Meine Welten / Eram / 9. August 2024

Werk

Eram

Eram 2 Min. Lesezeit

#Featured #Identität #Liebe Leben

Eram ist Zwischenweltler: Er erzählt von den eigenen schmerzlichen Erfahrungen einer Identität zwischen vielen Welten und von Menschen, die damit überfordert sind. Wo bleibt man mit seinem Leben, wenn die Menschen die Geschichten nicht ertragen?

Es gibt Momente, die mir den Atem rauben. Ich erzähle euch davon, dass Tod und Krieg in meiner Kindheit alllgegenwärtig waren. Ihr macht große Augen und nickt betroffen. Ich erzähle euch davon, dass ich mich mit euren Problemen nicht identifizieren kann. Ihr blickt beschämt zu Boden. Ich erzähle euch davon, dass ich trotz und wegen meines selbstbewussten Auftretens Todesangst habe, missverstanden und ignoriert zu werden. Ihr blickt nachdenklich in die Ferne. Ich erzähle euch davon, dass queer sein mein geringstes Problem ist, angesichts des entmenschlichenden Rassismus, den ich erlebt habe. Ihr schluckt euren Kloß im Hals runter, versucht da zu bleiben, obwohl alles in euch rennen will. Ich erzähle ins Leere und ihr fragt euch, ob ihr gute Menschen seid.

Ihr erzählt mir, dass ihr nicht wisst, wer ihr seid. Ich versuche, ein verständnisvolles Gesicht zu machen, während alles in mir schreit. Ihr erzählt mir, dass ihr euch nicht ganz sicher seid, wofür ihr stehen wollt, dass ihr keine menschliche Erfahrung abwerten wollt. Ich sinke in mich zusammen, angesichts alldessen, für das ich stehe, ob ich will oder nicht. Ihr erzählt mir vom Leistungsdruck, davon, dass ihr produktive Erwachsene sein wollt und es so anstrengend ist. Ich zucke die Schultern, ich bin schon sehr jung erwachsen geworden. Ihr erzählt mir, dass meine Witze euch verletzen. Ich presse die Lippen zusammen, um alles drinzubehalten, was ihr nicht aushalten wollt. Ihr sagt, dass ihr Angst hab mich zu diskriminieren. Ich halte mich diskriminiert-fühlend die Luft an. Ihr hört von mir, dass ihr gute Menschen seid, dass ihr genug seid. Ich frage mich, warum ich so einsam bin.

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