Home / Videos / Post Pride Month Gedanken

Videos / Sara / 24. Juli 2025

Post Pride Month Gedanken

Sara

Sara 3 Min. Lesezeit

#Featured #pride month

Der Pride Month ist vorbei und Sara hat sich im nachinein einige Gedanken gemacht – über Unsichtbarkeit, Angst, Privilegien und warum queere Sichtbarkeit heute wichtiger ist denn je.

Der Pride Month ist schon seit einigen Tagen vorbei, und mir ist aufgefallen, dass ich ihn dieses Jahr gar nicht richtig gefeiert habe.
Als queere Person mit vielen queeren Freund*innen war ich all die Jahre über in verschiedenen Städten unterwegs. Ich hatte die Termine schon Wochen im Voraus im Kalender stehen und habe dem Ganzen regelrecht entgegengefiebert.

Für uns war Pride nie nur Party – es war immer auch Demonstration. Ein bewusster Rückbezug auf die Ursprünge von Stonewall, mit kämpferischem Charakter und dem Ziel, für unsere Rechte einzustehen – und nicht nur für unsere eigenen, sondern vor allem für die Rechte von trans* Personen, BIPoC und anderen mehrfach diskriminierten queeren Menschen.

Dieses Jahr war ich noch auf keiner einzigen Parade. Die einzige Pride, die ich fest eingeplant habe, ist die in meiner Heimatstadt. Als ich vor Kurzem Aufnahmen vom CSD in Köln auf Social Media gesehen habe, war mein erster Gedanke nicht – wie sonst jedes Jahr – „Mist, schon wieder Köln verpasst, nächstes Jahr muss ich unbedingt hin“, sondern:
„Hoffentlich passiert nichts.“

Als bisexuelle Cis-Frau, die in einer Beziehung mit einem Cis-Mann lebt, ist meine queere Identität im Alltag kaum sichtbar – weder auf der Arbeit noch sonst irgendwo. Ich erfülle klassische Geschlechterrollen, bin optisch unauffällig und werde oft als hetero wahrgenommen. Meine Sexualität, meine Beziehung oder mein Genderausdruck sind selten Thema. Und genau mit diesen Privilegien habe ich im Alltag die Möglichkeit, mich für weniger privilegierte queere Menschen einzusetzen – ohne mich dabei selbst in Gefahr zu bringen.

Und trotzdem habe ich dieses Jahr das Gefühl, dass ich einen Teil von mir in der Pride-Zeit versteckt habe.

Als Tochter von Migrant*innen – vor allem mit einem Vater, der viele Rassismuserfahrungen gemacht hat – weiß ich genau, wie sich Ausgrenzung anfühlt. Auch wenn ich vieles nicht direkt miterlebt habe, spüre ich seinen Schmerz fast körperlich.
Um ähnliche Erfahrungen selbst zu vermeiden, habe ich – auch, weil ich einigermaßen white-passing bin – früh gelernt, mich sprachlich, kulturell und optisch komplett anzupassen.

Diese Strategie macht meine Angst vor dem Rechtsruck und vor Nazis zwar nicht kleiner, aber sie bietet mir die Möglichkeit, möglichst wenig Angriffsfläche zu geben. Mit meiner Sexualität gehe ich ähnlich um – nur dass ich sie komplett verbergen kann.

Die aktuelle Entwicklung in der Welt macht mir große Angst. In meiner Heimatstadt auf den CSD zu gehen, fühlt sich für mich trotzdem sicherer an – weil ich das Privileg habe, in einer Stadt zu leben, die einigermaßen akzeptierend ist.
Aber auch hier werden trans* Personen vor Clubs zusammengeschlagen. Und wenn ich daran denke, wird mir schlecht.

Mein Herz tut weh. Besonders wegen der queeren Menschen, die sich nicht verstecken können – die jeden Tag Hass, Ausgrenzung und sogar körperliche Gewalt erleben.
Sie verdienen ein freies, selbstbestimmtes und vor allem sicheres Leben.
Queer people deserve to grow up.
So viel Schmerz könnte vermieden werden, wenn diese Welt endlich eine andere wäre.

Und genau deshalb gilt für mich: rausgehen, laut sein, sichtbar bleiben. Ein Zeichen setzen.
Black trans people haben uns den Weg zu Menschenrechten eröffnet.
Lasst uns diese Rechte schützen – und weiter demonstrieren. Vor allem für die, die es nicht mehr können.

Dies könnte euch auch gefallen