Meine Stimme / Mäx / 14. Januar 2025
Diese Menschen sind gefährlich, denn sie wissen, was sie tun.
Mäx — 2 Min. Lesezeit
Wir starten aktivistisch ins neue Jahr mit einem Text von Mäx. Unser Autor weiß nach langer Suche endlich, wie er leben möchte und sich wohl fühlt. Doch diese Lebensweise wird bedroht von einem politischen Klima, dass diese Freiheiten ablehnt. Woher uns diese Tendenzen bereits bekannt sein sollten, erfahrt ihr im Text.
„Rosen auf den Weg gestreut“ schreibt Kurt Tucholsky 1931. Jetzt, im Angesicht der erstarkenden Faschisten wird er wieder zitiert; von Danger Dan und jüngst Tocotronic, die mich bei allem, was ich tue, begleiten. Das aktuelle politische Klima löst Ratlosigkeit, Angst und Wut in mir aus, ich bin angespannt und rastlos. Ich fühle mich und meine Lebensweise, mit der ich nach so langer Suche und Kämpfen endlich zufrieden bin, bedroht. Keine Ahnung, was es genau bedeutet, trans*, non-binär und bisexuell zu sein, ich weiß, dass ich frei sein will. Frei sein, so zu leben, wie ich will, und so, dass es mir und den Menschen um mich herum gut geht. Und allein dieser so simple Wunsch wird verhöhnt, missachtet und bedroht. Klar, ich wohne in Münster, bekanntlich „die sichere Insel“ vor der AfD, und ich bin dankbar dafür; aber auch vor Münster werden sie nicht halt machen, genauso wenig wie sie es damals getan haben. Dann wird es eng werden hier, man wird sich ganz schön einmummeln müssen in seinem Einfamilienhaus hinterm Gartenzaun, für alle anderen wird kein Platz mehr sein. Was mich am fassungslosesten macht, ist das Steigbügelhaltertum der anderen. Klar, die AfD sind Faschisten, und von Faschisten zu erwarten, sich wie Demokraten zu verhalten ist eine grobe, gefährliche Unterschätzung – aber Kurt Tucholsky war zynisch und bitter, als er schrieb, ihnen Rosen auf den Weg zu streuen, nicht aufrichtig! Auf der Suche nach dem Wahren, Schönen, Guten wird die Luft immer mehr von den Skrupellosen verpestet. Und die, die schon seit Jahren aufgegeben haben, zu suchen, schauen weg, weil es so lästig ist, dagegen anzukämpfen, aber wenn es niemand tut, werden sie irgendwann unsere Untätigkeit ausnutzen, um uns auch das letzte bisschen das uns lieb und teuer ist, aus den Händen zu reißen, um es unter ihren Springerstiefeln zu zerdrücken.
Ich darf mich nicht der Illusion hingeben, dass dieser Text irgendetwas ändern oder bessern wird, wenn Kurt Tucholsky daran scheitert, habe ich keine Chance – aber die Wut und der Frust müssen raus, damit ich endlich nicht mehr gelähmt bin und weiter machen kann, um wirklich einen Unterschied machen zu können.