Bitte ein März ohne Merz: Wo ist diese Cancelculture?
Sara — 2 Min. Lesezeit
Deutschland, März, Merz. Ich kann und will nicht mehr. Überall im Land wird gewetteifert wer die meisten Ausländer gerade abschiebt oder abschieben wird, wie sehr man arme Menschen hassen und finanziell noch mehr benachteiligen kann und, natürlich, wer am besten reichen Menschen politisch in den Arsch kriechen kann. Zwischendrin der weiße Jürgen, der sich mal wieder darüber aufregt, dass der Syrer ein iPhone hat und der sich einen „Opas gegen Grün“ Sticker auf seinen fetten SUV haut. In diesen Zeiten ist jegliche Lektüre wie „1984“ oder „Animal Farm“ völlig überflüssig, da man sich ganz einfach umschauen und live mitansehen kann, wie Milliardäre sich jegliche politische Macht erkaufen können.
Der kurze Blick nach Amerika zeigt, dass es völlig egal ist, wie offensichtlich ein Musk seine finanziellen Möglichkeiten spielen lässt, es lässt die meisten kalt. Die Migranten sind ja schuld! Und natürlich die Ökoterroristen! Und Frauen! Scheiß Feminismus! Der Gender Gaga!
Ich laufe an einem „Zeit für freie Meinung“ Wahlplakat von der AfD vorbei und möchte kotzen.
Von wegen man kann in diesem Land nix sagen. Man kann alles sagen. Man kann gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe stimmen, man kann fordern, dass Geflüchtete an den Grenzen erschossen werden sollen, man kann so viele Nazi-Codes verwenden, wie man will, man kann Transmenschen konsequenzlos am Arbeitsplatz bedrohen, man kann über bewaffnete syrische Jugendliche reden, die ja in Syrien auch immer Waffen mit sich führen, man kann sogar für Vergewaltigung verurteilt werden und trotzdem ganz entspannt und easy Präsident werden. Gar kein Problem das alles.
Meine Zundschnür wird jeden Tag kürzer. Währenddessen sitzt die weiße Gabi bei mir im Büro und will mir versichern, dass alles gut ist. Niemaaand wird abgeschoben und es ist ja noch Demoookratie. Als hätte es die Weimarer Republik nicht gegeben. Digga, halt den Rand.
Und während sich meine Geschwister aus allen möglichen Communitys Szenarien vorstellen, Todesangst haben und über eine Flucht aus Deutschland nachdenken, ist Gabi völligst entspannt. Und wenn was passiert, hat sie ja von nix gewusst.
Das alles zeigt vor allem eins: Die Mehrheitsgesellschaft will uns migrantische Menschen weder hier haben noch unsere Rechte schützen. In der Sekunde in der angefangen wurde, über Asylrecht, GEAS und anderen Scheißdreck mit den Rechten zu diskutieren und sich ihnen anzubiedern, ist dieses ohnehin schon empathielose Land, in dem man nie willkommen war, noch mehr nach rechts gerutscht. Und was alle immer wieder gerne vergessen: Am liebsten wird immer das Original gewählt. Nämlich Nazis. Und Armut verschwindet auch nicht einfach so, wenn alle Ausländer weg sind.
Die Kohle ist nämlich woanders: bei den Superreichen.