Home / Meine Liebe_n / Die „komplizierte“ Frau – Feministin sein beim Dating

Meine Liebe_n / Romy / 6. August 2024

Die „komplizierte“ Frau – Feministin sein beim Dating

Romy

Romy 3 Min. Lesezeit

#Dating #Featured #Feminismus #Liebe Leben

Romy ist Feministin, nur beim Dating merkt sie, dass sie sich nich so verhält wie in anderen Settings. Weniger Meinung, weniger anecken, weniger kompliziert sein. Aber warum eigentlich?

Vor etwa fünf Jahren habe ich mich entschieden: Ich bin jetzt eine Feministin. Und das auf allen Ebenen. In der Schule, zu Hause, in meiner Freundesgruppe, bei der Arbeit – Feminismus war und ist schon immer ein Teil meines Lebens, der mich begleitet und für den ich mich einsetzen möchte, so gut wie es nur geht. Die einzige Ebene, in der ich den Feminismus bis jetzt noch nicht integrieren konnte wie überall sonst, ist beim Dating.

Auf einer romantischen Ebene stelle ich meine feministischen Wertevorstellungen oft ganz nach hinten. Ich verstecke sie. Ich stecke mich automatisch in ein ganz bestimmtes Rollenbild. Wenn ich eine Person kennenlernen möchte, dann werde ich oft zurückhaltender, weniger meinungsstark. Ich verkneife mir die Kommentare auf Aussagen, die ich problematisch finde. Ich ignoriere meine feministische Seite – obwohl die am lautesten an mir ist.

Warum genau ich das mache, habe ich sehr lange nicht verstanden. Es war wie eine Art Automatismus: „Oh, ein Mann mag mich? Dann sollte ich jetzt die Klappe halten!“ Inzwischen verstehe ich, warum das so ist: Ich hatte immer schon Angst davor, die „komplizierte Frau“ zu sein. Ich habe gemerkt, dass mein Feminismus auf viele männliche Personen abschreckend wirkt. Sobald es zur Sprache kommt, nehmen die meisten Abstand. So war das schon, als ich mich das erste Mal offen für den Feminismus in der Schule eingesetzt habe. Ich war die frauenfeindlichen Kommentare meiner Mitschüler leid. Ich machte ihnen irgendwann klar, dass ich das nicht in Ordnung fand – schon war ich unten durch. Und das nur, weil ich nicht ihre Meinung teilte. Weil ich sie kritisiert hatte.

Generell sind mir hauptsächlich zwei Reaktionen von männlichen Personen aufgefallen, wenn der Feminismus zur Sprache kam: Entweder sie nahmen sofort Abstand, ich könnte ja zu kompliziert sein, oder sie machten mich klein. Mit Aussagen wie: „Irgendwie voll niedlich, dass dir das so wichtig ist“ fühlte ich mich weder gehört noch respektiert. Als wäre der Kampf, den so viele Frauen seit Jahrhunderten gegen das Patriarchat führen, einfach unnötig. Als sei ich eine kleine Maus, die piepend einen riesigen Tiger beschimpft. Durch Reaktionen dieser Art habe ich gemerkt wie viel einfacher es ist, nicht die „Komplizierte“ zu sein. Einfach bei allen Witzen mitzulachen, allen Aussagen zuzustimmen, mich in das Rollenbild einzufügen, dass es für die andere Person am einfachsten macht.

Aber genau so sollte es nicht sein, erst recht nicht im Dating. Es ist sehr frustrierend, nicht gehört zu werden. Kleingehalten zu werden. Es ist unschön zu merken, dass eine Sache, die einem selbst so am Herzen liegt, die andere Person abschreckt. Gerade wenn es eine Person ist, die man eigentlich sehr gerne mag. Aber das ist schlicht nicht mein Problem. Es ist nicht mein Problem, wie angegriffen sich jemand fühlt, wenn ich einen sexistischen Witz nicht okay finde. Es ist nicht mein Problem, wie eingeschüchtert sich jemand fühlt, weil ich laut und meinungsstark bin. Ich muss mich in kein Rollenbild einfügen, wenn ich das nicht möchte. Das ist nicht meine Aufgabe. Und wieso sollte ich überhaupt eine Person daten wollen, die mich zu „kompliziert“ findet, nur weil ich nicht alles einfach hinnehme? Wenn ich „kompliziert“ bin, was auch immer das bedeutet, dann bin ich das gerne. Wie Autorin und Journalistin Caroline Criado-Perez am Anfang ihres Buches „Unsichtbare Frauen“ schon gesagt hatte: „Für die beharrlichen Frauen – bleibt verdammt nochmal schwierig!“

 

 

 

Dies könnte euch auch gefallen