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Meine Stimme / Malik / 2. Oktober 2025

Pumpen gehen & Geld verdienen

Malik

Malik 2 Min. Lesezeit

#Featured #Kapitalismus #Männlichkeit

Kapitalismus braucht „echte Männer“ – aber Männer brauchen Freiheit. Malik’s erster Text auf meintestgelände handelt von Druck, Vorbildern und die Chance auf neue Männlichkeiten.

Als trans mask Person analysiere ich das Bild von Männlichkeit schon bevor ich von
mir selbst überhaupt eingestanden habe, dass ich trans bin. Ich beobachte, imitiere:
Wie verhalten sich in unserer Gesellschaft als männlich angesehene Männer? Wie
und worüber reden sie? Wie gestikulieren und wie laufen sie? Wie verhalten sie sich?
Was kann ich davon nachahmen, um von anderen männlicher wahrgenommen zu
werden?

Auch wenn ich durch meine For-you-Page auf TikTok scrolle, wird mir die
Frage von Männern regelmäßig beantwortet: Geh ins Gym, geh pumpen, zieh durch.
Sei ein echter Mann. Nur dann hast du was zu sagen, wirst ernst genommen, bist
angesehen. Ein echter Mann ist unabhängig, reich, unberührbar. Halt durch sowie
Andrew Tate, Elon Musk, Christian Wolf. Dabei ist Männlichkeit an sich eigentlich gar
nicht das Problem. Nur das, was wir daraus machen.

Je größer die Schere zwischen Arm und Reich ist, desto gefestigter sind auch
Geschlechterrollen. Im kapitalistischen System sind Unabhängigkeit und Reichtum
das höchste Gut. Demgegenüber steht die große Angst vor Armut und Menschen
nach Hilfe fragen müssen. In unserer Gesellschaft wird Unabhängigkeit mit dem
starken Männlichen in Verbindung gesetzt, während Sensibilität und Fürsorge häufig
mit etwas schwachen Femininen verbunden werden. Kapitalismus braucht das
Patriarchat. Kapitalismus braucht Menschen, die immer mehr leisten, in Konkurrenz
miteinander stehen, sich vergleichen. Wer in diesem Spiel nicht mithalten kann,
landet unten in der Hierarchie.

Was fehlt sind mehr männliche Vorbilder. Auf Social Media, aber vor allem endlich
auch offline. Postet nicht nur zu feministischen Themen, sondern sagt euren
Kumpels endlich, dass sie nerven und aus ihrem Mund nur misogynes oder
queerfeindliches Gelaber kommt, weil sie denken, so ihre Männlichkeit stärken zu
können. Männliche Vorbilder und das Ansprechen im persönlichen Umfeld sind
wichtig, doch wir müssen noch weitergehen. Denn solange die Strukturen bleiben,
bleibt auch der Druck ein „echter Mann“ zu sein.

Es braucht politische Veränderungen. Es braucht endlich ein Ende der stetig
auseinandergehenden Schere zwischen Arm und Reich. Mehr Umverteilung, weil
extreme Ungleichheit nicht nur unfair ist, sondern auch das Bild des echten Mannes
verstärkt. Und feministische Politik, die auch Männer von diesen starren
Rollenbildern befreit.

Erst, wenn wir diese Strukturen verändern, können Männer frei von der ständigen
Angst sein, nicht männlich genug zu sein. Vielleicht ist die Frage nicht: Wann ist ein
Mann ein Mann? sondern: Warum lassen wir uns von einem System definieren, das
nur auf Geld und Konkurrenz schaut? Vor allem: Wie lange machen wir das noch?

Wir müssen die kapitalistische Männlichkeit überwinden.
All das hält uns davon ab, unsere Stärke im Kollektiv zu entdecken.