Es gibt viele Formen der Liebe. Marie hat eine ganz besondere kennengelernt: Die bedingungslose Liebe.
Ich hatte in meiner gesamten Jugend viele „Liebesbeziehungen“. Die Einen kürzer, die Anderen
länger, oft war es die berühmte „Liebe fürs Leben“. In der Pubertät lernt man, was Liebe
überhaupt ist, meistens bleibt es beim „verliebt sein“ und die richtige Liebe, beziehungsweise den
Unterschied vom verliebt sein zur richtigen Liebe merkt man, wenn das Erwachsenenalter beginnt
und es in der Liebe auf etwas ankommt.
Gemeinsame Wege gehen, heiraten, Kinder bekommen, gemeinsame Strukturen, Routinen, Alltag,
also wenn man eben das Leben gemeinsam lebt, geht die Liebe irgendwie tiefer.
Versteht man, was ich meine?
Ich möchte hier aber gar nicht über die typische Liebe zu einer/einem PartnerIn schreiben,
sondern über eine Liebe, die ich in dieser Form in meiner gesamten Jugend noch nie gefühlt
habe.
Also nichts, was ich einfach so, während der Pubertät, kennengelernt habe.
Es ist die Liebe, die ich lebe, seit ich mit einundzwanzig das erste Mal Mutter geworden bin.
Heute habe ich drei Kinder und kann sagen, dass genau DAS für mich LIEBE LEBEN bedeutet.
Leben erschaffen zu haben, die man mit Liebe füttert und genau das selbe unaufgefordert
zurückbekommt, das Gefühl, dass man irgendwie auch dieser Mensch ist, in Kleinformat, aber
eben diese Verbundenheit, weil diese Menschen in meinem Körper entstanden sind.
Diese Liebe, die ich jeden Tag, jede Nacht, einfach immer meinen Kindern gegenüber spüre, ist
mein Leben und für mich auch einfach die Definition für Leben.
Natürlich fühle ich meinen Kindern gegenüber nicht diese Liebe, wie ich sie einem Partner
gegenüber fühle, das wäre auch etwas seltsam und strafbar, man spürt keine körperliche
Anziehungskraft, daher kann man das auch absolut nicht miteinander vergleichen, obwohl beides
eben eine Liebe ist.
Nichtsdestotrotz ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Gegenüber seiner Kinder hat man einen Beschützerinstinkt, Verantwortung, man sorgt dafür, dass
das Kind überlebt, sich sicher fühlt, es etwas lernt, es mit Fragen zu einem kommen kann, es ist
eine mütterliche Liebe (in meinem Fall, da ich ja nicht der Vater bin), die mir auch so viel mehr wert
ist!
Warum? Weil man sich in einer Partnerschaft trennen kann, jeder geht seinen eigenen Weg, man
findet neue Lieben und beginnt neue Leben mit diesen Lieben.
Aber die Liebe zu meinen Kindern kann ich nicht eintauschen, ich würde meine Kinder niemals
weggeben und stattdessen andere Kinder anfangen zu lieben.
Diese Liebe ist, im Gegensatz zu einer Partnerschaft, bedingungslos, ich erwarte nichts von
meinen Kindern, bei einem Partner erwarte ich, dass man auf einer Wellenlänge ist, was die Liebe
angeht, damit man sich nicht hintergeht oder sich einer von beiden vernachlässigt fühlt.
Man muss sich bemühen, denn lieben ist ein Verb, man muss es tun! Gegenseitig!
Meine Kinder müssen mir ihre Liebe aber nicht beweisen oder zeigen, da sie, aufgrund dessen,
dass ich eben durch ihre Erschaffung ihre Mutter bin, mich ohnehin lieben, brauchen und wollen!
Ich hoffe, man versteht, warum ich diese Liebe zu meinen Kindern als LEBEN sehe, als LIEBE
LEBEN.
Obwohl ich nicht weiß, wie es ist, eine Pflegemutter zu sein, eine Adoptivmutter oder eine
Stiefmutter, kann ich mir vorstellen, dass das auch eine ähnliche Form dieser Liebe ist, da sie
anders ist, als zur/zum eigenen PartnerIn.
Es ist das Leben mit den Kindern, das man liebt, egal wie es läuft, man trennt sich nicht von
diesen Kindern, eine Liebe, die man Tag für Tag lebt, ein Leben lang.