Meine Welten / Sara / 24. September 2024
Freundschaft im Kapitalismus
Sara — 2 Min. Lesezeit
#Arbeit #Featured #Freizeit #Freundschaft #Kapitalismus #Leben - wie ich will
Her mit dem schönen Leben, weg mit Kalendern und der 5-Tage Woche fordert Sara.
In den 20ern ist alles anders als mit 18 in der Schule. Damals konnte man seine Freund*innen den ganzen Tag sehen und das eigentlich jeden Tag. Es gab fast keine Verpflichtungen, die davon abhielten, sich ständig zu treffen und man konnte diese Freund*innenschaften unlimitiert vertiefen und halten. Kein Terminkalender, der jedes Mal gezückt wird, wenn es darum geht Zeit zu verbringen. Zeit, die erst in zwei Wochen genommen werden kann.
Wenn ich heute nach meiner 5-Tage Woche nach Hause komme, bin ich völlig verbraucht. Meine Kräfte reichen gerade so dafür aus, den Haushalt zu machen, ausgewogen zu essen, Zeit mit meinem Partner zu verbringen und regelmäßig zum Sport zu gehen.
Unter der Woche nach meinem Job sich mit jemandem zu treffen erscheint mir fast unmöglich. Dies wird auch noch dadurch erschwert, dass ich in meinem Job bereits den ganzen Tag sozialisiere und keine Minute habe, wo ich nicht über die Bedürfnisse anderer nachdenke.
Wenn ich dann lese, dass die 6-Tage-Woche im Raum steht, damit Deutschland wieder wirtschaftlich aufsteigt, muss ich schlucken.
Der Kapitalismus hat mich bereits so in seinen Fängen, dass ich kaum eine Minute für mich alleine habe, um meine eigenen Gedanken zu hören, wenn ich gleichzeitig andere Menschen treffen möchte.
Je öfter ich höre, dass Arbeit der Lebenssinn sei und man ja nichts mehr zu tun hätte, wenn man nicht oder weniger arbeiten würde, muss ich lachen.
In einer Welt, wo ich keine 5 Tage Woche hätte, wären paradiesische Zustände. Ich wüsste gar nicht wofür ich die Zeit nutzen könnte, weil es so viele unendliche Möglichkeiten gibt. Wahrscheinlich würde ich Gärtnern, Segeln, Wandern, jeden Tag im Café sitzen, endlich Nähen lernen, eine Tour durch Lateinamerika machen, neue Freund*innenschaften schließen und tausend andere Dinge tun, für die ich gerade zu ausgebrannt bin.
„Her mit dem schönen Leben“ denke ich mir und steige wie jeden Tag um 7 Uhr in die Bahn, um zur Lohnarbeit zu fahren.