körper wird gerne berührt – im Bett, in Dunkelkammern, auf der Autobahnraststätte, beim freundlichen Händedrücken, bei schönen Umarmungen, bei intimem Sex.</p>
<p>An meinem Körper hängen Haare – für die einen zu viele, für die anderen zu wenige. An meinem Körper hängt ein Penis, von dem meiner Meinung nach zu viele Leute zu viel wissen wollen. Mein Körper ist eine Schaufensterpuppe für die Klamotten, die ich an ihm mag.</p>
<p>Mein Körper ist ein Wunder der Natur – und anstatt mich über ihn zu freuen, habe ich euch eine wichtige Information vorenthalten: die Dichte meines Körpers. Mein Körper macht gerade eine Diät, weil ihm letztens die Zahl auf der Waage nicht so gut gefallen hat und er unfreundliche Kommentare von anderen Körpern über seinen eigenen bekam. Er weiß nicht einmal, ob er es eine Diät nennen würde – manchmal sagt er dazu Fasten, manchmal Kaloriendefizit, aber heute sagt er das erste Mal das Wort Diät.</p>
<p>Mein Körper mag sich eigentlich und andere Körper, die so aussehen wie seiner, denn jeder body ist ein beach body. Aber die Glibbermasse, die den Körper steuert, würde sich wohler in ihm fühlen, wenn er für den Sommer seine Sommerrollen loswerden könnte, er für die Dichte seines Körpers nicht unfreundlich angehupt wird, und die einzigen Schwimmflügel, die er bräuchte, die von vor 25 Jahren sind, als er schwimmen lernte.</p>
<p>In der schwulen Welt gibt es viele verschiedene Schönheitsideale für Körper, und das einzige, dem dieser Körper davon jemals entsprach, ist, dass er sehr oft für sehr jung eingeschätzt wurde. Mein Körper war nie dick und haarig genug für einen Bären, mein Körper war nie schlaksig und haarig genug für einen Otter, mein Körper war nie dünn und haarlos genug für einen Twink. Und mehr Kategorien gibt es da nicht, die krass fetischisiert werden.</p>
<p>Mein Körper wurde schon ab und an mal freundlich „chubby“ genannt, aber dieses Label gefiel der steuernden Glibbermasse in meinem Kopf nicht so gut wie das Label „Bärchen“.</p>
<p>Ich habe einen Körper. Eine Maschine aus Fleisch und aus Neuronen, eine Maschine aus Knochen und aus Gefühlen, eine Maschine aus Organen und aus Sternenstaub.</p>
<p>In der Gesellschaft unserer Körper herrscht Fettphobie – „fett“ ist ein Adjektiv und keine Beleidigung. Ein fetter Körper kann sehr wohl ein gesunder Körper sein, ein fetter Körper kann sehr wohl ein schöner Körper sein, ein fetter Körper ist auf jeden Fall ein Körper, in dem man sich wohlfühlen kann.</p>
<p>Das sind Grundsätze, die mein Körper fest in sich verankert hat, die er nicht nur daher sagt und dann anders auf Datingplattformen handelt. Er mag Männer verschiedenster Proportionen in verschiedensten Positionen – denn ein Körper ist ein Körper ist ein Körper.</p>
<p>Und dann wog mein Körper plötzlich so viel wie noch nie in meinem Leben, und falls euch die Zahl interessiert: Auf 178 cm Höhe waren es 93 Kilogramm. 93 Kilogramm – das sind 146 Habichte, das sind 3720 einzelne Mozzarellasticks ohne Dip, das sind 7153,8 Geckobabys, das sind 465 Tausend Sandkörner, aus denen er eine Sandburg bauen könnte – das ist ein ganzer Sven.</p>
<p>Mein Körper kann sich aber nicht einmal darüber freuen, jetzt endlich ein Bär zu sein, weil er immer noch nicht haarig genug ist. Versteht mich nicht falsch: Mein Körper mag sich, meine 7153,8 Babygeckos in einem Trenchcoat. Er findet sich nackt und angezogen hübsch, aber diese Zahl auf der Waage hat ihm ganz und gar nicht gefallen.</p>
<p>Also hat er aufgehört zu essen. Also – naja, nicht aufgehört, aber die Glibbermasse im Kopf hat sich bewusst dafür entschieden, auf ihre Kalorien zu achten. Mein Körper hat einen Monat lang keinen Alkohol getrunken, keine Cola, jeden Tag drei Liter Wasser. Die einzigen Molkereiprodukte, die er zu sich nahm, waren ein kleines Glas Milch zum Frühstückseiweißbrot jeden Morgen. Er hat mehr Cardiosport getrieben, und die Pfunde begannen wieder zu purzeln.</p>
<p>Aber wieso ist es mir so wichtig, die Dichte meines Körpers zu verringern? Ich mag meine Speckröllchen – sie sehen aus wie Bulldoggen vor der Überzüchtung. Ich mag meine Dehnungsstreifen – meine Haut, mein größtes Organ, hat mir mit meinem Gewicht ein Lächeln auf uns drauf gezeichnet. Ich mag meine Tattoos, die meine Beine oberhalb des Fußknöchels zieren, weil sie Kunst sind, die mir was bedeutet und die ich für immer bei mir tragen darf.</p>
<p>Ich habe einen Körper. Mein Körper besteht aus Fleisch und Neuronen – er wird wieder zunehmen und wieder abnehmen und wieder und wieder. Mein Körper wird von einem glibberigen Wesen in meinem Kopf gesteuert, aber mein Körper ist keine Maschine. Mein Körper ist ein Körper ist ein Körper. Und mein Körper ist Dichter.</p>
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