Feministischer Kampftag
Lina — 7 Min. Lesezeit
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Der feministische Kampftag ist noch nicht lange her und vielleicht bist auch du am 8. März über folgende Frage in einer der unzähligen Kommentarspalten gestolpert: „Und wann ist Weltmännertag?!“ Die Frage ist meist garniert mit einer Portion Wut, getragen von der Unwilligkeit Google zu benutzen, um das Datum selbst herauszufinden. Unsere Autorin Lina stellt fest, dass Männer immer noch nicht so richtig verstanden haben, worum es am 8. März geht und hat den Spieß einmal umgedreht.
Am 8. März war feministischer Kampftag und ganz ehrlich ich bin müde, ich bin müde und frustriert. Die einen werden alles was ich sage kennen, die anderen betreten zuhören, johlend applaudieren und dann wird sich doch nichts ändern.
Und wenn noch ein einziger Typ sagt „Hä, aber wann ist eigentlich Männertag und hasst ihr jetzt eigentlich Männer?“ kann ich nur sagen: Nein, Bernd, ich hasse keine Männer, aber ihr macht es einem echt schwer. Noch so eine blöde Aussage und ich gehe mit Instant-Kartoffelpüree-Pulver auf deinen Rasen und das nächste Mal wenn es regnet hast du den Salat – oder besser den Brei.
Du hast davor Angst, dass wir keine Gleichberechtigung, sondern Rache wollen. Dann drehen wir es doch mal um, einen einzigen Tag.
Was, ihr zahlt Männern heute weniger? Honey, das ist schon seit Jahren nicht mehr das einzige Problem.
Wir machen Steuern auf dies, Steuern auf das. Was es ist blau? Kostet doppelt so viel der Spaß.
Im Bus werdet ihr belästigt und du hast Schuld daran, denn du hast ja dieses eine Outfit getragen.
Wir haben Körperbehaarung und bei uns ist das normal, ihr auch aber bei euch richtig eklig – Doppelmoral, wenn ihr was richtig Gutes geschafft habt, egal ob im Männerfußball oder beim Männer-Eishockey oder beim Männerreiten, dann war das so ein richtiger Boy-Boss-Moment, Glitzer, Slay. Aber danach fragen wir euch mal ganz eindringlich, wie ihr dieses Karriereverhalten mit euren Spermien vereinbaren könnt, da könnten Kinder draus entstehen, da würde ich mir schon Gedanken machen. Aber Slay King!
Ihr werdet nur tanzen gehen wollen, aber wir wissen doch, dass ihr es für uns tut und naja, wenn ihr untereinander eure Jungs küsst beim Feiern, dann ist es offensichtlich doch nur Show. Also mein Partner darf ja immer was mit anderen Männern haben, nein das ist für mich kein Betrügen, denn wenn eine richtige Frau kommt, dann weiß man schon, was man hat.
Wir machen uns lustig, dass ihr in Gruppen auf Toilette geht.
Wir werden von euch wieder und wieder hören, dass ihr euch im öffentlichen Verkehr unwohl fühlt, dass ihr angestarrt werdet, dass ihr angequatscht werdet und jeder wegschaut oder das besoffene Frauen gegen euch fallen und euch dabei berühren. Aber sorry, wir werden jeden Sonntag zu Taylor Swift Konzerten im Stadion gehen, alle glitzernde Outfits tragen und unkontrolliert saufen. Danach reißen wir laut Witze und können uns nicht kontrollieren, vor allem, wenn da ein Mann in der Bahn sitzt. Aber Hallo, das hat Tradition.
Und dann Pissen wir überall hin mit unseren Urinellas, jeder Mann musste in seinem Leben schon unfreiwillig tausende Clits sehen, aber hahahahaha, das hat euch doch geil gemacht oder, genauso wie unsere Clitpics, die wir einfach verschicken. Wir werden überall, an jede Toilette, an jedes Schulheft und an jede Tafel Clits malen aber wissen, wie ein Penis aussieht, oh nee, also da bin ich überfragt, den findet man ja meist so schlecht.
Wir werden nicht verstehen, was du meinst, sorry, das können wir nicht nachvollziehen. Bis du uns sagst, sowas könnte auch mit unserem Bruder oder unserem Sohn passieren. Dennoch verabschieden wir neue Gesetze, die über die Körper von Männern entscheiden aber Männer sitzen nicht am Tisch. Was, du willst deiner kranken Schwester eine Niere spenden? Da muss erstmal der Ethikrat, der nur aus Frauen besteht, entscheiden. Und wir sagen Nein.
Und am Ende sagen wir: Männer von heute verstehen einfach keinen Spaß mehr, ja lächle doch mal mehr, lächle doch mal mehr.
Dann schauen wir einen Film der „Ken“ heißt und sagen danach ohhhh, wie Deep das wussten wir ja gar nicht, obwohl wir dieses System errichtet haben. Wir sagen, das ist ja erleuchtend und revolutionär, obwohl es nur Erkenntnisse sind, die jeder Mann mit neun mit seinen Jungs auf dem Kindergeburtstag hatte und wir sind so „Nein, das war so anschaulich und mit so guter Musik“ und wir werden ignorieren, dass alles, was in dem Film gesagt wurde, schon von Menschen aus unserem Umfeld gesagt wurde aber da haben wir eben nicht zugehört. Nach dem Film „Ken“ gehen wir in den Film Meitner, ihr wisst schon Lise Meitner, ohne die es nicht möglich wäre Kernspaltung zu nutzen. In ihrem Film reden Männer keine 5 Minuten über etwas anderes als Frauen und es geht um Krieg – richtig gut. Ja, leider hat ihr Kollege Oppenheimer auch was beigetragen aber den konnten wir echt nicht im Film erwähnen, der hatte nicht so Potential aber weißt du, was Potential hat? Wir machen ein Kinospezial und nennen es Meitnerken oder Kenmeitner, weil beide Themen sind so equally wichtig.
Bei der kleinsten Anfeindung schreien wir euch entgegen: Aber nicht alle Frauen, ich habe ja noch nie was einem Mann getan, ich bin nicht das Problem und dann klopfen wir uns auf die Schulter.
Wenn rauskommt, dass eine Freundin übergriffig oder scheiße war, dann tut mir das leid sind halt Frauen, ist schon nicht okay, aber wir sind halt BFFs, man weiß ja langsam nicht mehr, was man darf. Nach deinem Nein hätte sie dir jetzt nicht an den Arsch gehen dürfen aber das konnte ja keiner ahnen und zu mir war die ja immer korrekt.
Sollen wir jetzt die Musik meiner Lieblingsband nicht mehr hören, nur weil da so ein bis zwanzig Männer lügen, dass da was nicht einvernehmlich abgelaufen sein könnte, die können sich das ja auch ausgedacht haben – um denen zu schaden, Hallo?!
Und von all den Frauen, die beschuldigt werden, kennen alle die Namen, aber von den Männern puh da braucht man nicht fragen, aber ja wegen Aufmerksamkeit, nur wegen Aufmerksamkeit haben die das gemacht.
Na und, dann ist maskuliner Kampftag, also ich bin ja auch voll für Männer und ich denke, an diesem Tag sollte ich als weiblich gelesene Person was sagen. Wenn nicht heute, wann dann? Das ist mein Moment, den Raum sollte ich mir nehmen und dann sage ich ins Mikro: „Man darf Männer als Menschen sehen“ und ihr steht auf und tobt, weil endlich sagt es mal jemand. Also nicht nur jemand, ich, naja und die Männer im Backstage und auf anderen Bühnen, aber hier musste einfach ich das Wort ergreifen.
Das Alles ist wie das Gefühl, schon im Bett zu liegen und zu müde zu sein, um aufzustehen aber zu dolle pinkeln zu müssen, um einschlafen zu können – frustrierend.
Denn ganz ehrlich, wir drehen das nicht um, seid froh.
Wir wollen keine Rache, sondern Gleichberechtigung.
Aber noch so‘n feministische Text – das muss ja wohl nicht sein,
Ihr sagt, ihr könnt das nicht mehr hören?
Und ich würd‘ gerne schrei’n
Denn wir reden und reden gegen eine Wand
Appellieren an Moral oder den Verstand
Und am Ende heißt es nur, wie laut wir wieder waren
Richtig ungemütlich, sehr schwer zu ertragen.
Auch wenn du für ne Frau lustig bist, lad ich dich trotzdem nicht gern ein. Dann muss man ja plötzlich auch im Backstage korrekt sein.
Ich kann es doch auch nicht mehr hören und will es nicht mehr sagen, doch jeden 8. März hagelt es die gleichen Fragen:
Uh, wann ist denn Männertag? Junge Google einfach selbst, ihr habt auch nen Tag, und rate mal was, wenn FLINTA* es nicht organisieren, passiert da auch nichts, du weißt ja nicht mal, wann er ist.
Es interessiert mich nicht mehr, ob mein Feminismus dir unangenehm ist, jeden einzelnen Tag meines Lebens haben Männer unangenehm gemacht.
Entschuldigt bitte, dass ich gerade nicht lustig bin, wie sonst, doch ich kann’s ja mal versuchen:
Auch bei dem 3. Platz der Fußballmeisterschaften bekamen Männer Tausende von Euros und Frauen als Europameister halt nur Kaffeeservice und Kuchen.