Das Ende einer Beziehung bedeutet nicht automatisch das Ende der Gefühle – sogar wenn die Trennung das Richtige war.
Ich laufe in der Küche auf und ab. Es ist noch ungemütlich von der letzten Putzaktion meines paranoiden Mitbewohners. Ich denke an dich. Eigentlich ist nichts passiert, um das man viel Aufhebens machen müsste. Jetzt geht es so weiter wie vorher, aber ich fühle mich verändert. Ein Riss in der Realität, jemand hat die Tür zu einem Paralleluniversum einen Spalt breit geöffnet, und jetzt stehe ich gelähmt vor ihr und bewundere die funkelnden, bunten, feurigen und angsteinflößenden Farben. Ich weiß, dass ich nicht hindurchgehen werde, mit Gewissheit. Aber ich stehe wie angewurzelt und staune. Ich meine, eine Schwere in dir gespürt zu haben. Ich hatte nicht erwartet, mal der mit Zufriedenheit und Leichtigkeit zu sein, vor allem nicht von uns beiden. Ich hätte gedacht, du hast es auch gefunden, das Etwas, das dir fehlt, ich hab’s dir gewünscht, es nimmt mich mit, dich so zu sehen. Und es verwirrt mich, wenn du sagst, dass du froh bist, dass ich noch lebe. Für mich ist das so lange her… auf eine merkwürdige Art rührt es mich. Dieses Stückchen von dir werde ich immer in mir tragen. Aber es ist gut so, wie es ist. Diese Intensität und Zweisamkeit lässt sich auf Dauer nicht aushalten, ich will mich nicht mehr so zerreißen lassen. Ich habe etwas von deiner Schwere mitgenommen. Ich bin still, nachdenklich, weit weg. Was machst du wohl gerade? Wie hältst du das aus? Wahrscheinlich kennst du’s gar nicht anders. Ich hoffe, du findest noch, was du suchst. Ich hab dich zu gern, um dich so mitanzusehen.