Was passiert, wenn ein Crush nicht verschwindet – sondern sich einfach verändert? Eine intime Reflexion von Phuong über queere Verbindungen, Unsicherheiten und das, was bleibt, wenn das Knistern nachlässt.
Können unsere Gefühle eigentlich irgendwann einfach verschwinden?
Einfach so, zu Staub werden?
Hat die Liebe, die wir füreinander empfinden, ein Verfallsdatum?
„Nichts bleibt für immer“, sagt man. Also wohl auch Gefühle nicht.
„Ich liebe dich nicht mehr“ –
Aber heißt das wirklich, du liebst mich nicht mehr? Oder bist du nur müde von der Arbeit, die es braucht, um mit mir zu sein?
Kann Liebe überhaupt jemals genug sein? Genug, damit zwei Menschen alles schaffen – zusammen?
Diese Neugier, wenn sich Blicke zum ersten Mal treffen.
Die Art, wie sich unsere Körperrhythmen anpassen, wenn wir uns auf der gleichen Laufbahn zu einander bewegen.
WER BIST DU?
Doch die Schönheit deiner Bewegung hat mich eingefangen – ich weiß nicht warum – und mein Verlangen zu dir gezogen.
Es fehlen mir die Worte, vielleicht könnte ein Lied all das ausdrücken:
Die Blicke, die Veränderung in der Stimme, wie sich die Augen weiten, wenn Sicherheit entsteht.
Das Herz schlägt noch, aber es fühlt sich weniger unruhig an.
Manchmal können wir nicht unterscheiden, ob es Nervosität oder Vorfreude ist, das wir fühlen. Dabei sind es ähnliche Hormone, die durch uns fluten.
ES PRALLT AUFEINANDER.
Öfter, als man beabsichtigt.
Wir formen Erwartungen im Kopf und enden voll Verbitterung oder Enttäuschung.
Wir sehen, wie unterschiedlich wir sind – und wie ängstlich wir selbst sind, uns verletzlich zu machen.
Das ist nicht einfach.
Meist endet dann hier der Spaß.
Doch er kehrt zurück. Manchmal. In neuen Farben, neuen Tönen.
Ich beobachte dich (auf der Bühne),
verletzlich. Nervös. Dein Blick neigt sich Richtung zum Boden.
Jetzt wirst du wieder nervös, weil sich unsere Augen treffen.
Du schaust weg – schnell – doch dann wieder hin, nur um sicherzugehen.
Nur um sicherzugehen.
Du schwankst. Links, rechts. Weißt nicht, wohin mit dir. Weiß nicht, wo du hingucken sollst, während dich jemand von Weiten sieht.
Scham und Schüchternheit steigt auf. Die Wangen werden warm.
Okay. Chill.
Mein Blick folgt dir, während die Zeit vergeht. In diesem Raum.
Voller Körper, voller Geräusche.
Plaudern, rauchen, trinken, sozial ängstlich, aufgehend, zuhörend.
Manche tun vielleicht dasselbe wie wir – oder sie beobachten uns. Wer weiß?
Irgendwann kreuzen sich unsere Wege.
Wir stellen uns vor – mit einem Blick, einer Pause, die von Anziehung und Neugier erzählt, die durch uns fließt.
Unsere Bewegungen beeinflussen sich. Du bleibst sichtbar in meinem Augenwinkel, egal wie weit wir voneinander entfernt sind.
Und plötzlich gehen wir in dieselbe Richtung.
Irgendwann sind wir Freunde. Und doch meidest du ab und zu meinen Blick.
Aber wart mal – sind wir jetzt zusammen oder nicht? Oder nur Freunde?
Oder lernen wir uns einfach kennen, ohne Kategorien? Vielleicht ist es egal.
Vielleicht ist es schön, genau so, wie es ist.
Wenn zwei Menschen sich in dieser Welt begegnen – zufällig oder nicht – und einen Teil ihres Weges teilen. Dieser kleine Moment, der einen Tag erhellen kann.
Wir teilen Dinge: Unsere Unsicherheiten, Ängste, gemeinsame Interessen.
Wie wir mit anderen umgehen. Wir verurteilen uns, vielleicht wächst sogar Groll oder Verletzungen.
Kann ein Crush eigentlich vergehen? Was ist dieses Gefühl überhaupt?
Meine Hormone spielen verrückt, ich kann nicht klar denken.
Oder vielleicht denke ich klarer als je zuvor.
Wenn mein Verlangen die Oberhand gewinnt, Teile meines Gehirns stimuliert –
vielleicht ist das nicht nur Fantasie, sondern auch Kreativität.
Denn eigentlich kenne ich dich ja gar nicht.
Plötzlich fühlt sich das Leben weniger langweilig an.
Es ist eine gute Ablenkung, dich aus der Ferne zu lieben.
Diese ersten, wenigen Momente, die wir teilten.
Dein Körper, deine Energie, die ich spürte.
Ich weiß nicht, ob sich meine Gefühle zu dir verändern – oder ob wir uns verändern.
Aber ich weiß: Veränderung ist das einzig Beständige.
Ich glaube, ich mag dich immer noch.
Mittlerweile kann ich mit dir abhängen, ohne ständig unter Strom zu stehen.
Vielleicht habe ich immer noch einen Crush auf dich.
Aber jetzt sind wir Freunde. Schon seit Jahren.
Und alles ist plötzlich normal.
Ich kenne deine Erfahrungen mit anderen, deine Dating-Muster, deine Probleme.
Manchmal finden sich Schnittstellen.
Warum muss es zwischen Queers eigentlich immer so ambivalent sein?
Vielleicht hatte ich ja auch nur einen platonischen Crush auf dich.
Ein paar Küsse zwischen Freund:innen – das schadet doch nicht, oder?
Vielleicht bist du jetzt realer für mich, als ich dachte.
Fern von meinen Projektionen, von meiner Einsamkeit, von meinem Verlangen, geliebt zu werden.