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Meine Welten / Celine / 17. Oktober 2024

Zwischen Mauern und Gedanken

Celine

Celine 3 Min. Lesezeit

#Featured #Leben - wie ich will #Psyche

„Morgens begrüßten dich die Sorgen, fast wie alte Bekannte.“ – Celines eindrückliche Beschreibung eines Psychiatrie Aufenthalts ist ein ehrlicher Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt einer jungen Frau, die für Heilung kämpft.


Es war ein Samstag, als die Welt um dich herum stillstand und sich veränderte. Der Flur der Klinik war grell beleuchtet, das Weiß der Wände blendete und die geschlossenen Türen wirkten bedrohlich. Sie schienen dich zu umschließen, und mit einem Mal war alles anders. Die Station, die Menschen, das Gefühl, hier festzustecken – das alles prallte auf dich ein. Du warst plötzlich Teil dieser Welt, in der nichts normal schien.

Die erste Nacht war eine der schlimmsten. Deine Zimmernachbarin, eine Frau, die in ihrer eigenen Welt gefangen war, nahm deine Kleidung, als wäre sie wertlos, und benutzte sie wie Papier. Der Schock und das Chaos, das sich in dir breitmachte, raubte dir den Atem. Doch irgendwo in dir wuchs eine kleine, kaum spürbare Kraft. Sie hielt dich fest, ließ dich nicht fallen. Du fandest Halt in Büchern, die du langsam Seite für Seite durchblättertest, als wäre jedes Wort eine Brücke zu etwas, das außerhalb der Mauern lag. Es half dir, dem Dunkel zu entkommen – zumindest für eine Weile. Doch die Trauma-Erinnerungen waren wie schwere Lasten, die sich auf deine Schultern legten. Es gab Tage, da wolltest du aufgeben, doch irgendetwas in dir kämpfte weiter. Jeder Tag begann ähnlich. Morgens begrüßten dich die Sorgen, fast wie alte Bekannte.

Du bekamst Schlaftabletten, doch sie hinterließen ein unwohles Gefühl. Dein Herz raste, als ob es gegen den inneren Druck ankämpfte, und ein Ausschlag zog sich über deinen Körper. Aber du spürtest auch, dass du bereit warst. Bereit für das, was kommen musste. Du hofftest darauf, auf die offene Station verlegt zu werden – ein kleiner Schritt in Richtung Freiheit. Deine Nachbarn auf der Station wirkten verrückt, manche wirklich tief verloren in ihren eigenen Realitäten. Eine Frau schrie nachts, ein anderer Mann murmelte endlose Monologe, aber du lerntest, ruhig zu bleiben.

Du versuchtest, deinen inneren Frieden zu finden, suchtest in dir selbst nach einem Ort, der nicht von den äußeren Umständen betroffen war. Mit jedem Atemzug, den du tief in deine Lungen zogst, mit jedem Schritt durch den Flur, flehtest du innerlich zu Gott. Du batst um Stärke, um ein Licht, das dir den Weg zeigen würde. Die Tage schlichen langsam dahin. Es fühlte sich oft so an, als würde die Zeit in dieser Klinik stehenbleiben. Jeder Tag gleich, und doch so schwer. Aber da war auch die Sonne. Du lagst draußen auf einer Bank, die Kopfhörer tief in die Ohren gesteckt, und ließest die Musik dich umhüllen. In diesen Momenten war die Welt fern, und du warst nur du selbst.

Du wusstest nicht, wohin der Weg führen würde, doch du spürtest, dass es irgendwo hingehen musste. Drei Monate vergingen. Langsam, aber sicher. Und in diesen Monaten wuchs in dir eine neue Stärke. Es war keine Stärke, die laut oder sichtbar war. Sie war still, sie entstand aus den kleinen Dingen. Aus den Gedanken, die du ordnetest, aus den Tränen, die du zuließest. Du baust dir dein eigenes Haus, Stein für Stein – in dir selbst. Und als die Zeit kam, die Klinik zu verlassen, wusstest du, dass dich nichts brechen konnte. Nicht die Mauern, nicht die Gedanken.

Du hattest überlebt.

 

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