Der neue Text von Sara zeigt, warum alte Rollenbilder nicht nur Frauen, sondern gerade auch Männer schaden – und warum echte Gleichberechtigung der Ausweg sein kann.
Nichts stößt mich mehr ab als Männer, die über ihre eigene Einsamkeit jammern und dabei völlig ausblenden, dass es vielleicht ihre eigene Art ist, die sie von echten, gesunden Beziehungen abhält und nicht die „bösen emanzipierten Frauen“.
Wir leben in Zeiten, in denen Männer nicht mehr automatisch durch patriarchale Machtstrukturen eine Partnerin auf dem Silbertablett serviert bekommen. Heute reicht es nicht mehr, einfach „Mann zu sein“. Heute müssen sie etwas bieten: emotional, menschlich, partnerschaftlich. Männer sind keine gottgegebenen Instanzen, denen Frauen als Besitz übergeben werden. Zum Glück. Diese Zeiten sind, zumindest weitgehend, vorbei.
Und dann stehen sie da: Männer wie Elon Musk, die lauthals klagen, der moderne Feminismus sei schuld an der Vereinsamung des Mannes. Die Realität ist viel unbequemer: Ja, Männer leiden. Besonders, wenn es um mentale Gesundheit geht. Viele haben nie gelernt, sich Hilfe zu suchen, sich zu öffnen oder einfach zu sagen: „Mir geht’s nicht gut.“ Das Leiden ist real – aber es hat nichts mit dem Feminismus zu tun.
Es liegt daran, dass Männer von klein auf dazu erzogen werden, hart zu sein, unabhängig, emotional abgestumpft. Gefühle zeigen? Schwäche. Hilfe annehmen? Unmännlich. Kein Wunder, dass viele Männer sich keine echten Netzwerke aufbauen, keine Freundschaften pflegen, in denen man sich fallen lassen kann. Und dann sind sie allein – nicht wegen Frauen, sondern wegen einem Männlichkeitsbild, das von anderen Männern aufrechterhalten wird.
Was Männer brauchen, ist nicht mehr Dominanz oder die Rückkehr zu alten Geschlechterrollen. Was sie brauchen, sind andere Männer, die sie auffangen, die sagen: „Es ist okay zu weinen.“ „Es ist okay, Hilfe zu wollen.“ Gefühle zu zeigen ist keine Schwäche, es ist menschlich. Und wenn ein Mann weinende Männer verachtet, dann zeigt das nur, wie sehr er selbst in einem zerstörerischen Männerbild gefangen ist.
Ich kenne viele Frauen, die in Beziehungen mit Männern leben, die von Rechten und Alpha Males sofort als „Soyboys“ beleidigt würden – nur weil sie Care-Arbeit leisten, empathisch sind, Verantwortung in Beziehungen übernehmen und ihre eigene Sozialisation reflektieren. Diese Männer führen keine Frau, sie leben in einer Beziehung, auf Augenhöhe. Und das funktioniert. Weil sie kein Machtspiel spielen, sondern sich gegenseitig als Menschen begegnen.
Und ja, wir leben in einer Zeit, in der Frauen in Deutschland immer liberaler werden, während viele Männer ins Konservative zurückfallen. Das ist kein Zufall. Die „male loneliness epidemic“ zeigt uns nicht, dass Männer von Frauen verlassen werden. Sie zeigt, dass einige Männer sich in ein rückwärtsgewandtes Frauenbild flüchten, in dem Frauen wieder Objekt, wieder Dienerin, wieder still sein sollen. Wer dieses Bild von Beziehung für richtig hält, braucht sich über mangelnde Resonanz von Frauen nicht wundern. Denn heute wollen Frauen – zurecht – auf Augenhöhe leben. Als Mensch, nicht als Trophäe.
Es wird Zeit, dass patriarchale Strukturen aussterben. Nicht nur für FLINTA, sondern gerade auch für Cis-Männer. Sie leiden oft mehr darunter, als sie selbst verstehen. Sie merken nicht, dass eine Welt, in der sie sich öffnen dürfen, in der sie nicht dauernd „stark“ sein müssen, auch für sie besser wäre. Weicher. Ehrlicher. Gesünder.
Aber leider profitieren gerade die reichsten und mächtigsten Männer so stark von diesen alten Strukturen, dass ihnen ihre eigene mentale Gesundheit am Ende völlig egal ist. Solange sie gewinnen, ist alles andere egal. Und das ist vielleicht der traurigste Teil: Dass sich Männer selbst opfern, für ein System, das ihnen vorgaukelt, stark zu sein, während es ihnen Stück für Stück schadet.