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Me Myself & I / Lina / 10. Juli 2025

Alle Farben, die ich war

Lina

Lina 2 Min. Lesezeit

#alle farben #Featured #pride month

Lina beschreibt eine bewegende Reise durch Farben, Identitäten und Liebe – eine Geschichte über Mut, Wandel und das wahre Ich.

Mein erster Pride,
fast zehn Jahre her,
die Straßen ein Regenbogenmeer:
Rot
Orange
Gelb
Grün
Blau
Violett  Ich lief mit,
nur um Freunde zu supporten.
Ich lief mit,
weil Schweigen nie meins war.
Ich lief mit,
um einfach da zu sein.
Ein Jahr später:
gehüllt in Rosé und Weiß –
die Farben der Lesbian Pride.
Mein Vater neben mir in Dresden,
trug ein Schild:
„My daughter is gay and I’m damn proud.“

Jahre in denselben Farben,
im selben Label,
als wär das mein Platz.
Dann traf ich jemanden –
er, trans.
Und plötzlich:
neue Farben
Die Flagge wechselte.
Pink
Gelb
Blau
Pansexual Pride.

Doch der CSD war nie nur Party.
Es war Widerstand.

Dann:
wieder ein Wandel.
Schwarz
Weiß
Gelb 
Lila
Nonbinary Pride.
Ich weiß nicht,
ob das alles in Frage stellt
oder endlich eine Antwort ist.
Ich weiß nur:
Ich bin keine Frau.
Ich war nie „sie“.
Ich verstehe nicht,
was eine Frau sein soll –
nicht biologisch,
nicht gesellschaftlich.
Ich finde mich nicht
in Kategorien,
die mich nie gefragt haben.
Und trotzdem,
ich war all diese Farben.
War rot, rosa, pink, gelb,
blau, weiß, lila,
und jedes Mal
war ich echt.
Ich kann nicht sagen,
ob ich die Pan- oder die Nonbinary-Flagge trage
in diesem Jahr.
Oder mit wem ich laufe.
Aber ich laufe.
Weil ich dich heiraten will.
Weil ich Angst habe
vor denen,
die uns nicht wollen.
Weil ich glaube,
dass unsere Liebe
Revolution ist.
Und wenn ich wieder wechsel –
Farben, Namen, Pronomen –
dann nicht, weil ich unentschlossen bin,
sondern weil ich wachse.
Und egal, welche Flagge,
ich trage sie stolz.
Denn alle Farben, die ich war,
waren ein Teil
vom Regenbogen.