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Meine Stimme / Romy / 16. September 2025

Misogynie und Männlichkeit – wenn toxische Ideale zum Hass werden

Romy

Romy 4 Min. Lesezeit

#Featured #Männlichkeit #Misygonie

Romys neuer Text handelt von Misogynie, toxischer Männlichkeit und wie Hass in sozialen Netzwerken Form annimmt.

[Trigger Warnung: In diesem Artikel geht es unter anderem um das Thema Gewalt an Frauen. Nummern für Hilfstelefone und Beratungsstellen findet ihr am Ende des Artikels.] 

„Es spielt keine Rolle, ob eine Frau Anwältin, Hausfrau oder Webcam-Girl werden will. Wenn sie keinen Mann hat, der sie anleitet, wird sie es vermasseln. Sie sind einfach nicht dazu geschaffen, völlig unabhängig zu sein. […] So etwas wie eine unabhängige Frau gibt es nicht, sie sind alle bis zu einem gewissen Grad von einem Mann abhängig.“  

Das ist ein Zitat des ehemaligen Kickboxers und Influencers Andrew Tate. Ein Mann, der in den sozialen Medien vor allem eines verbreitet: Hass und Gewalt. Mit Aussagen wie „Ich hole die Machete raus, schlage ihr ins Gesicht und packe sie am Hals. Halt’s Maul, Schlampe“ auf die Frage was er tun würde, wenn ihn seine Partnerin des Betrugs beschuldige, macht Tate eine Form des Frauenhasses sichtbar, dessen Ausmaß den meisten so noch gar nicht bewusst ist: In der sogenannten „Manosphere“ in den sozialen Medien werden sexistische Überzeugungen und besonders toxische Männlichkeitsbilder rasend schnell verbreitet. 

Der Abgrund der „Manosphere“ 

Die Manosphere kann in verschiedenen Formen und in unterschiedlichen Onlinecommunities auftreten. Das können Dating- oder Männlichkeitcoaches sein, Pick-Up-Artists oder beispielsweise Inzels – das sind Männer, die unfreiwillig keinen Sex haben. Schuld am „unfreiwilligen Zölibat“ seien natürlich die Frauen.  

Auch in ihren Zielen unterscheiden sich die Communities der Manosphere. Manche Männer wollen Sex von Frauen, von dem sie fest davon überzeugt sind, er stünde ihnen zu. Andere streben es an, endlich ein „richtiger Mann“ zu werden – in dem Kontext fällt gerne mal der Begriff „Alpha“. Viele wollen auch nur eines: Ihren tiefverwurzelten und abgründigen Hass gegenüber Frauen verbreiten. Obwohl sich die Gruppen innerhalb der Manosphere teils voneinander differenzieren, bauen sie alle auf derselben Basis auf: auf toxischen Männlichkeitsbildern. Unterstützer dieser Netzwerke sind meist fest davon überzeugt, es gäbe eine einzige „richtige“ Männlichkeit. Ein gutes Beispiel davon ist Maximilian Krah von der AfD – auch er versucht auf TikTok und Instagram jungen Männern zu vermitteln, was es bedeuten solle, ein „echter Mann“ zu sein: „Echte Männer sind rechts, echte Männer haben Ideale, echte Männer sind Patrioten, dann klappt es auch mit der Freundin“, sagt er in einem Video.  

Weitere scheinbar anstrebende und „männliche“ Charaktereigenschaften in der Manosphere seien außerdem: führend, bestimmend, stark, unsensibel, … und das Schlafen mit vielen, vielen Frauen. In diesen Communities liegt der Fokus nämlich sehr oft auf dem Thema Sex. Sex stünde ihnen zu. Frauen „schulden“ Sex. Sex sei ein Recht. Manche gehen dabei einen Schritt weiter: Wenn sie den Sex nicht bekommen, dann holen sie ihn sich. 

Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram 

Im Dezember letzten Jahres wurde von einem Reportagenteam von STRG_F ein abscheuliches Netzwerk auf Telegram aufgedeckt. Ein Vergewaltiger-Netzwerk. Beteiligt waren tausende von Männern, die sich in den Gruppen gegenseitig über Betäubungsmittel und K.O-Tropfen austauschten: welche Dosis die Täter brauchen, wie man den Frauen die Drogen am besten in Getränke mischt, wann sie wirken – und wann die Täter freie Bahn haben würden, das Opfer zu missbrauchen. Es wurden Bilder geteilt, Tipps gegeben, zu Taten angestachelt. „Irgendwelche starken Drogen, um diese Prinzessin in den Schlaf zu schicken und sie zu vergewaltigen?”, schreibt ein User in der Gruppe. Es ist ein Netzwerk von Abscheu und Unmenschlichkeit. Es ist die Spitze an Frauenhass. 

Kein Einzelfall 

Gerade weil solche Gruppen nicht täglich aufgedeckt werden, gehen viele davon aus, all das seien nur Einzelfälle – tragisch, aber Einzelfälle. Die Realität sieht aber anders aus. Gewalt an Frauen findet nicht nur in den dunklen und tiefen Ecken des Internets statt. Sie passiert jeden Tag. Sie passiert in den meisten Fällen in den eigenen vier Wänden, das zeigte unter anderem der Fall von Gisèle Pelicot: eine unglaublich mutige Frau, die von ihrem eigenen Mann und zahlreichen weiteren Tätern über Jahrzehnte hinweg betäubt und missbraucht wurde. Solche Netzwerke der Manosphere sind also keine Randerscheinung, sondern ein radikaler Ausdruck der Misogynie, die tief in unserer Gesellschaft feste Wurzeln geschlagen hat. Und nicht nur die Frauenfeindlichkeit wird in dieser Sphäre deutlich: Die Netzwerke zeigen auf, das toxische Männlichkeit töten kann. Wenn männliche Personen tief davon überzeugt sind, Kontrolle über eine Frau haben zu dürfen, das Recht auf den Körper einer Frau zu haben, kann das ein Todesurteil sein. Gerade deshalb ist es so wichtig, niemals wegzusehen.  

Beratungsstellen und Hilfstelefone: 

Deutschlandweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016 

Anrufstelle bei häuslicher Gewalt: 116 006 

Weitere Informationen zur Beratung bei Gewalt