Meine Welten / Gloria / 20. Juni 2024
Ich habe eine Sportallergie
Gloria — 3 Min. Lesezeit
#Angst #Featured #Sport #Sport - Deine Story über Schweiß und Tränen
Gloria hat eine Sportallergie, in ihrem Text erzählt sie uns, welche körperlichen Reaktionen das Thema bei ihr hervorruft.
Ich habe eine Sportallergie, diesen Witz habe ich schon manchmal ausgesprochen,
besonders wenn mir die Themen in Konversationen ausgingen, und es entspricht auch ein
bisschen der Wahrheit. Zu einer Zeit, in der ich ein bis zwei Jahre lang regelmäßig joggen
war, musste ich kurz nach den letzten Metern – ich bin am Ende der Laufeinheit oft einen
Berg mit mittlerer Steigung nach oben gerannt – ziemlich stark niesen, meist für mehrere
Minuten lang. Wenn man das Phänomen im Internet nachschaut, dann findet man
schnell einen Beitrag auf gutefrage.net mit dem Titel „Warum muss ich niesen nach dem
Joggen“ vom 21. September 2021, es scheint ein berechtigtes Problem zu sein.
Schon seit der Grundschule hatte ich meine Schwierigkeiten mit dem Sport. Ich erinnere
mich an meine Freundin Josephine, die im Gegensatz zu mir ein sehr sportliches Kind war,
vermutlich spielte sie professionell Ballsport, aber ich erinnere mich nicht gut genug
daran, um das mit Sicherheit sagen zu können. Josephine war so nett und fing für mich
beim Völkerball häufig den Ball, mit dem ich dann recht verängstigt, aber so bestimmt ich
konnte eine andere Mitschülerin abzuwerfen versuchte. Natürlich ist das so gut wie
immer erfolglos geblieben, da meine Wurfleistung zu schwach war.
Als ich auf dem Gymnasium war, stellten Leichtathletik und Turnen eine weitere Angst
dar, wobei ich im Rennen und Weitspringen halbwegs akzeptable Leistungen erbrachte.
Besonders Boden- und Balkenturnen waren für mich schrecklich, und ich hatte das
Gefühl mich schon bei einer Bodenrolle oder jedem noch so kleinen Sprung in einem
Meter Höhe unendlich zu blamieren und womöglich sogar tödlich stürzen zu können.
Oder mich zumindest so sehr zu verletzen, dass ich schwere Brüche erleiden könnte.
Freiwillig hätte ich mich nie für die Ausführung dieser Sportarten entschieden, und wenn
man mich gefragt hätte, dann wäre ich gerne nur Schwimmen oder Tanzen gegangen.
Natürlich bleibt dann die Frage, ob man Kinder im Schulsport nicht auch zu etwas
motivieren sollte und sie dabei womöglich auch unangenehmen Umständen wie der
potenziellen Blamage aussetzen muss. Es besteht auch die Annahme, dass Gefühle wie
Scham und Aufregung dazugehören. Das ist eine komplizierte Angelegenheit und darauf
möchte ich nicht weiter eingehen, ich weiß nur dass ich den Sportunterricht gehasst
habe.
Ich habe ihn so gehasst, dass ich jetzt immer noch Probleme damit habe, jeglichen
sportlichen Tätigkeiten nachzugehen – nur das Joggen ist okay, aber das finde ich
mittlerweile so langweilig, dass ich es schon jahrelang nicht mehr tue. Vor kurzem habe
ich mich dennoch bei einem Frankfurter Sportverein angemeldet, für den man etwas über
zehn Euro im Monat zahlt, um jegliche Sportkurse besuchen zu dürfen. Da ist vieles dabei:
Yoga, Pilates, Kampfsport, Jazzdance, Poledance, also alles, was man sich innerhalb und
außerhalb der Halle unter den Begriaen Sport und Bewegung vorstellen kann. Ich habe
mir das vor zwei Wochen mal angesehen und ein sogenanntes „Schnupperticket“
gekauft, mit dem man alle an dem Tag angebotenen Kurse besuchen durfte, um
herauszufinden, wie man das Sportangebot so findet. Es war gar nicht so schlimm.
Volleyball war die einzige Ausnahme, ich hatte solche Angst vor den ambitionierten
Aufschlägen der Teilnehmenden in dem Kurs für vermeintliche Anfänger, dass ich mich
nach wenigen Minuten des verängstigten Starrens und Wartens vor der Halle dazu
entschied, mich in der Umkleide wieder meiner Sportkleidung zu entledigen und nach
Hause zu gehen. Davor hatte ich erfolgreich Kickboxen und zwei Rücken-Bauch-Workouts
ausprobiert, immerhin. Beim nächsten Mal schaae ich es dann hoaentlich auch, die
Volleyballhalle zu betreten. Oder auch nicht – vielleicht reicht es aus, Ballsport mit der
Erinnerung zu verbinden, wie Josephine im Grundschulsport die Völkerbälle für mich
abfing.